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Neuer Flughafen-Chef:Ein Fan der dritten Startbahn

Münchens Flughafen bekommt einen neuen Chef

Die Freunde der dritten Startbahn unter sich: Jost Lammers (links), neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, mit Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (Mitte) und Noch-Flughafenchef Michael Kerkloh.

(Foto: dpa)
  • Jost Lammers wird zum Jahreswechsel neuer Chef des Münchner Flughafens.
  • Er leitet bislang noch den Budapester Airport, zuvor war er an den Flughäfen in Hamburg, Athen und Düsseldorf tätig.
  • Bei seiner Vorstellung macht Lammers klar, dass das Wachstum der Flughafengruppe für ihn oberste Priorität habe - und bekennt sich zur dritten Startbahn.

Erst einmal ein Blick auf die Landkarte an der Wand. Da, das ist Attaching, erklärt Michael Kerkloh und zeigt auf das Dorf, das direkt am Ende des gelb eingezeichneten Startbahn-Projekts liegt. Finanzminister Albert Füracker (CSU) nickt. Das Thema dritte Piste schwebt stets im Raum, wenn es um den Münchner Flughafen geht. Seit Jahren schon. Selbst wenn eigentlich der neue Chef vorgestellt werden soll. Der kommt denn auf Anfrage auch nicht umhin, Kerklohs Lieblingsplanung zu kommentieren - von sich aus ist er in seiner kleinen Rede nicht näher darauf eingegangen. "Ein ganz wesentliches Zukunfts- und Schlüsselprojekt für die langfristige Entwicklung des Flughafens " sei die dritte Startbahn, betont Jost Lammers. Sollten Kritiker der Planung auf eine Kehrtwende gehofft haben, werden sie also enttäuscht. Aber vermutlich hat das ohnehin niemand erwartet.

Denn Lammers hat ja die selben Aufgabe zu erfüllen wie Kerkloh, der nach 17 Jahren zum Jahreswechsel in den Ruhestand geht: den in der "Ära Kerkloh", wie Füracker sagt, auf mehr als die doppelte Passagierzahl angewachsenen Airport weiter gedeihen zu lassen. Ein "bestens bestelltes Unternehmen" werde da übergeben, lobt der Minister, der für den Mehrheitseigner Freistaat den Flughafen betreut. Eines der bedeutendsten überhaupt, die der Freistaat in seinem Portfolio vorweisen kann. Auch Füracker verweist darauf, wie wichtig eine Erweiterung der Start- und Landebahnkapazitäten sei. Und dass er persönlich die neue Piste haben will. Die bereits genehmigte Vier-Kilometer-Bahn liegt aber bis zum Ende der Legislaturperiode auf Eis, des Koalitionsfriedens wegen.

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"Ich freue mich sehr", sagt Lammers gleich mehrfach ins Mikrofon. Für den 59-jährigen Osnabrücker ist es ein ordentlicher Karrieresprung. Zwar leitet Lammers bereits seit zwölf Jahren den Flughafen Budapest. Der spielt allerdings im europäischen Konzert der Flughäfen eher in der dritten Reihe - während "MUC" zwar nicht an die Starsolisten London-Heathrow und Paris-Charles de Gaulle herankommt, mit seinem Langstreckenangebot von mehr als 50 außereuropäischen Zielen aber immerhin in der Oberklasse mitmischt. Gut 46 Millionen Passagiere fertigt der Flughafen im Erdinger Moos inzwischen ab, mehr als dreimal so viele wie Budapest, das obendrein über ein eher überschaubares Langstreckennetz verfügt. Eine "Riesenaufgabe" sei das nun, so Lammers.

Worin sie besteht, macht Füracker deutlich: Die Flughafengesellschaft FMG soll weiterhin wirtschaftlich erfolgreich sein, und der Ausbau muss vorangehen. Selbst wenn es nichts werde mit Piste drei, dürfe "MUC" nicht im Status Quo verharren. "Stillstand ist Rückschritt". Kerkloh wird noch etwas detaillierter, was ihn gerade beschäftigt. Denn während zu Beginn seines Chef-Seins der Flughafen als "Schmuckstück" fertig gebaut zur Verfügung stand, gehe es inzwischen darum, überall Engpässe auszugleichen. "Wir stoßen überall auf Kapazitätsprobleme." Die Bauten kämen in die Jahre, müssten an neue Standards angepasst werden. Und eben auch erweitert, wie gerade im Terminal 1 zu sehen ist, wo ein neuer Flugsteig mit mehreren Passagierbrücken entsteht.

Dazu kommen die vielen Baustellen links und rechts der Autobahnzufahrt, in der Zone West. Dort wird derzeit eine neue Straßenbrücke gebaut, ein Lab-Campus, ein Innovationsstandort, entsteht gerade und ein neues Hotel. Zudem sei es nicht mehr zu übersehen, dass die Arbeitskräfte knapper werden. Und es gelte neue Herausforderungen im Ausland zu meistern, den Betrieb eines Terminals in New York etwa, den die FMG übernommen habe. Kerkloh wirkt entspannt und bislang kaum wehmütig. Er habe ja lange vorher gewusst, wann der Ruhestand beginnt, sagt der begeisterte Rockmusiker am Rande der Pressekonferenz. Und irgendwann sei der "Spannungsbogen ja auch vorüber". Am Flughafen geht man aber ohnehin davon aus, dass Kerkloh der Luftfahrt erhalten bleibt. Nur halt nicht mehr als Flughafen-Chef.

Bei Familie Lammers dagegen dürfte es aktuell hektischer zugehen. Es gilt, eine neue Bleibe im Wohnungsnotstandsgebiet München zu finden und die Zelte in Budapest abzubrechen. Lammers, der Vater zweier Söhne ist, arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Luftfahrtbranche. Zunächst in Düsseldorf, später auch in Hamburg, Athen und eben Budapest. Lammers ist nicht nur im Erdinger Moos Kerkloh-Nachfolger, sondern auch beim europäischen Flughafenverband ACI, dessen Vorsitz somit in Münchner Händen bleibt.

Die Entscheidung für Lammers war bereits Ende Juli gefallen - die Airport-Manager und -Verantwortlichen nutzten nun eine turnusmäßige Aufsichtsratssitzung für die Präsentation des "Neuen". Der Flughafen gehört zu 51 Prozent dem Freistaat Bayern, zu 26 Prozent dem Bund und zu 24 Prozent der Stadt München. Lammers wird sich also wie Kerkloh damit abfinden müssen, dass bei wesentlichen Zukunftsentscheidungen die Politik das Sagen hat. Wie das bei Personalentscheidungen ablaufen kann, skizziert Kerkloh mit Verweis auf die eigene Person so: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf die richtigen Leute treffen.

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