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Flughafen:Schneller und sicherer zum Flieger - dank moderner Technik

Handgepäck-Kontrolle mit moderner Technik: Förderbänder im Terminal 2 des Münchner Flughafens.

Im Terminal 2 wurden die Förderbänder mit geteilten Spuren erfolgreich getestet. Schrittweise werden deshalb in den nächsten zwei Jahren alle Kontrollen mit der modernen Technik ausgestattet.

(Foto: Marco Einfeldt)
  • Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart hat am Donnerstag angekündigt, etwa drei Viertel der Kontrollstellen am Flughafen modernisieren zu wollen.
  • Der Freistaat wolle insgesamt 48 neue Kontrollspuren einrichten und 61 Computer-Tomografen anschaffen, die das Handgepäck durchleuchten.
  • Die neue Sicherheitstechnik wurde seit Anfang Februar im Normalbetrieb des Terminal 2 getestet.

Die Zukunft steht schon da, mitten in der Sicherheitskontrolle des Terminals 2 am Flughafen. Bodyscanner der neuesten Generation, links und rechts davon zwei große graue Kästen: Computer-Tomografen, durch die das Handgepäck automatisch hindurch läuft. Etwas erhöht sitzen vier Kontrolleure, an ihren Bildschirmen können sie sich dreidimensionale Aufnahmen aus dem Inneren des Gepäckstücks ansehen und nach Belieben drehen und wenden. Sie entscheiden, ob die Tasche, wenn sie unverdächtig ist, an einer Weiche nach links geht, wo sie der Passagier dann wieder an sich nehmen kann. Oder nach rechts, dann wird sie noch einmal genauer unter die Lupe genommen. "Alternative Kontrollstelle" heißt das hier, aber die Alternative soll bald zur Norm werden.

Was bislang an diesen zwei Kontrollspuren im Terminal 2 getestet wurde, das soll es am Flughafen im Erdinger Moos künftig nahezu überall geben. Verkehrsminister Hans Reichhart kündigte am Donnerstag an, etwa drei Viertel der bestehenden Kontrollstellen in den kommenden Jahren umzustellen und zu modernisieren - in beiden Terminals. Insgesamt wolle der Freistaat 48 neue Kontrollspuren einrichten und 61 Computer-Tomografen anschaffen, die das Handgepäck durchleuchten, sagte Reichhart. Knapp zwei Millionen Euro werde das kosten - pro Spur.

Der Münchner Flughafen sei der erste in Deutschland, der diese neue Sicherheitstechnik serienmäßig bekomme, sagte Reichart; das bedeute deutlich "mehr Effizienz und höhere Sicherheit". Die beiden Pilotanlagen wurden seit Anfang Februar im Normalbetrieb getestet. Die Ergebnisse haben die Verantwortlichen des Freistaats sowie von Flughafen und Lufthansa, die das Terminal 2 gemeinsam betreiben, offenbar überzeugt.

Vor allem zwei Neuerungen machen die Kontrollspuren aus: Das Handgepäck wird mit Computer-Tomografie-Technik durchleuchtet. Das bedeutet, dass es automatisiert auf Sprengstoff untersucht wird. Die Zahl der Fehlalarme werde deutlich reduziert, sagt Reichhart. Auch können die Passagiere Smartphones und Notebooks künftig in der Tasche lassen und müssen sie nicht eigens aufs Band legen. Das gilt auch für Flaschen mit Flüssigkeiten, die mit in den Flieger genommen werden dürfen. Damit werde "der Passagierkomfort erheblich gesteigert", verspricht der scheidende Flughafen-Chef Michael Kerkloh. Zum anderen können künftig vor den Röhren bis zu vier Personen gleichzeitig ihre Sachen in die Wannen legen, die dann automatisch durch das Kontrollgerät gefahren werden. Bislang mussten Passagiere warten, bis der Mann oder die Frau vor ihnen fertig war.

97 Prozent der befragten Passagiere, die die neue Kontrollspur benutzt haben, seien damit zufrieden gewesen, teilt das Verkehrsministerium mit. Wer in München einchecke, bekomme "verlässlich komfortable Sicherheitskontrollen ohne lange Wartezeiten", sagt Lufthansa-Vertreter Wilken Bormann. Für die Betreiber aber vor allem entscheidend: In einer herkömmlichen Spur können im Schnitt etwa 100 Passagiere pro Stunde kontrolliert werden, bei den neuen 260 - bei etwas geringerem Personalaufwand sogar. Das bringt dem Flughafen dem von Reichhart ausgegebenen Ziel näher: 85 Prozent der Passagiere sollen in weniger als fünf Minuten durch die Sicherheitskontrolle kommen - trotz der stetig steigenden Zahl der Fluggäste im Erdinger Moos.

Die neuen Kontrollspuren brauchen mehr Platz als die bisherigen, deshalb muss an dieser Stelle auch das Terminal 2 umgebaut werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Umgestellt werden soll schrittweise vom kommenden Jahr an, an manchen Stellen, auch im Terminal 2 muss umgebaut werden - die neuen Spuren brauchen mehr Platz als die alten. Vorbild war übrigens der Flughafen Amsterdam Schiphol, wo solche Anlagen schon einige Zeit im Einsatz sind. Und das Ministerium wartet bereits auf eine neue Software für die Bodyscanner: Dann sollen diese pro Person nicht mehr knapp vier Sekunden brauchen wie momentan noch, sondern nur noch gut zwei. Das dürfte die Kapazität der Kontrollstellen weiter erhöhen. Durch deren neue Konstruktion soll auch das Risiko vermindert werden, dass Passagiere unkontrolliert den Sicherheitsbereich des Flughafens betreten. Ende Juli 2018 war das passiert - die Folge waren eine stundenlange Sperrung und Räumung des Terminals und ein großes Chaos. Mehr als 300 Flüge wurden annulliert, Tausende Passagiere strandeten am Münchner Flughafen.

Nicht weiter verfolgt wird offenbar die vom Flughafen und den Sicherheitsbehörden intern immer wieder diskutierte Idee, geschlechtsgetrennte Kontrollstellen einzurichten. Befürworter halten diese für effizienter. Das Luftamt aber sieht das kritisch, wie sein Leiter Ulrich Ehinger sagt - nicht nur wegen möglicher Diskriminierungsprobleme. Sondern auch, weil dann Paare oder Familien bei der Kontrolle getrennt würden und sich danach wieder finden müssten. Das führe womöglich zu mehr Stress.

© SZ vom 20.12.2019/syn
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