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Flughafen München:Ein erfahrener Airport-Manager wird neuer Flughafen-Chef

Am Münchner Flughafen wird es einen Personalwechsel geben.

(Foto: Flughafen München GmbH)
  • Der bisherige Chef des Flughafens Budapest, Jost Lammers, wird den Münchner Flughafen leiten. Das hat der Aufsichtsrat entschieden.
  • Er folgt auf Michael Kerkloh, der nach 17 Jahren in den Ruhestand geht.
  • Bis zuletzt waren zwei Kandidaten im Rennen. Schärfster Konkurrent Lammers war Julian Jäger, Chef des Wiener Flughafens.

Jost Lammers wird neuer Chef des Münchner Flughafens. Am Montag hat der Aufsichtsrat des Airports die Personalie entschieden. Der 52-Jährige leitet bisher den Flughafen der ungarischen Hauptstadt Budapest. Ende des Jahres soll er Michael Kerkloh, der nach 17 Jahren als Geschäftsführer der Flughafengesellschaft FMG in den Ruhestand geht, beerben.

Die Wahl fiel dem Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) ist, offensichtlich nicht leicht. Bis zuletzt waren zwei Kandidaten im Rennen. Schärfster Konkurrent Lammers war Julian Jäger, Chef des Wiener Flughafens.

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Lammers, der einen Fünf-Jahres-Vertrag erhält, bringt reichlich Erfahrung aus der Flughafenbranche mit. Seit 2007 ist der Deutsche Chef in Budapest, zuvor war er für den Flughafen Düsseldorf Ground Handling GmbH tätig. Zudem ist der Diplom-Ökonom Mitglied des Aufsichtsrats des Hamburger Flughafens und Vorsitzender des europäischen Flughafenverbands ACI Europe. Bereits in dieser Position hat er im Juni 2019 die Nachfolge Kerklohs angetreten. In Budapest hatte Lammers schwierige Zeiten zu bewältigen. Der Flughafen war einst die Heimatbasis der ungarischen Gesellschaft Malev, die 2012 ihren Betrieb einstellte. Daraufhin musste Lammers seinen Airport neu aufstellen.

Dass der Nachfolger des renommierten Luftfahrtmanagers Kerkloh von einem anderen Flughafen kommt, ist in Luftfahrtkreisen keine Überraschung - auch wenn zwischenzeitlich mit dem CSU-Politiker Ernst Weidenbusch eine branchenferne Personalie in die Debatte geraten war. Kerkloh selbst war einst aus dem Chefsessel in Hamburg nach München gewechselt. Unter den Airports herrscht eine inoffizielle Hierarchie, in der passagierstarke Drehkreuze über Flughäfen von nationaler Bedeutung und die wiederum über Regionalflughäfen stehen. München rangiert im deutschsprachigen Raum klar auf Rang zwei hinter Frankfurt am Main, das freilich die Nase weit vorne hat. Denn Rhein-Main ist nicht nur bedeutend größer, es ist obendrein als Aktiengesellschaft organisiert, was dem Chef besonders viel Handlungsfreiheit ermöglicht.

Der Münchner Flughafenbetreiber FMG ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die zu 51 Prozent dem Freistaat Bayern, zu 26 Prozent dem Bund und zu 23 Prozent der Stadt München gehört. Bei der FMG sind 9700 Mitarbeiter beschäftigt. Am Flughafen insgesamt, also plus Lufthansa und zahlreiche andere dort tätige Unternehmen, sind es gut 38 000.

First flight to Hungary of British budget air company Jet2.com

Der neue Chef: Jost Lammers.

(Foto: Imre Foldi/Picture Alliance)

Der Vorstand der FMG besteht neben dem Vorsitzenden (seit 2002 Kerkloh) noch aus Thomas Weyer für die Bereiche Finanzen und Infrastruktur sowie aus Andrea Gebbeken für "Commercial und Security". Der Münchner Flughafen befindet sich zwar finanziell wie auch von der Passagierentwicklung her in einer komfortablen Situation. An Herausforderungen für den "Neuen" mangelt es dennoch nicht. So dürfte spätestens mit der nächsten Landtagswahl das Thema dritte Startbahn wieder auf die Tagesordnung kommen. Die zusätzliche Piste war über viele Jahre Kerklohs Leib- und Magenthema, er ist von ihrer Notwendigkeit überzeugt. Das Verhältnis zum Flughafen-Umland ist daher seit langem vergiftet, und es ist fraglich, ob ein Nachfolger von den Anwohnern anders bewertet wird als der langjährige Diskussionsgegner Kerkloh - es sei denn, er erklärt seinen Verzicht auf das Projekt.

Dazu kommt die Debatte über Klimaschutz und "Flugscham", der sich Flughäfen aktuell stellen müssen. Und diverse bereits angestoßene Ausbauprojekte, darunter die Erweiterung des Terminals 1 und das Innovationszentrum Lab-Campus. Zudem hat das erst vor wenigen Jahren durch einen Satelliten auf dem Vorfeld erweiterte Terminal 2 nur noch überschaubare Passagierkapazitäten übrig. Neben dem weiteren Ausbau von Terminal 1 wären eine Erweiterung des Satelliten und im Endausbau ein Terminal 3 am östlichen Ende des Flughafens denkbar.

Flughafen München - Michael Kerkloh

Der alte Chef: Michael Kerkloh.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Der Flughafen Budapest zählt mit knapp 15 Millionen Passagieren pro Jahr zu den mittelgroßen europäischen Airports, er ist vor allem für Ungarn selbst und seine Nachbarstaaten interessant. Zum Vergleich: Diese Passagierzahl hatte der Münchner Airport bereits 1995, also nur wenige Jahre nach dem Umzug aus Riem. Inzwischen starten oder landen 46 Millionen Fluggäste im Erdinger Moos. Während "MUC" auch als Drehkreuz für Interkontinentalflüge bekannt ist, verkehren in Budapest vor allem Billigfluglinien wie Ryanair und Wizzair. Der Airport der ungarischen Kapitale ist privatisiert, er war zwischenzeitlich im Besitz des deutschen Konzerns Hochtief.