Forstenried:Derzbachhof ist so gut wie bezugsfertig

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Forstenried: Mit traditioneller Handwerkskunst modern saniert: der Derzbachhof in Forstenried.

Mit traditioneller Handwerkskunst modern saniert: der Derzbachhof in Forstenried.

(Foto: Florian Peljak)

Der 1751 errichtete Hof in Forstenried ist Münchens ältester erhaltener Bauernhof. 40 Jahre lang war er unbewohnt - nun ist er saniert und um einen Neubau mit 17 Wohnungen erweitert worden.

Von Jürgen Wolfram

Bis vor wenigen Jahren noch drohte sein Einsturz, inzwischen präsentiert sich der historische Derzbachhof in Forstenried rundum saniert und um einen Neubau mit 17 Wohnungen erweitert. So gut wie bezugsfertig sei die Anlage, erklärten bei einem "Denkmalwerkstatt"-Ortstermin die Vertreter des Bauträgers Euroboden. Nach rund zweieinhalbjähriger Bauzeit sei die "Mission", Arbeiten und Wohnen, Stadt und Land, Jung und Alt unter einem Dach zu vereinen, erfüllt. Gleiches gelte für die "Synthese aus Denkmalschutz, modernem Wohnanspruch und Wärmeschutz". Stolz sind Architekt Walter Waldrauch (Raumstation Architekten) und Projektleiter Julius Haas nicht zuletzt auf das neue Dach des Altbaus. In traditioneller Handwerkskunst wurden hier Schindeln aus unbehandeltem Zedernholz verlegt.

Der 1751 errichtete Derzbachhof an der Forstenrieder Allee, Münchens ältester erhaltener Bauernhof, hat nichts von seiner ländlichen Anmutung verloren, nur dass sich in seinem Stadel jetzt gut belichtete, doch unauffällige Wohnräume befinden. Darauf abgestimmt worden ist die rustikale Gestaltung des Neubaus mit seinen 17 Wohnungen. Durch die vertikale Holzverschalung erinnert das Gebäude ebenfalls an traditionelle Hofstrukturen. Mustergültig präsentiert sich in dieser Hinsicht der vordere Teil des denkmalgeschützten Altbaus; sogar seine Deckenhöhe ist unverändert so niedrig geblieben wie in früheren Zeiten üblich. Die Räume können künftig für Zusammenkünfte der Hofbewohner dienen. Zur Forstenrieder Allee hin soll zudem ein kleiner öffentlicher Platz auf dörfliches Ambiente anspielen.

Wie schon beim Richtfest im November 2021 betonte Projektleiter Julius Haas ungeachtet wiederholt vorgebrachter Proteste von Anwohnern auch diesmal, man habe sich haarklein an alle Auflagen des Denkmalschutzes gehalten. Der Verein Forum Stadtnetzwerk Historische Städte sieht es offenbar genauso. Es zeichnete den alten Derzbachhof in seinem neuen Kleid mit dem renommierten Otto-Borst-Preis Stadterneuerung 2022 aus. Dieser Preis wird alle zwei Jahre an Projekte vergeben, "die durch Erhaltung, Umnutzung und Weiterbau die Entwicklung lebendiger historischer Städte fördern".

Der Derzbachhof, der so viele Jahrzehnte in seinem Gebälk trägt, blickt auch auf eine bewegte jüngere Geschichte zurück. Seit mehr als 40 Jahren unbewohnt, sollte er nach dem Willen von Ortshistorikern und Lokalpolitikern eigentlich zum Museum umfunktioniert werden. Doch die Stadt winkte ab - kein überzeugendes Konzept, zu kostenträchtig. 2015 wurde dann der Euroboden-Gründer Stefan Höglmaier auf das Anwesen aufmerksam. Er kaufte es einer Erbengemeinschaft ab und entwickelte gemeinsam mit dem Architekten Peter Haimerl ein Nutzungs- und Sanierungskonzept, das dem Denkmalschutz und der Rentabilität gleichermaßen Rechnung trägt.

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