Hilfe für Ukrainer:Flüchtlingshilfe muss Chefsache sein

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Flüchtlinge aus der Ukraine in der Ankunftshalle im HBF

Flüchtlinge aus der Ukraine in der Ankunftshalle im HBF Helfer beraten Frau (Flüchtling).

(Foto: Florian Peljak)

Die behördlich koordinierte Hilfe für die Geflüchteten aus der Ukraine lief viel zu schleppend an - das führte zu teils beschämenden Zuständen für die Ankommenden am Hauptbahnhof. Nun ist endlich Bewegung Sache gekommen.

Kommentar von Karin Kampwerth

Es ist kein Applaus, der den Geflüchteten aus der Ukraine entgegenschallt, die verzweifelt und erschöpft von einer nervenzehrenden Reise Tag für Tag am Münchner Hauptbahnhof ankommen. Seit dem emotionalen Empfang im Flüchtlingsherbst 2015 hat sich eine viel stärkere Währung etabliert, auf der die Hilfsbereitschaft der Münchnerinnen und Münchner gründet. Helfen bedeutet eben nicht allein, Herz zu zeigen, sondern Hand in Hand von Stadt, Hilfsorganisationen und Freiwilligen zu informieren und zu koordinieren. Denn was die Menschen, hauptsächlich Frauen und Kinder, nun am dringendsten benötigen, ist jemand, der sie freundlich durch ein fremdes System lotst.

Dazu gehört zuallererst die Vermittlung einer sicheren Bleibe. Benötigt werden aber auch Kissen, Decken, Windeln, Zahnpasta, Tampons, eine warme Mahlzeit. All das hat die Stadtgesellschaft in atemberaubender Geschwindigkeit organisiert. Bereits an Tag drei des Krieges in der Ukraine wurde auch in dieser Zeitung eine stetig wachsende Liste von privaten und öffentlichen Initiativen, von Kulturschaffenden und Studierenden, von queeren Gruppen, Religionsgemeinschaften, von der Tafel, Wirten und Geschäftsleuten veröffentlicht, die seitdem mit konkreten Angeboten die Geflüchteten unterstützen. Beeindruckend ist auch die Vielzahl von Menschen, die bereit sind, Geflüchtete in ihren Privatwohnungen aufzunehmen.

So können Sie spenden

Der "Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung" bietet Menschen, die in Not sind, Unterstützung - in diesen Tagen gerade denjenigen, die vor dem Krieg aus der Ukraine fliehen. Wer helfen möchte, kann gezielt an den SZ-Adventskalender spenden:

"Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V."

Stadtsparkasse München

IBAN: DE86 7015 0000 0000 6007 00

BIC: SSKMDEMMXXX

Verwendungszweck: Ukraine

Sie können hier auch online spenden. Jede Spende wird ohne Abzug dem guten Zweck zugeführt, alle Sach- und Verwaltungskosten trägt der Süddeutsche Verlag. Ein Überblick, welche Möglichkeiten sonst bestehen, Kriegsopfern Hilfe zukommen zu lassen, findet sich unter: www.sz.de/ukrainehilfe

Dass das alles augenscheinlich ordentlich funktioniert, ist einer Professionalisierung in der Flüchtlingshilfe geschuldet. Spätestens seit 2015 überrascht es niemanden mehr, dass Menschen ihre Heimat verlassen, um Kriegen und zunehmend auch Klimakatastrophen zu entkommen. Für Ende 2020 schätzte das Hilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR, dass weltweit 82,4 Millionen Menschen auf der Flucht waren. Europa und allen voran Deutschland ist begehrtes Ziel einer globalen Völkerwanderung.

Auch die Stadt München hat seit 2015 die Vernetzung von kommunaler und privater Hilfe sowie die Unterstützung von Initiativen wie etwa dem gemeinnützigen Verein "Münchner Freiwillige" vorangetrieben. Eine Erkenntnis ist nun aber auch, dass hier noch Luft nach oben ist. Die behördlich koordinierte Hilfe für die Geflüchteten aus der Ukraine lief viel zu schleppend an, was zu teils beschämenden Zuständen für die Ankömmlinge am Hauptbahnhof führte. Dass OB Dieter Reiter die Hilfe nun offensiv zur Chefsache erklärt hat, war überfällig. Das pragmatische Vorgehen, das das Geschehen seit Mitte voriger Woche aber bestimmt, um Hotels und Hallen zu Unterkünften umzufunktionieren, aber auch, um Sachspenden endlich gezielt zu organisieren, verspricht die richtige Richtung auf einem vermutlich noch langen Weg.

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