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Forst Kasten:Umweltaktivisten protestieren vorm Polizeipräsidium

Bild in neuer Seite öffnenUmweltaktivisten aus dem Forst Kasten vor Polizei, Löwengrube 3

Vom Wald in die Löwengrube: Nach der Räumung des Camps demonstrieren Aktivisten vorm Präsidium.

(Foto: Florian Peljak)

Erst mussten sie die Bäume im bedrohten Forst Kasten verlassen, jetzt protestieren sie gegen die Festnahme eines Mitdemonstranten. Von einem Zwischenfall bei der Räumung gibt es verschiedene Versionen.

Von Linus Freymark

Mit Trommeln haben sie Stellung bezogen. Dazu die Sprechchöre: "Freiheit für Frettchen!" Frettchen - das ist der Spitzname jenes Aktivisten, der gegen die Rodung eines knapp zehn Hektar großen Areals im Forst Kasten protestiert hatte und am Montag von der Polizei festgenommen wurde. Der Vorwurf: Frettchen soll eine Beamtin beleidigt haben. Weil er seine Personalien nicht angab, wurde er in Gewahrsam genommen und sollte am Dienstag in die JVA gebracht werden.

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Um dem Festgenommenen ihre Unterstützung zu signalisieren und gegen das ihrer Meinung nach ungerechtfertigt harte Vorgehen der Polizei zu protestieren, demonstrierten rund 20 Aktivisten aus dem Umfeld der Gruppen, die im Forst Kasten aktiv sind, am Dienstag vor dem Eingang des Polizeipräsidiums.

Am Montag hatte die Polizei den von zwei verschiedenen Gruppen besetzten Forst geräumt. Während der Einsatz bei der einen Gruppe reibungslos verlief, gab es bei der anderen nach Darstellung der Aktivisten einen Zwischenfall. So soll die Polizei bei dem Einsatz, bei dem mehrere Personen von an Bäumen befestigten Plattformen abgeseilt wurden, die Sicherheit der Demonstranten nicht ausreichend beachtet und den Festgenommenen "gleich mehrfach in Lebensgefahr gebracht" haben.

So sollen die Beamten mit Steigbügeln auf die Bäume geklettert sein und dabei riskiert haben, die Sicherheitsvorrichtungen der Aktivisten zu zerstören. Zudem sollen dem Festgenommenen die Beine abgebunden worden sein, woraufhin dieser einen Kreislaufkollaps erlitt.

Die Polizei bestreitet die Vorwürfe. Bei der Aktion sei es zu keinem Zeitpunkt zu einer Gefährdung der Aktivisten gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Zudem habe sich der Aktivist selbst eine Sicherungsvorrichtung um seine Beine gebunden. Als er wegen dieser nach seiner Festnahme über Schmerzen klagte, sei er ins Krankenhaus gebracht und ärztlich versorgt worden.

Kritik äußerten die Protestierenden auch am Vorgehen der Polizei am Dienstag. Denn die Behörden hatten den Ort der Versammlung vom Eingang des Präsidiums in eine Querstraße verlegt. Dadurch sei jedoch laut den Aktivisten der Grund der Aktion, nämlich die Solidarisierungsgeste für den Festgenommenen, nicht mehr durchführbar, da dieser die Demonstranten auf seinem Weg vom Präsidium in die JVA nicht sehen würde.

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Die Verlegung von Demonstrationen durch die Behörden ist rechtens, jedoch nur, wenn dadurch das Ansinnen der Kundgebung weiterhin zum Ausdruck gebracht werden kann. Die Polizei äußerte sich zunächst nicht zu den Gründen der Verlegung.

© SZ vom 23.06.2021 / LFR/infu