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Haus des Humors:"So ein Haus zu haben, wäre für die Stadt München ein enormer Gewinn"

Cartoonist Peter Gaymann hat schon einmal skizziert, was aus der alten Viehbank werden könnte.

(Foto: Peter Gayman)

Der Förderverein "Forum Humor und komische Kunst" hat mittlerweile konkretere Pläne für einen "neuen Typus einer Kulturinstitution" entwickelt.

Soeben hat Gerhard Polt in gewohnt witziger Manier einen kleinen Vortrag über Geschichte und Funktion des Humors gehalten, hat den Menschen definiert als "ein Viech, das lacht", hat geltend gemacht, dass Demokratie ohne Humor nicht funktioniere, hat die antike Literatur beschworen, der zufolge Humor das Leben erträglich mache, um schließlich auf München und das Projekt "Forum Humor und komische Kunst" zu sprechen zu kommen. "So ein Haus zu haben, wäre für die Stadt München ein enormer Gewinn", sagt Polt, und seine Mitstreiter applaudieren.

In diesem Haus wäre der Humor in all seinen Facetten präsent, der gute Humor, aber auch der miserable, und es wäre ein Ort, wo die Menschen, nicht zuletzt auch die jungen, "andocken" könnten. Ob es tatsächlich etwas wird mit dem Haus des Humors, das in der denkmalgeschützten ehemaligen Viehmarktbank auf dem Schlachthofgelände entstehen soll, entscheidet der Stadtrat - allerdings erst der neu gewählte. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sichert den Humorfreunden aber schon mal zu: "Wir werden auf jedem Fall vor der Sommerpause einen Beschluss fassen."

Damit die Stadträte wissen, was die Initiative "Forum Humor und komische Kunst" vorhat, lud Reiter am Montagabend zu einer Präsentation in den kleinen Sitzungssaal des Rathauses. Die kulturpolitischen Sprecher der maßgeblichen Fraktionen waren zugegen, ebenso diverse andere Stadträte sowie leitende Damen und Herren aus der Verwaltung. Diese konnten gleich mal feststellen, dass hinter dem Vorhaben namhafte Persönlichkeiten aus der Münchner Kulturszene stehen.

Der Zeichner Rudi Hurzlmeier ließ sich in einem der gewaltigen Gotikstühle nieder, auch sein Cartoonisten-Kollege Peter Gaymann war gekommen, dazu noch der Kabarettist Willy Astor, der Musiker Michael Well oder der Kulturmanager und Tausendsassa Till Hofmann. Dass zum Unterstützerkreis mittlerweile fast alle zählen, die in München als Schriftsteller, Zeichner, Bühnenkünstler oder Musiker humoristisch unterwegs sind, war einem Video zu entnehmen, das die Initiative zur Einstimmung den Stadträten vorspielte. Der Marketingspezialist Jürgen Knauss hatte die Präsentation vorbereitet und dabei nicht mit prominenten Gewährsleuten wie etwa Luise Kinseher oder Axel Hacke gespart.

Das Gebäude im Schlachthofviertel steht unter Denkmalschutz.

(Foto: Markus Lange/Yussof Knauss)

Nun also sitzt Knauss selbst im Sitzungssaal und rührt die Werbetrommel: "Es wäre für die Stadt eine große Chance, eine neue Kulturinstitution zu erhalten, die das Spektrum erweitert." Knauss erinnert an die "wahnsinnige Tradition", die München in puncto Humor habe, er erwähnt die Satirezeitschrift Simplicissimus, das Kabarett "Die Elf Scharfrichter" und natürlich Karl Valentin. Das Haus des Humors werde einmalig sein in Deutschland: Kein Museum, keine Sammlung, sondern ein "neuer Typus einer Kulturinstitution", die sich auch in interaktiver Weise mit dem Humor auseinandersetzt und das Publikum "wie ein Magnet" anziehen werde. Die Viehmarktbank sei der ideale Ort für so ein Haus, es würde zusammen mit dem neuen Volkstheater und dem Wirtshaus im Schlachthof ein "Humorquartier" bilden.

