Forst Kasten:Windkraft statt Kiesabbau

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Forst Kasten: Die Kiesabbaupläne für den Forst Kasten haben vergangenes Jahr Proteste von Klimaschützern provoziert.

Die Kiesabbaupläne für den Forst Kasten haben vergangenes Jahr Proteste von Klimaschützern provoziert.

(Foto: Catherina Hess)

Die umstrittene Rodung im Forst Kasten kann wohl nicht mehr gestoppt werden. Aber es gibt Pläne für eine umweltfreundlichere Nutzung des Waldes.

Von Thomas Anlauf

Die Rodung von knapp zehn Hektar Wald im Forst Kasten kann wohl nicht mehr gestoppt werden. Allerdings könnte das etwa 800 Hektar große Waldgebiet, das der Münchner Heiliggeistspital-Stiftung gehört, künftig nicht mehr nur für den Kiesabbau genutzt werden. Der Sozialausschuss im Stadtrat und das Sozialreferat haben signalisiert, dass mitten im Wald möglicherweise sogar Windkraftanlagen entstehen könnten.

Die Idee hatte am Donnerstag Grünen-Stadtrat Bernd Schreyer öffentlich gemacht. Derzeit laufen demnach Untersuchungen, ob eine oder sogar mehrere Rotoren im Münchner Stiftungsforst zwischen Neuried und dem Würmtal möglich sind. Das Münchner Ingenieurbüro Beermann Energiesysteme GmbH, das auch die Windkraftanlage in Fröttmaning errichtet hat, soll bereits von dem Verein Grünzug-Netzwerk Würmtal eingeschaltet worden sein, so Schreyer. Darüber wurde in der Sitzung des Sozialausschusses zwar nicht abgestimmt, allerdings signalisierte das Sozialreferat Wohlwollen für die Idee.

Das Gleiche gilt für die sogenannten Klimacamps im Forst Kasten. Im Frühjahr hatten Umweltaktivisten wochenlang im Wald gegen die Abholzung von Tausenden Bäumen zugunsten eines Kiesabbaus demonstriert. Einige von ihnen wurden letztlich von der Polizei von besetzten Bäumen geholt, Demonstranten hatten über polizeiliche Gewalt berichtet. Nun deutet sich an, dass Klimaaktivisten unter Berücksichtigung des Versammlungsrechts künftig durchaus ganz legal Klimacamps im Forst Kasten organisieren könnten.

Eine Neurieder Firma hat den Zuschlag erhalten, mitten im eigentlich geschützten Wald Tausende Bäume schlagen zu dürfen, um tonnenweise Kies aus dem Untergrund zu schürfen. Der Münchner Stadtrat hatte dem 2014 und 2017 grundsätzlich zugestimmt. Denn die Münchner Heiliggeistspital-Stiftung hat seit etwa achthundert Jahren das Recht, den Forst Kasten wirtschaftlich zu nutzen, um so das Stiftungsvermögen zu wahren.

Nun könnte aber genau diese Stiftungssatzung ins Wanken geraten. Denn nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Frühjahr, wonach der Klimaschutz viel stärker als bisher in Gesetze und Verordnungen einfließen muss, könnte der Stiftungszweck künftig nicht der Waldnutzung im klassischen Sinn, sondern eben auch dem Klimaschutz dienen. Durch Windkrafträder etwa. Eine Entscheidung dazu steht aber noch aus.

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