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50 Jahre "Landshut":Ein Flugzeug mit Geschichte

Pressebild der Flughafen München GmbH: Flugzeugtaufe der "Landshut" in Riem

Das Bild von der Taufe der "Landshut" am 7. August 1970 in einem Hangar in Riem stammt aus dem Archiv des Münchner Flughafens. Fotograf war der damalige Landshuter Oberbürgermeister.

(Foto: Josef Deimer)

Vor 50 Jahren wurde am Flughafen Riem die "Landshut" getauft, die Terroristen später nach Mogadischu entführten.

Von Dominik Hutter

Sie waren in historischen Kostümen in den Hangar des Flughafens München-Riem gekommen: als Landsknechte, Edeldamen und Fahnenschwinger. Eine 100-köpfige Delegation aus Landshut, angeführt vom damaligen Oberbürgermeister Josef Deimer, nahm an der feierlichen Taufe der nagelneuen Boeing 737-200 der Lufthansa teil, die künftig den Namen der niederbayerischen Bezirkshauptstadt tragen sollte. Am 7. August 1970 war das, vor genau 50 Jahren, und die Ehefrau des Landshuter Stadtoberhaupts, Thea Deimer, begoss die Flugzeugnase feierlich mit dem ortstypischen "Ratsherrnsekt".

Damals konnte niemand ahnen, dass das Flugzeug wenige Jahre später Teil der deutschen Geschichte werden und tagelang weltweit die Fernsehbilder und Schlagzeilen bestimmen würde. 86 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder waren an Bord, als die "Landshut" am 13. Oktober 1977 in Palma de Mallorca abhob und die Tour gen Frankfurt antrat. Die anschließende Geiselnahme durch palästinensische Terroristen und die tagelange Odyssee, die über Rom, Larnaka, Dubai und Aden nach Mogadischu führte und in deren Verlauf Kapitän Jürgen Schumann ermordet wurde, endete mit der glücklichen Befreiung aller Passagiere durch das deutsche Spezialkommando GSG 9 auf dem Flughafen der somalischen Hauptstadt.

Und mit der sogenannten Todesnacht von Stammheim, in der sich die in Stuttgart inhaftierten RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe das Leben nahmen. Deren Befreiung sowie die weiterer Gesinnungsgenossen war das Ziel der Entführung gewesen - drei der vier Mitglieder des Terrorkommandos wurden bei der Befreiungsaktion getötet. Am 19. Oktober 1977 wurde dann im elsässischen Mülhausen im Kofferraum eines Autos die Leiche des von der RAF entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer gefunden. Die Ereignisse bilden den traurigen Höhepunkt des vom Terror geprägten "Deutschen Herbstes".

Für die Passagiere der "Landshut" war die Entführung eine unbeschreibliche Tortur. Ständigen Todesdrohungen ausgesetzt, am Schluss bereits mit Alkohol übergossen, mussten sie fünf Tage in der schlecht belüfteten Maschine ausharren. Bei praller Hitze - in Dubai fiel wegen Treibstoffmangels die Klimaanlage aus. Für den Fall des Scheiterns der Befreiungsaktion hatte Bundeskanzler Helmut Schmidt bereits sein Rücktrittsschreiben vorbereitet.

Die "Landshut" wurde nach der Befreiungsaktion wieder hergerichtet und flog noch bis 1985 unter gleichem Namen für die Lufthansa. Danach wurde sie immer wieder weiterverkauft, wie es bei älteren Flugzeugen nicht unüblich ist. Zuletzt gehörte sie einer brasilianischen Airline, die sie als Frachtmaschine nutzte und schließlich flugunfähig auf dem Flughafen Fortaleza abstellte. Dort stand sie viele Jahre verrottend im tropischen Klima, bis sie auf Initiative des früheren Außenministers Sigmar Gabriel von der Bundesrepublik zum Schrottwert gekauft und im Bauch zweier Transportmaschinen nach Friedrichshafen geflogen wurde.

Dort befindet sie sich jetzt noch, in ziemlich angegriffenem Zustand. Und ihr Schicksal ist unklar. Die "Landshut" soll Teil einer Ausstellung über den Terrorismus werden. Der ursprünglich geplante Standort im Dornier-Museum in Friedrichshafen gilt aber als äußerst ungewiss, es läuft eine Suche nach weiteren Möglichkeiten zur Präsentation der historischen Maschine.

© SZ vom 07.08.2020/vewo
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