Flower Power Festival:München, blühe!

Flower Power Festival: Blüten in der Stadt - in der Regel schwer umzingelt von Steinen und Asphalt, wie hier am Weißenburger Platz in München.

Blüten in der Stadt - in der Regel schwer umzingelt von Steinen und Asphalt, wie hier am Weißenburger Platz in München.

(Foto: Sebastian Gabriel)

2023 soll es ein Mega-Festival geben. "Flower Power" soll, wie vor vier Jahren das Faust-Festival, hunderte Veranstaltungen zu einem einzigen Thema bündeln: Natur in der Stadt.

Von Susanne Hermanski

Das reißt auch der Englische Garten nicht raus: München ist die am stärksten versiegelte Stadt Deutschlands. So eng bebaut und zugeteert wie keine andere. Als 1792 Münchens Grüne Lunge für seine Bürger angelegt worden ist, lebten gerade mal 40 000 Einwohner in München, heute ist ihre Zahl auf 1,5 Millionen angewachsen. Und wie steht es um die "Natur in der Stadt"? Das Thema, das 2023 ein großes interdisziplinäres Festival anführen soll, hat etwas von einem freudigen Juchzen, aber auch von einem Stoßseufzer.

Man erinnere sich an die gesellschaftlich unverträglichste Phase der Pandemie, als die Tegernseer den Münchnern rohe Eier auf die Autoscheiben warfen, weil sie aller Lockdowns zum Trotz einfach raus wollten aus ihren Stadtmauern. Mehr Städter besannen sich auf ihr eigenes bisschen Natur. Plötzlich wurde gefühlt jedes Stückchen Rasen erobert - und wenn es die Verkehrsinsel fürs Guerilla-Gardening war oder die Böschung am Nymphenburger Schlosskanal fürs Sonnenbad. Plötzlich griff der Bürger nach dem öffentlichen Raum und eroberte sich, was immer schon ihm gehörte. Wie wenig das war, wenn man es verglich mit dem, was den geparkten Autos dieser Stadt zu Verfügung stand, war nie eklatanter. Mit anderen Worten: Die Zeit ist überreif für dieses Festival, das lustvoll und mit Schwung zur Sache gehen will. Der Begriff der "Flower Power", geliehen aus Hippie-Tagen, passt dazu, auch wenn zur Bewusstseinsförderung diesmal garantiert nicht problematische Substanzen zum Einsatz kommen sollen, sondern der reinste Blütenrausch.

Flower Power Festival: Das Festivalteam: Anna Kleeblatt, Max Wagner, Gudrun Kadereit, Roger Diederen und Nina Möllers (von links).

Das Festivalteam: Anna Kleeblatt, Max Wagner, Gudrun Kadereit, Roger Diederen und Nina Möllers (von links).

(Foto: Bernhard Faber, Robert Haas)

Zu den Initiatoren des Festivals zählen zwei Kulturinstitutionen, die 2018 schon das ähnlich partizipatorisch gestrickte Faust-Festival angestoßen haben: der Gasteig und die Kunsthalle. Hinzu kommen zwei weitere - mit mehr Kernkompetenz in Sachen Natur: der Botanische Garten und Biotopia. Gemeinsam rufen sie auf, mitzumachen beim "Flower Power Festival 2023", egal ob andere große oder kleinere Institutionen, alle sind eingeladen, als "Partner" mitzumachen.

Michael John Gorman, der Gründungsdirektor von Biotopia, sagt dazu: "Die Vision von Biotopia ist eine verständnisvollere, ausgewogenere und nachhaltigere Beziehung zwischen Menschen und anderen Lebewesen. Mit dem Flower Power Festival entspinnt sich ein Netzwerk von Akteuren über die Stadt, die einander besser kennen- und verstehen lernen, und gemeinsam die Bedeutung der Natur für unsere Stadt ins Bewusstsein rücken."

