Trendsport-EventAm Airport fliegen auch die Bälle

Lesezeit: 3 Min.

Volle Konzentration: Ben Zengler testet den Padel-Court am Flughafen.
Volle Konzentration: Ben Zengler testet den Padel-Court am Flughafen.
Marco Einfeldt

Freizeitsportler und Freizeitsportlerinnen können sich am Münchner Flughafen einer neuen Herausforderung stellen und gegen Profis antreten – bei den „Padel Days“.

Von Thomas Becker

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Schon fies, das mit den Mikros. Da hört man jeden Schnaufer auf dem Platz, und da man sich als Gastgeber ja keine Blöße geben will, hauen sich Jan Henrik Andersson, der Geschäftsführer des Münchner Flughafens, und Bob Rajan, CFO von ProSieben.Sat1 und Geschäftsführer des Veranstalters MMP Event, ordentlich rein, geben alles – und das gegen Konkurrenten, die beide den Trainerschein besitzen, fast halb so alt und etwa doppelt so fit sind wie die beiden Herren in den besten Jahren. Erschwerend kommt hinzu, dass die Oldies auch noch Novizen sind: Während Andersson immerhin schon drei Mal auf dem Court stand, gibt Rajan sein Debüt auf einem Padel-Court – puh, und das soll jetzt ein mitreißendes Match werden?

Kaum vorstellbar, aber genau das ist ein Teil der Faszination Padel: dass wirklich fast jeder mit jedem spielen kann, dass Ballwechsel zustande kommen und man sich als Neuling nicht wie der letzte Depp vorkommt – vorausgesetzt die Guten geben nicht gerade Vollgas. Dann sieht auch so ein ungleiches Duell gar nicht so übel aus, und man könnte die Schnaufer der beiden verkabelten Senioren beinahe überhören.

Bis 6. September feiern die „Padel Days" zwischen den beiden Terminals des Flughafens Premiere. Wo im Dezember der Weihnachtsmarkt zu Hause ist und in früheren Jahren schon Beachvolleyball, Basketball und Tennis gespielt und auch mal eine künstliche Surf-Welle aufgebaut wurde, stehen nun umrahmt von Liegestühlen drei leuchtend blaue, an einen kühlen Pool erinnernde Padel-Courts und warten auf Kundschaft. Schläger können für vier Euro geliehen, Bälle (drei Stück für acht Euro) gekauft werden. Es gibt auch einen Leihautomaten. Eine kleine Holzhütte dient als Umkleide, heißt aber – kosmopolitisch, wie man an einem Flughafen nun mal ist – „Fitting Room“. Spontan auf dem Weg vom oder zum Gate ein paar Bälle spielen, ist leider nicht drin. Die Plätze müssen vorab gebucht werden; von Montag bis Freitag stehen sie von 8 Uhr bis 22 Uhr zur Verfügung, dank Flutlicht, am Wochenende ebenfalls, wenn nicht gerade ein Event auf dem Plan steht, und davon gibt es nicht wenige.

Nach der Eröffnungssause am Samstag mit Jan Henrik Andersson, Bob Rajan und ein paar deutschen Meistern hatten am Sonntag Kinder und Jugendliche der Altersklassen U10, U12, U14, U16 und U18 beim NextGen Turnier die Möglichkeit sich zu messen. Nächsten Samstag streiten bei den Certina GPT 100 MUC Airport Open 14 Teams um den Sieg. Die erstmals ausgetragenen Stadtmeisterschaften am 23. August sind dagegen schon ausgebucht. Bayerns beste Spielerinnen und Spieler treffen dann beim großen Finale am 5. und 6. September aufeinander. Sich mit Profis zu messen, ist aber jeden Tag drin: beim Format „Beat the Pro“. Wer sich hier gut anstellt, kann sich für die sogenannte One Point Challenge am 29. August qualifizieren, das wohl spektakulärste Format der Padel Days: In einem K.-o.-System entscheidet jeweils ein einziger Punkt über Sieg oder Niederlage. Anfänger können auf Profis treffen und mit einem Schlag 5000 Euro Preisgeld gewinnen.

Zuschauer auf Liegestühlen verfolgen die Eröffnungsspiele auf den Padel-Courts am Münchner Flughafen.
Zuschauer auf Liegestühlen verfolgen die Eröffnungsspiele auf den Padel-Courts am Münchner Flughafen.
Marco Einfeldt

Es geht aber auch mal gemütlicher zu. Beim Cupra Company Cup am 20. August und 3. September spielen Unternehmen donnerstagabends in lockerer Atmosphäre gegeneinander, und bei „Padel & Party" am nächsten Samstag erwartet die Gäste ab 16 Uhr eine entspannt klingende Kombination aus Sport, Musik und Sommerfeeling. Und dann ist da noch der Lazy Sunday am 30. August, wo die Anlagen den ganzen Tag für freies Spielen zur Verfügung stehen. Ansonsten zahlt man für den Court 25 (8 bis 16 Uhr) beziehungsweise 30 Euro (16 bis 22 Uhr) pro Stunde, zu viert wohlgemerkt. Das ist günstig im Vergleich zu den Preisen, die sonst in München und Umgebung aufgerufen werden.

Die Nachfrage ist gewaltig, der Boom ungebrochen, so dass man schon nicht mehr von einem Trendsport reden kann. Padel ist schon dermaßen etabliert, dass man als nine-to-five-Arbeiter schauen muss, nach Feierabend irgendwo noch einen Platz zubekommen. Am Flughafen ist das nicht anders: Die Courts seien bereits gut gebucht, heißt es.

Früh übt sich: Der erfahrene Padel-Spieler Juan Ramos Zayas macht seinen  Sohn Noah mit dem Schläger vertraut.
Früh übt sich: Der erfahrene Padel-Spieler Juan Ramos Zayas macht seinen  Sohn Noah mit dem Schläger vertraut.
Marco Einfeldt

So jung der aus Spanien kommende Sport in unseren Breiten noch ist, wundert es einen fast, dass eine wie Luciana Renic schon siebenfache deutsche Meisterin ist – wobei sie zugibt: „Einer der Titel ist aus dem Tennis.“ Erst 2021 hat die Gymnasiallehrerin mit Padel angefangen, war schnell erfolgreich, erinnert sich an Länderkämpfe in Einkaufszentren in Budapest und Warschau. Die Nummer drei der deutschen Padel-Rangliste kommt gerade aus dem Kroatien-Urlaub, freut sich über den Zwischenstopp am Flughafen, bevor es später weitergeht nach Gelsenkirchen, zum Lehrgang der Nationalmannschaft. Dort wird sie die beiden amtierenden deutschen Meister Denise Höfer und Nick Merten wieder treffen, denen sie im Show-Match auf dem Center Court gegenübersteht. Höfer schwärmt: „Ich hab‘ schon am Meer und in den Bergen gespielt, aber noch nie in einem Flughafen.“

Damit zurück zum Match des Airport-Chefs. „Events gehören zum Flughafen wie Kerosin“, hatte Jan Henrik Andersson noch gesagt, bevor die Luft dann weniger wurde. 1:10 geht der erste Satz verloren, gegen die Youngster Louisa und Bastian. Letzterer mahnt („Da fehlt das Gefühl, Tennisspieler!“), gibt auch Tipps („Netzposition erobern! Kein Slice!“), allerdings erst, als der Satz fast vorbei ist. Die tapferen Senioren fordern Revanche – und verbessern sich prompt, verlieren nur noch 5:10 und 6:10. Könnte der Anfang einer wunderbaren Freundschaft mit dem Padel-Sport gewesen sein.

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