Luftfahrt nach Corona:Flughafen zieht positive Bilanz nach den ersten neun Monaten 2022

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Luftfahrt nach Corona: Die Lufthansa hat in München inzwischen eine stattliche Flotte aus Airbus A350 stationiert.

Die Lufthansa hat in München inzwischen eine stattliche Flotte aus Airbus A350 stationiert.

(Foto: Sven Hoppe/picture alliance/dpa)

Flughafenchef Jost Lammers blickt zuversichtlich in die Zukunft: In den Sommermonaten Juli bis September hat der Airport bereits wieder 74 Prozent seines Vorkrisenniveaus erreicht.

Von Andreas Schubert

Flughafenchef Jost Lammers ist guter Dinge: Dieses Jahr ist es mit dem Münchner Airport nach dem Wegfall der meisten durch die Corona-Pandemie bedingten Einschränkungen und Einreiseverbote wieder steil aufwärts gegangen. Am Donnerstag hat Lammers im Presseclub eine entsprechend positive Bilanz der ersten neun Monate dieses Jahres gezogen.

Insgesamt wurden in diesem Zeitraum gut 23 Millionen Fluggäste gezählt. Dies sind bereits jetzt über zehn Millionen Reisende mehr als das Passagieraufkommen des gesamten Jahres 2021. Insbesondere in den verkehrsreichen Sommermonaten Juli, August und September habe der Airport mit 10,2 Millionen Passagieren bereits wieder 74 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht. Sollte sich die aktuelle Entwicklung fortsetzen, rechnet die Flughafengesellschaft FMG bis zum Jahresende mit mehr als 30 Millionen Fluggästen. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2019 waren es 48 Millionen gewesen.

Luftfahrt nach Corona: Zuversichtlich: Jost Lammers.

Zuversichtlich: Jost Lammers.

(Foto: Catherina Hess)

Die Anzahl der Starts und Landungen stieg von Januar bis September 2022 auf rund 212 000. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Bei der Summe aus Luftfracht und Luftpost liegt die in den ersten drei Quartalen des Jahres umgeschlagene Tonnage bei 200 000 Tonnen und hat sich damit gegenüber 2021 ebenfalls fast verdoppelt.

Die Luftverkehrsnachfrage sei in diesem Jahr mit einer "enormen Dynamik" zurückgekehrt, so Lammers. Dies bestätige, dass der Luftverkehr seine bedeutende Rolle als unverzichtbarer Verkehrsträger für weltweite Mobilität auch in Zukunft wahrnehmen werde.

Mittlerweile können Reisende vom Münchner Flughafen aus neben 15 deutschen Städten und 138 europäischen Destinationen bereits wieder 47 Ziele in Afrika, Amerika und Asien erreichen. Der asiatische Flugverkehr boomt wieder, erstmals wird es zum Beispiel von November an eine Direktverbindung zwischen München und Taiwans Hauptstadt Taipeh geben. Auch die Transatlantik-Verbindungen seien gefragt wie nie zuvor, so Lammers. Neu im Angebot sind etwa Direktverbindungen nach San Diego und Rio de Janeiro, die die Lufthansa vorher von Frankfurt aus angeboten hat. Für Langstreckenflüge hat die Airline nun 21 moderne Airbus A350 in München stationiert, bald sollen auch wieder bis zu fünf A 380, die größten Passagierflugzeuge der Welt, vom Erdinger Moos aus starten.

Das "Kofferchaos" hat den Reisesommer überschattet

Die wieder erwachte Lust am Fliegen hat aber auch eine Menge Probleme mit sich gebracht, die auch in München spürbar waren. 60 000 Gepäckstücke werden dort täglich abgefertigt. Das "Kofferchaos" war ein sich wiederholendes Thema des Reisesommers. Weil es an Personal mangelte, standen Passagiere immer wieder ohne Gepäck am Reiseziel. Es sei nicht alles rund gelaufen, räumte Lammers ein. Doch im Vergleich zu anderen Airports sei der Betrieb "stabil" geblieben. Bei der Gepäckabfertigung hätten private Dienstleister nicht die Leistung erbracht, die man gewohnt sei. Einen davon habe man abgemahnt, so Lammers.

Noch immer liegen am Münchner Flughafen etwa 3000 Koffer, auf die deren Besitzer noch warten. Bis zu 80 Prozent davon, so Lammers, seien nicht in München aufgegeben worden. Vielmehr werden die Gepäckstücke vor allem von anderen Flughäfen nach München geliefert, weil die FMG Platz zur Verfügung stellt. Von dort aus kümmern sich dann die Airlines um die Zustellung des Gepäcks, der Flughafen selbst ist dafür nicht verantwortlich, weil er über keine Passagierdaten verfügt.

Was die Energieversorgung angeht, so hat der Flughafen eine Taskforce eingesetzt, die wöchentlich bewertet, wo noch Energiesparpotenziale liegen. So haben die Fachleute zum Beispiel 7000 Lichtquellen ausgemacht, die zeitweise verzichtbar sind. Zugleich geht es darum, wie der Flugbetrieb sicher weitergeführt werden kann. Die Beleuchtung der Startbahnen wird der Flughafen also eher nicht ausschalten.

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