Frust in der ResidenzBetreiber der Frank Weinbar schmeißen hin

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Candy Calligaro und Felix Neuner-Duttenhofer von der „Frank Weinbar“ hören im Herbst auf.
Candy Calligaro und Felix Neuner-Duttenhofer von der „Frank Weinbar“ hören im Herbst auf. Stephan Rumpf

Die Frank Weinbar in der Münchner Residenz gilt als Kult-Adresse für fränkischen Wein. Doch die Wirte sind genervt und haben ihren Vertrag gekündigt – aus mehreren Gründen.

Von Astrid Becker

Candy Calligaro kann ihren Frust nicht verbergen. Seit Jahren kämpfen sie und ihr Mann Felix Neuner-Duttenhofer um bessere Bedingungen für ihre „Frank Weinbar“ in der Residenz in München.  Ein Kampf, der aus ihrer Sicht vergeblich gefochten war. Die beiden Wirte schmeißen hin: Sie werden die beliebte Bar, die sich ganz fränkischem Wein verschrieben hat, Ende September aufgeben – obwohl ihr Betrieb nach ihren Angaben gut läuft und stabile Umsätze schreibt.

Was wie ein Widerspruch klingt, ist für die Betreiber eine Rechnung, die nicht mehr aufgeht. Im Kern geht es um ein Vertrags- und Finanzkonstrukt, das Calligaro als kaum kalkulierbar beschreibt. Die Wirte sind nicht Hauptpächter, sondern Unterunterpächter. Die Residenz liegt in den Händen der Bayerischen Schlösserverwaltung. Diese hat ihren ehemaligen Residenzshop an den Fränkischen Weinbauverband verpachtet, der wiederum für dieses Münchner Objekt eine eigene Gesellschaft gegründet hat: die Franken Vinothek München GmbH. Seit 2017  ist diese Gesellschaft Verpächterin. 2018 hatten Candy Calligaro und ihr Mann die Frank Weinbar eröffnet. Ihr Vertrag lief zunächst fünf Jahre und wurde dann jeweils um ein Jahr verlängert. Dies bringt Calligaro und ihren Mann mittlerweile auf: „Wie soll man ohne vertragliche Sicherheit planen und investieren?“, fragen sie – und sprechen von zig Gesprächen und Verhandlungen dazu. Ein längerfristiger Vertrag sei trotzdem nicht zustande gekommen.

Zu verhandeln gab es aus Sicht der beiden Wirte nicht nur die Laufzeit, sondern auch die Kosten. Denn ihre Pacht setzt sich aus einer Umsatz- und einer Investitionspacht zusammen. In der Praxis habe das bedeutet, dass in umsatzstarken Monaten bis zu 11 000 Euro im Monat fällig wurden – für eine Fläche von 90 Quadratmetern. Zusätzlich zahlten die Wirte nach eigenen Angaben über die Jahre hinweg mehr als 450 000 Euro als Investitionspacht. Dahinter steckt die Finanzierung von Umbau und Einrichtung des früheren Ladens. Die Gesellschafter der Franken Vinothek München hatten diese Summe vorfinanziert, die Betreiber refinanzieren sie. „Das haben wir ja unterschrieben, damit wären wir also fein“, sagt Calligaro. Paradox sei es trotzdem: Je mehr Umsätze sie erwirtschafteten, desto höher werde die Belastung: „Was bleibt uns da noch?“

Für künftige Investitionen sollen die Betreiber der Frank Weinbar erneut eine hohe Summe zur regulären Pacht aufbringen.
Für künftige Investitionen sollen die Betreiber der Frank Weinbar erneut eine hohe Summe zur regulären Pacht aufbringen. Stephan Rumpf

Bei einer Verlängerung des Vertrags, so schildert es Calligaro, wäre erneut eine ähnliche Summe an „Investitionspacht“ fällig geworden, zusätzlich zu einer nicht näher definierten „Verwaltungspauschale“. Das ging den Wirten zu weit. „Es gehört uns ja nichts von der Bar“, sagt Calligaro. Für diese Beträge, meint sie, könne man sich anderswo „selbst eine Bar kaufen.“

Dazu kommen noch andere Probleme, die die beiden Wirte mächtig aufregen: die vielen Veranstaltungen in der Innenstadt. Events wie die Internationale Automobilausstellung (IAA), immer wieder Demonstrationen, kulturelle Veranstaltungen wie Klassik am Odeonsplatz oder auch derzeit wieder die Sicherheitskonferenz. Solche Tage seien für die dortige Gastronomie keine Ausnahme, sondern wiederkehrende Belastungen. Sie erschwerten Anlieferungen und kosteten Freischankflächen; „Oft haben wir davon von Stadt oder Veranstaltern nur kurzfristig oder gar nicht erfahren.“ Weil die denkmalgeschützte Residenz aber kaum Lagermöglichkeiten biete, müsse Mobiliar von draußen in die Bar getragen werden: „Das heißt, wir müssen in diesen Fällen komplett zusperren.“ Das bringt Umsatzeinbußen mit sich und fehlende Einnahmen für das Personal. Eine Einbindung der Gastronomie in diese Veranstaltungen? Immer wieder angekündigt, etwa für die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA), aber nach Darstellung Calligaros nicht umgesetzt, „absolute Fehlanzeige“.

