München Flohmarkt-Organisatorin scheucht Kopftuchträgerin vom Platz

Verkäuferinnen mit Kopftuch sind schlecht fürs Geschäft, findet eine Münchner Veranstalterin von Flohmärkten. Deshalb hat sie eine Händlerin mit rüden Worten von einem Basar vertrieben - doch sie hat die Rechnung ohne das Publikum gemacht.

Von Jürgen Wolfram

Viele Menschen zerbrechen sich den Kopf darüber, wie die Integration muslimischer Mitbürger besser gelingen könnte. Frau B. gehört nicht dazu. Die Münchner Kauffrau und Veranstalterin von Floh- und Trödelmärkten personifizierte am vergangenen Samstag gewissermaßen die Gegenbewegung. Vor Beginn eines Basars in Pullach verdarb B. einer muslimischen Türkin die Premiere als Hobby-Händlerin, indem sie die Frau mit rüden Worten vom Platz scheuchte. Die nachgeschobene Begründung: Kopftuchträgerinnen hinterm Verkaufstresen seien schlecht fürs Geschäft.

Nur hatte die Basar-Organisatorin die Rechnung ohne das Publikum gemacht. Zeuginnen waren so empört, dass sie den Vorfall publik werden ließen. Unter anderem schrieben sie an den Leiter des kirchlichen Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrums, Stefan Antoni.

Zum Gelände dieser Bildungseinrichtung gehört jene Wiese, auf der seit sieben Jahren regelmäßig die private Verkaufsveranstaltung stattfindet. Trägerin des Schulzentrums ist die Erzdiözese München und Freising. Prompt reagiert hat der Pressesprecher des Erzbischöflichen Ordinariats, Bernhard Kellner. "Wir nehmen ein derartiges Verhalten nicht hin", sagte er der SZ, "wenn die Vorwürfe zutreffen, erhält die Veranstalterin Hausverbot, und schon der nächste Flohmarkt wird abgesagt."

Dass es zu dieser "untragbaren Diskriminierung" gekommen ist, beteuert neben anderen Tina Lohmann. Die Marktteilnehmerin und Journalistin nennt den Auftritt B.'s "zutiefst beschämend". Der Kauffrau dämmert nach Rücksprache mit der Schulleitung inzwischen selbst, dass ihr "ein großer Fehler" unterlaufen sein könnte.