Während in Terminal 1 des Münchner Flughafens am Freitag ganz normaler Flugbetrieb herrschte, ging es im Terminal 2, in dem die Lufthansa ihre Flüge abfertigt, sehr ruhig zu. Wegen des Streiks des Lufthansa-Kabinenpersonals sind in München etwa 400 Starts und Landungen ausgefallen. Insgesamt waren an diesem Tag 940 Flugbewegungen aller Airlines geplant. Ein Chaos mit langen Schlangen vor den Schaltern blieb aus: Weil die Passagiere schon am Donnerstag über annullierte Flüge informiert worden waren, kamen sie erst gar nicht zum Airport.
Zum Ausstand bei der Lufthansa und ihrer Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline hatte die Gewerkschaft Ufo aufgerufen, in der hauptsächlich die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter organisiert sind. Bei der Lufthansa-Kerngesellschaft dreht sich der Streit um Verhandlungen zum Manteltarifvertrag, bei der Lufthansa Cityline fordert Ufo einen Sozialtarifvertrag. Dessen Hintergrund ist die geplante Schließung des Flugbetriebs im kommenden Jahr, von der etwa 800 Arbeitsplätze bedroht sind.
Der Ausstand am Freitag war bereits der dritte größere Streik in diesem Jahr bei der Lufthansa. München ist nach Frankfurt am Main das zweitgrößte Drehkreuz der Airline für den weltweiten Flugverkehr. Vom Streik betroffen sind aber nicht nur Passagiere, die am Freitag von München aus abfliegen wollen. Weil die Maschinen nicht zu ihren Zielen aufbrechen konnten, fehlen sie dort für Flüge nach Deutschland. Viele Reisende mussten an ihren Urlaubsorten auf Flüge anderer Airlines umgebucht werden. Für einige verzögerte oder verzögert sich die Abreise deutlich.
So meldete sich bei der SZ ein Münchner Ehepaar, dessen Heimreise sich sogar um zwei Tage verschiebt. Statt an diesem Samstagmorgen direkt von Delhi in Indien nach München zu starten, können die Münchner erst am Montag über Zürich mit Air India nach Hause fliegen. Andere Münchner beklagten, dass sie auf einen Etihad-Flug umgebucht worden seien, der ausgerechnet über Abu Dhabi führen soll, also über die Krisenregion am Persischen Golf.
Die Lufthansa selbst fliegt das Drehkreuz am Golf bis 24. Oktober nicht an, allerdings „vorsorglich aus operationellem Grund“, wie ein Sprecher erklärt. Dies geschehe „explizit eben nicht aufgrund der Sicherheitslage“. Bei Umbuchung auf eine andere Fluglinie greife deren Risikobewertung. Dass die betroffenen Münchner nach eigenen Angaben nicht über die Stornierungen ihrer Heimflüge informiert worden seien, bedaure man. „Aufgrund der kurzfristigen Streikankündigung und der hohen Anzahl betroffener Flüge kann eine Verzögerung des Benachrichtigungsprozesses nicht ganz ausgeschlossen werden“, so der Sprecher.

