Süddeutsche Zeitung

Corona-Krise:Flughafen München kündigt Stellenabbau an

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Die Zahl der Passagiere bricht um zwei Drittel ein. Um Kosten zu sparen, werden Stellen "in allen Funktionen und Ebenen" gestrichen - wie viele es sind, ist noch unklar.

Von Andreas Schubert

In Zeiten stetigen Wachstums bezeichneten die Betreiber des Münchner Flughafens diesen gerne als "Jobmotor". Doch dem ist, um im Bild zu bleiben, nun der Sprit ausgegangen. Die Corona-Krise zwingt die Flughafengesellschaft FMG dazu, Stellen abzubauen. Dies teilte die Gesellschaft am Mittwoch mit. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich betroffen sind, konnte ein FMG-Sprecher am Mittwoch nicht sagen. Der Abbau sei aber "signifikant", erfolge über mehrere Jahre und hänge auch von der weiteren Entwicklung des Flugverkehrs ab. Aktuell arbeiten im Konzern rund 10 000 Beschäftigte, von denen derzeit etwa 7000 in Kurzarbeit sind. Zeitungsberichte vom Juli, nach denen etwa ein Fünftel der Stellen wegfallen soll, dementierte der Sprecher erneut.

Nach dem Rekordjahr 2019 mit einem Konzernumsatz von 1,6 Milliarden Euro rechnet die FMG für dieses Jahr mit einem Minus von 60 Prozent. Obwohl die Fluggesellschaften inzwischen wieder mehr als 100 Ziele ab München anfliegen, werde das Angebot nur sehr verhalten angenommen, heißt es in der Mitteilung der FMG. "Die für die meisten Reiseziele weiterhin wirksamen Restriktionen und das dynamische Infektionsgeschehen in vielen Ländern verhindern, dass sich die Nachfrage schnell erholt." Es werde Jahre dauern, bis der Luftverkehr wieder das Niveau vor der Krise erreichen kann. Das lag 2019 bei knapp 48 Millionen Passagieren, für 2020 rechnet die FMG mit gerade einmal 16 Millionen. Schon im Frühjahr hat die FMG auf die Einbußen in sämtlichen Geschäftsfeldern reagiert, Kurzarbeit eingeführt, den Terminal 1 und den Satelliten des Terminals 2 vorübergehend geschlossen, sämtliche Ausgaben heruntergefahren und Investitionen verschoben, etwa den Bau eines neuen Hotels und der neuen Firmenzentrale. Jetzt gehe es darum, "den Airport in Zeiten eines drastisch verringerten Verkehrsvolumens auf stabilem Kurs zu halten", heißt es.

Dafür werden Stellen "in allen Funktionen und Ebenen" bei der FMG und ihrer für die Bodenabfertigung zuständigen Tochtergesellschaft Aeroground gestrichen. Betriebsbedingte Kündigungen wolle man aber vermeiden, sagte ein Sprecher. Neben der natürlichen Fluktuation und einem konsequenten Einstellungsstopp setzt die FMG auf Vorruhestandsregelungen und Freiwilligenprogramme zu Teilzeitmodellen oder Abfindungen. Zudem soll die Kurzarbeit fortgesetzt werden. Man werde "höchst sozialverträglich" vorgehen und "gute und attraktive Angebote" für die Mitarbeiter entwickeln. Vor allem ältere Mitarbeiter im Bodenverkehrsdienst, die jahrelang körperlich hart gearbeitet haben, sollen Angebote erhalten. Der Stellenabbau erfolge in "enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern".

Dies verspricht auch Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU), der Aufsichtsratsvorsitzender der FMG ist. Man stehe vor einer schwierigen Situation, so Füracker. Zu verantwortungsvollem Handeln gehöre auch, die "sehr herausfordernde Lage des Luftverkehrs - nicht nur am Flughafen München, sondern weltweit - anzuerkennen und den Flughafen München zukunftsfest aufzustellen". Ralf Krüger, Verdi- und Betriebsratsmitglied, erklärte dagegen, dass man sowohl Angaben vermisse, wie hoch die Abfindungen sein werden, als auch Angaben, wie viele Stellen denn nun betroffen seien. "Da werden die noch deutlich konkreter werden müssen", sagt er. Die Annahme, dass der Personalstand auf 50 Millionen Passagiere ausgerichtet sei, stimme nicht. In den vergangenen Jahren hätten viele Mitarbeiter sehr viele Überstunden angehäuft, die sie nicht abbauen konnten. Krüger sieht noch viel Redebedarf mit der Geschäftsführung.

Die will übrigens an den bisher beschlossenen und bereits begonnenen Ausbaumaßnahmen des Flughafens festhalten, auch an den mittelfristigen Plänen, den Satelliten des Terminal 2 zu erweitern und so eine Kapazität für zehn Millionen zusätzliche Passagiere pro Jahr zu schaffen. Frühe Planungen laufen bereits, denn nach der "Durststrecke im Luftverkehr", wie FMG-Chef Jost Lammers die Situation bezeichnet, soll der Airport an die früheren Erfolge anknüpfen. "Wir wollen den Flughafen München als bedeutendes europäisches Luftverkehrsdrehkreuz für die Zukunft erhalten und weiterentwickeln", kündigte Lammers an.

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SZ vom 10.09.2020/vewo
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