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Flughafen München:Bundespolizei schnappt Millionen-Betrüger

Der 55-Jährige soll Großbritannien um mehr als 100 Millionen Pfund geprellt haben. Er wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht.

"Yes, that's me." Nach diesem Geständnis am Münchner Flughafen könnte auf einen Mann jetzt eine lebenslange Haftstrafe warten. Der 55-Jährige war mit internationalem Haftbefehl gesucht worden und am späten Samstagabend den kontrollierenden Bundespolizisten ins Netz gegangen. Zunächst hatte er noch versucht, alles auf eine angebliche Verwechslung zu schieben. Die Vorwürfe gegen ihn wiegen schwer: Das Vereinigte Königreich soll er um umgerechnet 127 Millionen Euro geprellt haben. Die Strafverfolgungsbehörden in Großbritannien werfen dem 55-Jährigen großangelegten Steuerbetrug, Untreue, Geldwäsche und Handel mit gefälschten Waren vor.

Der Fall zeigt, dass auch wenn man sich auf seinen Reisen nicht in dem Land blicken lässt, in dem einem Straftaten vorgeworfen werden, man vor dem Gefängnis nicht sicher ist. Die Bundespolizisten am Airport vollstreckten den Haftbefehl von der Insel als der Gesuchte in seine Wahlheimat Dubai ausreisen wollte. Am Sonntag führten die Grenzpolizisten den Festgenommenen nach Haftantrag durch die Generalstaatsanwaltschaft in München dem Haftrichter in Landshut vor und brachten ihn anschließend auf dessen Weisung in die Münchner Haftanstalt Stadelheim. Dort wartet er nun auf seine mögliche Auslieferung nach Großbritannien.

Ob der 55-Jährige Urlaub in Deutschland machte oder geschäftlich unterwegs war, wollte er den Beamten nicht sagen. Bei der grenzpolizeilichen Ausreisekontrolle entdeckten die Bundespolizisten die internationale Fahndungsnotiz. Die britischen Strafverfolgungsbehörden hatten die Polizeibehörden weltweit über Interpol vor knapp zwei Jahren um die Festnahme des Mannes gebeten. Die Justiz im Königreich wirft dem Mann vor, in den Jahren 2004 bis 2008 zusammen mit mehreren Komplizen den britischen Staat um 110 Millionen britische Pfund geprellt und das betrügerisch erwirtschaftete Geld anschließend "gewaschen" zu haben. Dazu sollen die Verdächtigen im großen Stil gefälschte Markenkleidung und Mobiltelefone verkauft haben.

Der Wahl-Emirater hatte seine krummen Geschäfte nach Angaben von Bundespolizei-Sprecher Christian Köglmeier "entweder von seinem Wohnsitz aus gesteuert oder die britische Insel verlassen, bevor die Strafverfolgungsbehörden in Westminster ihre Arbeit aufnehmen konnten". Die Geschichte von der angeblichen Verwechslung hatte sich dann jedenfalls schnell erledigt. Die Bundespolizisten zeigten dem 55-Jährigen das in der Fahndungsnotiz von ihm hinterlegte Konterfei. Daraufhin gab er zu: "Ja, ich bin's." Seine Flucht vor der britischen Justiz endete damit im Erdinger Moos.

© SZ.de/pvn
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