Hermann Schmitt ist Geschäftsführer vom Fränkischen Weinbauverband, aber auch von der Franken Vinothek München GmbH. Hier ist er bei einer Pressekonferenz im Ratskeller zu sehen, dessen Schließung die Präsenz fränkischen Weins in der Stadt schmälert: Der Verlust sei „hart“, sagt er.
Hermann Schmitt ist Geschäftsführer vom Fränkischen Weinbauverband, aber auch von der Franken Vinothek München GmbH. Hier ist er bei einer Pressekonferenz im Ratskeller zu sehen, dessen Schließung die Präsenz fränkischen Weins in der Stadt schmälert: Der Verlust sei „hart“, sagt er. Astrid Becker

Hermann Schmitt, Geschäftsführer beim Fränkischen Weinbauverband und auch bei der genannten Franken Vinothek München GmbH, kann den Ärger beim Thema Veranstaltungen nachvollziehen. Er verweist aber auch auf die eigene Vertragslage mit der Schlösserverwaltung.  Auch darin seien nach fünf Jahren nur noch jährliche Verlängerungen vorgesehen: „Das ist aber bei der Schlösserverwaltung ganz normal“, sagt er. Das kenne man auch von anderen Objekten. Die Franken Vinothek München GmbH, an der zehn Weingüter jeweils einen Anteil und der Fränkische Weinbauverband zwei Anteile halten, hat ihm zufolge keinen größeren Spielraum als die Vertragslogik an die Betreiber weiterzugeben. Dies betrifft wohl auch die Höhe der Pacht – mit Ausnahme der Investitionspacht.

Dass die GmbH überhaupt dazwischengeschaltet ist, erklärt er mit finanziellen Gründen: „Wir als Fränkischer Weinbauverband hatten das Geld für Einrichtung und Umbau der Räumlichkeiten gar nicht.“ Daher sei man ja so froh gewesen, Winzer zu finden, die in München investieren wollten. Für den Verband ist die Bar mehr als ein normales gastronomisches Objekt. Die Franken wollten jahrelang eine eigene Weinbar in der Residenz – wie die Pfälzer mit ihrer Weinstube. Schließlich sei Franken die einzige bayerische Weinbauregion, hatte der Weinbauverbandspräsident Arthur Steinmann nach seinem Amtsantritt 2009 im Gespräch mit der SZ immer wieder betont. Eine solche Bar sollte Signalwirkung nach außen haben und fränkischen Weinen als Plattform dienen.

Was in der Frank Weinbar ausgeschenkt wird, ist ziemlich genau vorgeschrieben – vor allem die Weine der Winzer, die als Verpächter agieren.
Was in der Frank Weinbar ausgeschenkt wird, ist ziemlich genau vorgeschrieben – vor allem die Weine der Winzer, die als Verpächter agieren. Catherina Hess

Doch genau das sei nicht der Fall, meint Calligaro. Denn vertraglich vereinbart sind auch bestimmte Abnahmemengen – und zwar größtenteils genau der Winzer, die Anteile an der Franken Vinothek München GmbH besitzen. „Ich soll in der Bar Franken vermarkten – und das sind nun einmal mehr als die zehn Winzer, die in der Gesellschaft sind“, sagt Calligaro. Sie hätte gern mehr freie Auswahl gehabt, während Schmitt die Höhe der Abnahmemengen in Höhe von fünf Prozent als ohnehin gering erachtet: „Die beiden haben einen guten Job gemacht, und es ist bedauerlich, dass sie aufhören“, sagt er. Und: „Wir hätten doch über alles aber noch reden können.“ Calligaro kontert: „Das haben wir doch lange genug versucht, und was hat es genützt? Nichts.“ Deshalb hätten sie und ihr Mann jetzt die Reißleine gezogen.

Wie es im Herbst in der Bar weitergeht, ist offen. Die Franken müssen einen neuen Betreiber suchen, eine Ausschreibung dafür gibt es aber bisher nicht. Gleichzeitig schrumpft die fränkische Präsenz in München: Der „Alte Hof“, den der Fränkische Weinbauverband direkt von der Immobilien Freistaat Bayern gepachtet hat, funktioniert derzeit nur als Eventlocation. Und den Ratskeller, viele Jahre lang Kooperationspartner und Hochburg im Verkauf fränkischen Weins, gibt es nicht mehr: „Das trifft uns wirklich hart“, sagt Schmitt. Man suche deshalb nach einer Alternative. Umso mehr hängt nun wohl an der Residenz-Adresse, und an der Frage, ob sich unter den jetzigen Bedingungen überhaupt ein neuer Betreiber finden wird.

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