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Alter Flughafen Riem:Endlich nach drinnen

Immer wieder haben Michael Lapper (links) und seine Mitstreiter Aktionen am Kopfbau organisiert. Jetzt dürfen sie das Gebäude selbst nutzen.

(Foto: Privat)

15 Jahre lang gammelte der Kopfbau der Besuchertribüne am früheren Flughafen Riem vor sich hin. Jetzt dürfen Michael Lapper und seine Initiative bei ihrem Sommer-Kunstprojekt das Gebäude aus der NS-Zeit für Publikum öffnen

Von Ilona Gerdom, Messestadt Riem

Umgeben vom Riemer Park liegt der Kopfbau. Während so gut wie jeder im Stadtteil das Gebäude kennt, wissen nur wenige um die Geschichte dahinter. 1939 entstand es im Nationalsozialismus als Teil der Besuchertribüne des Flughafens Riem. Auf diesen Hintergrund hinzuweisen, ist einer der Gründe, warum sich Künstler Michael Lapper seit langem dafür einsetzt, die denkmalgeschützte alte Kassenhalle für Publikum zu öffnen. Nun haben das Kommunalreferat und der Bezirksausschuss (BA) Trudering-Riem seinem Sommerprojekt zugestimmt. Bis Oktober darf Lapper mit seiner Initiative "Kopfbaut" nicht nur das Außenareal, sondern endlich auch das Innere bespielen.

Schon in der Vergangenheit hatte die Gruppe immer wieder Aktionen an der Werner-Eckert-Straße 1 organisiert. Dieser Sommer jedoch ist der erste seit der Bundesgartenschau 2005, in dem sich etwas in den Räumen selbst tut. Das war vorher nicht möglich, weil der Schimmelbefall zu heftig war. Durch regelmäßiges Lüften konnte die Luftqualität allerdings erheblich verbessert werden. Deshalb gab das Kommunalreferat Lapper die Er- laubnis, unter Auflagen und zeitlichen Einschränkungen loszulegen. Jetzt können Architekten, Städteplaner, Künstler und Bürger aus der Messestadt und aus Trudering anfangen, ihre Ideen umzusetzen.

Damit dürften die zehn bis 15 Personen im Kernteam gut beschäftigt sein. Denn das Programm, das sie sich vorgenommen haben, ist ambitioniert. Zum einem soll aktuellen Themen in der Pandemie Platz eingeräumt werden. Darunter fallen zum Beispiel Ausstellungen und Workshops zu Home-Office, Home-Schooling oder Reisen. Mit auf der To-do-Liste steht, den Stadtteil und die Bewohner in das Geschehen einzubinden. Es gehe darum, Lebenswirklichkeit mit kulturellen Mitteln anschaulich zu machen, erläutert Lapper. Einmal durch die Zusammenarbeit mit der Stadtteilbibliothek, die einen Pop-up-Bücher-Store eröffnen wird. Außerdem will der Künstler die Vorläuferklassen des Gymnasiums, die voraussichtlich 2022 auf den Schulcampus am Rand des Riemer Parks umziehen, und die Astrid-Lindgren-Schule ins Boot holen. Für die Bewirtung wünscht man sich ein kleines Café - unter Berücksichtigung der Hygieneregeln.

Lapper freut sich auf die kommenden Monate, vor allem aber über die Innennutzung: "Die Leute dürfen zum ersten Mal auch rein." Man habe den Kopfbau endlich aus dem Dornröschenschlaf geholt. "Irgendwann ist selbst dem Letzten klar geworden, dass wir das Haus nicht verschimmeln lassen können", freut sich Lapper. Mittlerweile hat auch der Stadtrat beschlossen, den geschichtsträchtigen Bau herzurichten. Bis zur vollständigen Umsetzung soll von 2021 bis 2024 eine experimentelle Nutzung stattfinden. Unterdessen steht für die Arbeitsgemeinschaft "Kopfbaut" fest, dass ihr Engagement mit dem Sommerprojekt nicht endet. Sie hat vor, bald einen Trägerverein zu gründen.

Wegen Corona seien die Akteure selbst im Moment ein wenig eingeschränkt. Ziel für die nächsten Wochen sei daher: "Den Ball flach und den Kopf hochhalten". Und die Kunst überhaupt wieder auf den Schirm zu bringen. In Zeiten von Pandemie und Lockdown sei "nirgends etwas Kulturelles" zu sehen gewesen, beklagt Michael Lapper. Man habe nur "Glotze und Web" gehabt. Zumindest in der Messestadt wird sich das bald ändern.

© SZ vom 13.07.2020

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