Ausgangspunkt wird die Ausstellung "Flowers Forever" in der Kunsthalle

Dutzende haben sich schon angeschlossen, noch bevor die Initiative jetzt an die Öffentlichkeit ging. Staatsoper, Kunstareal, Konzerthaus, Haus der Kunst, die Stadtbibliothek sind ebenso schon dabei wie der Literarische Seerosenkreis, die Boxfabrik, der Bayerische Hof, die Junge Akademie der Technischen Universität München wie die Staatsforsten und die Schlösser- und Seenverwaltung. Um nur einmal quer durch diesen Gemüsegarten zu streifen. Und die Allianz zwischen Kultur und Natur ist nur logisch dabei - kämpfen sich in Bayerns Hauptstadt doch nicht nur die Blümelein schwer durch Pflaster- und Hinterhof-Ritzen. Auch die Entfaltung etwa der Kunst stößt immer auf Beton, wenn sprichwörtlich überall schon einer sitzt, steht und sich stapelt, es an Freiräumen fehlt.

"Natur feiern in der Stadt." So heißt das offizielle Motto des Festivals im Wortlaut. Stattfinden wird es vom 3. Februar bis 30. September 2023. Das Faust Festival hatte 2018 bundesweit Aufsehen erregt durch sein Konzept und den Europäischen Kulturmarken Award gewonnen. Nun soll es als Blaupause für das zweite Mega-Event in der bayerischen Landeshauptstadt werden, bei dem alle mitmachen können. Ausgangspunkt ist, wie schon 2018, eine Ausstellung in der Kunsthalle München. "Flowers Forever" wird dort vom 3. Februar bis 9. Juli 2023 zu sehen sein. "Wir zeigen darin interdisziplinär Kunst, Design und naturwissenschaftliche Objekte rund um die Blume", sagt Roger Diederen, der Direktor der Kunsthalle.

Die vier Initiatorinnen und Initiatoren verstehen sich als Impulsgeber für das Festival. Mit den Schlagworten Natur, Kultur, Stadt und Blüte, die die Kernidee des Festivals beschreiben, können sich viele identifizieren. "Es kann wirklich jede und jeder mitmachen, genau das ist unser Grundanliegen", sagt Festivalleiterin Anna Kleeblatt, die bereits Teil des Organisationsteams des Faust Festivals war. "Neben der Partizipation wird dieses Mal die Inklusion ein Schwerpunkt sein. Wir finden, das Festival ist eine Chance, die Menschen in der Stadt für das Thema zu sensibilisieren und möglichst vielen eine Teilhabe am Kulturleben zu ermöglichen." Die Organisatorinnen bieten den Programmpartnern eigene Workshops an. "Im Idealfall könnten daraus nachhaltige Impulse entstehen, die langfristig etwas in unserer Gesellschaft bewegen", sagt Kleeblatt.

Alle Münchner sind aufgerufen, Blüten zu trocknen für ein großes Kunstwerk

Beim Flower Power Festival München 2023 dreht sich alles um die Blüte, im wörtlichen, aber auch im übertragenen Sinn. Wissenschaft, Schönheit, Nachhaltigkeit, Ästhetik, Pflanzenvielfalt, Gartenkunst, Lebensqualität, Klimawandel, Biodiversität - das und vieles mehr sind denkbare Themen, die inszeniert werden können, mit Workshops, Spaziergängen, Ausstellungen, Spielen, Theater, Installationen und mehr.

Nicht weniger als 200 000 getrocknete Blumen benötigt etwa die britische Künstlerin Rebecca Louise Law für ihre Installation "Blütenboden", die als einer der Höhepunkte in der Kunsthalle-Ausstellung zu sehen sein wird. Hierfür braucht sie schon jetzt die Mithilfe der Münchnerinnen und Münchner. Sie sind aufgerufen, Blumen zu sammeln und zu trocknen, und so Teil des großen Projekts zu werden. Die Blumen können bereits vom 25. März 2022 an bis zum Herbst in der Kunsthalle abgegeben werden.

Weitere Informationen und Inspirationen unter #flowerpower.muc und www.flowerpowermuc.de

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