Eventarena:Flughafen verkauft Areal für neue Konzerthalle

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FREISING: Bauplatz für zukünftige Event-Arena neben Franz-Josef-Strauss-Flughafen

Wo es jetzt noch still und friedlich ist, könnte es bald wild zugehen: Auf diesem unbebauten Platz neben dem Münchner Flughafen soll eine Event-Arena entstehen.

(Foto: Johannes Simon)

Der Stadt München gefällt das gar nicht. Sie befürchtet, dass viele Künstler dann lieber in der neuen Location auftreten wollen als in der alten Olympiahalle.

Von Heiner Effern

Die geplante neue Konzert-Arena am Flughafen hat eine wichtige Hürde genommen. Die Investoren können nun offiziell das dafür vorgesehene Grundstück erwerben - obwohl München sich bis zuletzt dagegen gewehrt hat. Doch in der Sitzung der Airport-Gesellschafter konnte sich die Stadt gegenüber dem Mehrheitseigner, dem Freistaat Bayern, nicht durchsetzen. Die Eigentümer des Flughafens haben damit mehrheitlich "dem Verkauf eines Grundstücks an die SWMunich Real Estate GmbH in Zusammenhang mit dem geplanten Bau einer Event-Arena zugestimmt", bestätigte ein Sprecher.

Auf dem Grundstück, das bisher dem Flughafen gehört, wollen private Investoren eine moderne Arena für mehr als 20 000 Besucher errichten. Die Halle soll mit höchsten Standards die großen Stars anlocken, 250 Millionen Euro soll sie insgesamt kosten. Die Stadtpolitik hat große Sorge, dass damit die Olympiahalle als der bisher wichtigste Veranstaltungsort für große Konzerte in Süddeutschland eine harte Konkurrentin erhalten könnte.

Das sieht auch Olympiapark-Chefin Marion Schöne so: "Viele Künstler und Veranstalter werden sich erstmal die neue Halle anschauen. Das wird ein riesiger Einschnitt." Schöne vergleicht die Bedeutung einer neuen Konzerthalle für die Parkgesellschaft mit dem Auszug des Bundesliga-Fußballs aus dem Olympiastadion. Aber schon damals habe man es geschafft, die Gesellschaft erfolgreich fortzuführen. Dafür will sie nun auch bei der Halle kämpfen. "Der Olympiapark wird kein Museum. Das war immer mein Ehrgeiz."

Die Stadt will dagegenhalten - und prüft den Bau einer Multifunktionshalle

Die Stadt will im Gegenzug zu dem Vorhaben in Freising Pläne vorantreiben, auf dem Olympiagelände selbst eine Multifunktionshalle zu bauen. Dafür sollen die entsprechenden Referate zusammen mit der Olympiapark München Gesellschaft (OMG) zusammenarbeiten. Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) soll Gespräche mit potenziellen Investoren aufnehmen beziehungsweise fortführen. So hatte es der Stadtrat am Donnerstag vorsorglich schon beschlossen. Als möglicher Ort ist das Areal vorgesehen, auf dem jetzt das marode Eissportzentrum steht. Dafür liegen dem Olympiapark schon weitgehende Studien für eine neue Halle vor, allerdings soll diese mit 6000 Plätzen bisher kleiner ausfallen. Park-Chefin Schöne kann sich nun vorstellen, auch noch einmal in einer anderen Größenordnung zu denken.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) geht auch in diese Richtung. "Wir werden mit möglichen Investoren und der OMG tragfähige Konzepte für eine Multifunktionshalle im Olympiapark prüfen." Er kritisierte aber auch das Land Bayern für den Verkauf des Grundstücks. "Die Stadt ist von den Planungen am Flughafen nicht überzeugt", sagte er nach der Gesellschafter-Sitzung. Die Grünen gingen noch weiter, sie griffen den Freistaat und die CSU frontal an. "Das ist, diplomatisch ausgedrückt, ein unfreundlicher Akt der Staatregierung gegen die Landeshauptstadt, mit dem sie auch ihre Parteifreunde in München bis auf die Knochen blamiert", sagte Fraktionschefin Anna Hanusch. Der Münchner CSU-Vorsitzende und Justizminister Georg Eisenreich habe beim verantwortlichen Finanzminister Albert Füracker offenbar kein Gehör gefunden, fügte der Grünen-Stadtchef Joel Keilhauer hinzu. "Da zeigt sich wieder einmal: Die Münchner CSU spuckt gerne große Töne, es hört ihr aber selbst in der eigenen Partei keiner zu."

Die Grünen führten inhaltlich auch ökologische Bedenken gegen das Projekt am Flughafen an. "Eine große Veranstaltungshalle an diesem Standort soll doch offenkundig Gäste anlocken, die per Auto oder sogar mit dem Flugzeug zu einem Konzert anreisen. Das ist eine Verhöhnung aller Ziele von Verkehrsvermeidung und Klimaschutz, die der bayerische Ministerpräsident in Sonntagsreden gerne im Munde führt", sagte die Fraktionsvorsitzende Anna Hanusch. CSU-Wirtschaftsreferent Baumgärtner glaubt nicht einmal, dass sich der Flughafen mit dem Verkauf des Grundstücks finanziell einen Gefallen tut. "Ich habe die Befürchtung, dass der Erlös schnell durch die entstehenden Kosten für die nötige Infrastruktur aufgefressen wird."

Baumgärtner hatte sich schon früh für eine große neue Halle im Olympiapark ausgesprochen. Der Auftrag des Stadtrats ist nun deutlich offener gehalten, doch der Referent will rasch handeln. Schließlich sollen die Investoren in Freising ein Zeichen erhalten, dass München nicht klein beigeben wird. Die Stadt wolle lieber selbst bauen, um den Wettbewerb steuern zu können. "Wir werden schnell eine Hallenplanung auf die Füße stellen." Die Investoren in Freising wollen sich zum weiteren Vorgehen erst äußern, wenn sie offiziell die Nachricht über den Verkauf erreicht hat. Sie hatten aber zuvor betont, dass sie keine Konkurrenz-Situation zur Olympiahalle sehen.

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