Verkehr in München:Vorfahrt fürs E-Taxi

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Wer am Terminal 2 des Münchner Flughafen ins Taxi steigt, fährt meist mit klassischem Antrieb und nicht elektrisch. Das soll sich künftig ändern. (Foto: Manfred Segerer/imago)

Am Flughafen München werden klimafreundliche Fahrzeuge bevorzugt, um den CO2-Ausstoß bei An- und Abfahrt zu verringern. Nicht alle finden das gut.

Von Andreas Schubert

Die Zahl der elektrisch betriebenen Fahrzeuge steigt kontinuierlich. Doch im Münchner Taxigewerbe spiegelt sich diese Entwicklung bislang kaum wider. Derzeit sind in München nur 30 von 3100 Taxis elektrisch unterwegs, also nicht einmal ein Prozent. Nach wie vor setzen die Taxiunternehmen vor allem auf Dieselfahrzeuge.

Christian Hess, Geschäftsführer der Isarfunk-Taxizentrale würde das gerne ändern. "Es ist absolut notwendig, dass die Taxiflotte so schnell wie möglich umgestellt wird", sagt er. Doch elektrische Taxis haben im Vergleich zum Verbrenner im Alltag Nachteile. Einerseits ist ihre Reichweite geringer, vor allem im Winter. Andererseits kann sich ein Taxler stundenlanges Warten an einer normalen AC-Ladesäule nicht leisten, "da können die ja nicht arbeiten", sagt Hess. "Wir brauchen eine Schnellladeinfrastruktur".

Zwar fördert die Stadt die elektrischen Taxis mit 20 Cent für jeden Kilometer, der mit einem Fahrgast zurückgelegt wird. Erstattet werden bis zu 40 Prozent der Anschaffungskosten eines E-Taxis. Weil die E-Taxis im Alltagsbetrieb aber trotz dieser Förderung wenig gefragt sind, setzt Isarfunk am Münchner Flughafen deshalb Anreize, um die E-Taxi-Flotte zu vergrößern. Dort haben die wenigen E-Taxis, die es gibt, Vorfahrt. Das ist nicht zuletzt dem Vorhaben des Airports zu verdanken, bis 2030 klimaneutral zu werden. Isarfunk organisiert seit nunmehr 20 Jahren die Taxiabläufe am Airport, hat im Januar erneut die Ausschreibung gewonnen und lenkt die Taxis dort weiterhin bis 2026.

Bis zu 40 Prozent CO2-Emissionen sollen im Erdinger Moos mit kompensierenden Maßnahmen eingespart werden, etwa mit dem Projekt Klimawald. Im Rahmen dieses Projekts werden in Niederbayern und der Oberpfalz 1900 Hektar Wald so umgestaltet, dass er besonders viel Kohlendioxid speichern kann.

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60 Prozent der CO2-Einsparungen will der Airport mit eigenen Maßnahmen schaffen. Dazu gehören die Elektrifizierung der eigenen Fahrzeugflotte, energiesparende Beleuchtung und Klimaanlagen sowie rund 300 weiteren Einzelmaßnahmen. Darunter findet sich auch das Ziel, dass der Zu- und Abfahrtsverkehr zu den Terminals mit möglichst wenig CO2-Ausstoß verbunden sein soll. E-Taxis müssen, anders als die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, nicht so lange warten und dürfen bevorzugt in den Einstiegsbereich fahren.

Das hat im vergangenen Sommer für Ärger gesorgt. Taxifahrer blockierten aus Protest gegen die Regelung das Terminal 2, sodass die genervten Fahrgäste den weiten Weg ins Terminal 1 gehen mussten. Isarfunk verhängte gegen die Blockierer ein dreimonatiges Nutzungsverbot, welches das Landgericht München 1 allerdings per einstweiliger Verfügung wieder aufhob. Das Gericht erachtete das Verbot als unverhältnismäßig, lehnte aber den Antrag der Blockierer ab, Nutzungsverbote generell zu untersagen.

Hamburg überholt München bei E-Taxis

Gegen diese einstweilige Verfügung legte Isarfunk Widerspruch ein und setzte sich vor kurzem damit durch, wie Hess berichtet. "Es geht überhaupt nicht darum, jemanden zu bevorzugen, sondern darum, Nachteile auszugleichen und das Taxigewerbe umzustellen", so Hess. Dass sich in den vergangenen drei Jahren die elektrische Flotte nicht vergrößert hat, liegt auch an der Corona-Krise, in der wegen der ausbleibenden Fahrgäste kaum in neue Autos investiert wurde.

In München ging im Jahr 2011 das erste reine E-Taxi Deutschlands an den Start. Doch andere Städte haben die Landeshauptstadt überholt. In Hamburg sind inzwischen 355 elektrische Fahrzeuge unterwegs, das entspricht 13 Prozent der Gesamtflotte. Der Stadtstaat fördert im Rahmen eines Projekts namens "Zukunftstaxi" nicht nur die Anschaffung von E-Autos, sondern bezuschusst auch private Unternehmen und Institutionen mit bis zu 10 000 Euro, wenn diese kleine Flächen für Taxistände samt Schnellladestation zur Verfügung stellen. In nächster Zeit sollen in Hamburg mindestens 80 Schnellladestationen auf öffentlichem und privatem Grund entstehen, die exklusiv Taxis vorbehalten sind, berichtet das Fachmagazin Taxi Times.

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