Der Veteranen- und Soldatenverein Forstenried, einer der ältesten Vereine der Stadt überhaupt, feiert am 3. Juli sein 150-jähriges Bestehen. Doch ausgerechnet vor dem großen Festakt kocht eine alte Geschichte wieder hoch. Es geht um die Brüder Josef und Ludwig Kübler, die auf der Erinnerungstafel des Kriegerdenkmals an der Forstenrieder Allee als "Vermisste" aufgeführt sind. Nur kann davon keine Rede sein, das tatsächliche Schicksal der beiden ehemaligen Wehrmachtsoffiziere ist seit Jahren lückenlos überliefert. Sie waren im Zweiten Weltkrieg als Kriegsverbrecher berüchtigt und wurden deswegen 1947 in Ljubljana verurteilt und hingerichtet.
Ludwig Kübler ist General der Gebirgstruppe gewesen; die Kaserne in Mittenwald trug bis 1995 seinen Namen. Dann fiel auch der Bundeswehr auf, welchen zweifelhaften Patron sie damit ehrte. Kübler wurden Massaker und Terror gegen die Zivilbevölkerung zur Last gelegt, auch mit den eigenen Soldaten soll er rücksichtslos umgesprungen sein. Seine gnadenlosen Befehle trugen ihm den Beinamen "Bluthund von Lemberg" ein.
Wegen der fragwürdigen Inschriften auf dem Gedenkstein hat der Veteranen- und Soldatenverein jetzt mit Unterstützung des Bezirksausschusses sowie auf Anraten des Historischen Vereins Forstenried die Denkmalschutzbehörden um "historische Überprüfung und Bewertung" der Angelegenheit gebeten. Beides ist noch nicht abgeschlossen. "Aber wir haben vorsorglich schon mal beantragt, die Kübler-Gravuren zu löschen", berichtet der Vereinsvorsitzende Johann Foyse.
Im Hinblick auf die Zukunft seiner Gefolgschaft treiben Foyse noch andere Sorgen um. Zwar zählt der Veteranen- und Soldatenverein Forstenried immerhin 62 Mitglieder. Doch das Durchschnittsalter tendiert gegen 70 Jahre. "Und beim Nachwuchs stagniert's", so Vorstand Foyse. Er selbst hat der Bundeswehr lange als Arzt gedient.
Das 150-jährige Bestehen soll am 3. Juli von 10.30 Uhr an mit Gedenken, Waldgottesdienst, Festzug, Fahnenabordnungen von Orts- und Gastvereinen und Blasmusik gefeiert werden. Dabei soll zugleich an die Einweihung des Ehrenmals an der Forstenrieder Allee vor 100 Jahren erinnert werden.