Wie das "Haus des Humors" bespielt werden soll, erläutert Reinhard G. Wittmann, der Vorsitzende des Fördervereins: Schon vor dem Eingang werde der Besucher mit komischen Skulpturen eingestimmt, beispielsweise der berühmten Giraffe des argentinischen Zeichners Mordillo oder einer dreidimensionalen Version von Peter Gaymanns Hühnern. "Wenn der Besucher das betritt, ist er in einer anderen Welt." Schon das Foyer hätte eine einschlägige Wandbemalung, für die vielleicht Hurzlmeier infrage käme, und die Eingangshalle im Erdgeschoß wäre mit komischer Kunst ausgestattet; zudem gäbe es ein Café und einen Shop, wo etwa Original-Cartoons, CDs oder Bücher zu kaufen wären. Am Abend aber verwandelte sich dieser Raum zu einem Veranstaltungsort für humoristische Programme, Werkstattgespräche, Vorträge oder Filmvorführungen. Ungewöhnlich wäre auch das Eintrittsticket: Wer es erwirbt, muss zunächst ein paar Fragen beantworten, und auch in der Ausstellung muss der Besucher, so Wittmann, "mit dem Ticket arbeiten".

Für die Dauerausstellung sehen die Pläne das erste Stockwerk vor. Auf 600 Quadratmetern soll ein "Mitlach- und Mitmach-Parcours durch die Welt des Humors" entstehen. Diesen wolle man zusammen mit humorbegabten Künstlern gestalten, etwa Bully Herbig oder Richard Oehmann von Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater. Wittmann kann sich etwa witzige Spiegelkabinette vorstellen oder virtuelle Räume, in den die Besucher in die Welt der großen Humoristen eintreten könnten, zum Beispiel in Filmszenen Charlie Chaplins.

Veranstaltungen des Forums Humor

Mit diversen Benefizveranstaltungen wirbt der Förderverein "Forum Humor und komische Kunst" für seine Sache. Am Donnerstag, 20. Februar, 17.30 Uhr, lädt die Initiative beispielsweise unter dem Titel "Ein Riesenblödsinn halt" zu einem Karl-Valentin-Abend im Augustiner Stammhaus in der Neuhauser Straße. Die Schauspieler Helmfried von Lüttichau ("Hubert und Staller") und Barbary de Koy sowie der Kabarettist Andreas Rebers nehmen sich Valentin-Texte auf ihre Weise vor. Zudem bietet das Programm eine kulinarische Annäherung an den großen Komiker. Es gibt ein "Valentin-Gala-Menü", zu dem unter anderem die Lieblingskartoffelsuppe des Herrn Rembremerdeng sowie Monsieur Zissbideldips Lieblingskrapfen gehören. Der Eintritt einschließlich Menü kostet 55 Euro, Kartenreservierung im Forum-Humor-Büro unter Telefon 089/72 10 91 11 oder info@forum-humor.de.

Am Sonntag, 8. März, 11 Uhr, spricht Gerhard Polt mit dem neapolitanischen Musiker Raffaelo Converso im Lustspielhaus. Dabei geht es unter anderem um die Figur des Pulcinella, eines mittelalterlichen Spaßmachers, der alles, was er im Alltag der "kleinen Leute" aufschnappt, in komischer Verwandlung auf die Bühne bringt. Der Eintritt für die lustige Benefiz-Matinee kostet 35 Euro. wg

Ferner strebe man eine Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk an, der mittlerweile sein Archiv bis zurück in die Zwanzigerjahre digitalisiert habe und auch in Sachen Humor über spektakuläre filmische Schätze verfüge. Wechselausstellungen zu Themen wie "Sport und Humor" oder "Humor in der Werbung" gäbe es im Erdgeschoß, die zweite Etage ist für "eine Art Akademie der komischen Kunst" mit Werkräumen und Büros vorgesehen. Im Dachgeschoß wiederum kämen Künstlerateliers unter.

Marianne Wille, die zweite Vorsitzende des Vereins, ist es vorbehalten, das Schlusswort der Initiative zu sprechen. Unter anderem macht sie darauf aufmerksam, dass neben vielen Künstlern sich 400 Personen dem Verein angeschlossen haben. Auch eine ganze Reihe Spender gibt es: Insgesamt seien bereits 1,5 Millionen Euro aus privaten Mitteln in Aussicht gestellt worden für den Fall, dass das Projekt verwirklicht werde.

Die Sanierungs- und Ausstattungskosten schätzt der Verein ungefähr auf 18 Millionen Euro. Doch selbst wenn das Haus ungenutzt bliebe, müsste es saniert werden, schon weil es unter Denkmalschutz steht. Die Stadt wird also in jedem Fall in die Viehmarktbank investieren müssen. Der Förderverein hofft, dass auch der Freistaat Geld lockermacht. Entsprechende Gespräche will Reiter demnächst mit Ministerpräsident Markus Söder führen. Abschließend sagt Wille: "Lassen Sie uns gemeinsam etwas Außergewöhnliches wagen."

© SZ vom 19.02.2020/vewo
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