Regisseur und Produzent Schamoni ist tot:Münchner Surrealismus

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Mit dem Film "Zur Sache, Schätzchen" wurde Peter Schamoni im Jahr 1968 schlagartig bekannt. Jetzt ist der Regisseur und Produzent im Alter von 77 Jahren gestorben.

Fritz Göttler

Eine Berliner Kindheit, so erzählte der Filmemacher Peter Schamoni gern, habe einen seiner aberwitzigsten Filme hervorgebracht, Erinnerungen an die Siegesallee im Tiergarten, mit den Marmorstatuen großer Könige. Es war der Film Majestät brauchen Sonne, 1999, über Kaiser Wilhelm II., den Schamoni mit einer Menge zeitgenössischen Filmmaterials in seiner merkwürdigen Zerrissenheit skizzierte: "Zusammengefasst eine Sehnsucht nach Rückwärts, ... zugleich eine Offenheit für die Moderne, für die neuen Medien seiner Zeit, für Verkehrswege, Kommunikation, Industrialisierung." Das könnte dann auch Schamonis Motto gewesen sein beim Filmemachen, diese Verzahnung, diese Interferenzen, die sich zwischen dem Alten und dem Neuen ergaben.

Peter Schamoni, schwarzweiß

Der Regisseur und Produzent Peter Schamoni ist am Dienstagvormittag gestorben.

(Foto: dpa)

Von den vier Schamoni-Brüdern hat Peter am längsten im Kino gewirkt, beharrlich und verspielt zugleich. Er hat Zur Sache, Schätzchen von May Spils produziert, den Kultfilm des Jungen Deutschen Kinos, und selbst Schonzeit für Füchse gedreht, auch ein Erfolgsfilm, aber eben nicht kultig, heute noch wirkt der Film über die neue bundesdeutsche Jugend ganz unaufgeregt, antonioniesk geradezu.

Von dieser Coolness hat Schamoni dann einiges verloren, als er sich später an eher romantische, deutsch-romantische Geschichten machte, über Clara und Robert Schumann, Frühlingssinfonie, 1983, oder Caspar David Friedrich, 1986, und schließlich Schloss Königswald, ein Altweibersommer nach Horst Bienek, mit den Ufa-Stars Camilla Horn und Marianne Hoppe, Carola Höhn und Marika Rökk.

Jung geblieben und cool ist Schamoni, geboren am 27. März 1934, als Dokumentarfilmer, mit seinen Exkursionen in die Welt der Kunst, in ihre Phantasien und ihre Phantasmen, verführt von ihrer Lust auf Fülle und Farbigkeit, bei Niki de Saint Phalle und Tinguely, Hundertwasser und Botero.

Und vor allem, immer wieder, in den mysteriösen Gefilden von Max Ernst. Vor fünfzig Jahren hatte er, auf dem Weg zum Oberhausener Festival 1962 - es war das Jahr des Manifests, Schamoni gehörte natürlich zu den Unterzeichnern - in Köln die erste große Max-Ernst-Schau gesehen im Wallraf-Richartz-Museum, darauf den Künstler kontaktiert - und es ist eine schöne Freundschaft daraus geworden, bis zum Tod von Max Ernst 1976. Eine Freundschaft und eine künstlerische Kameradschaft, eine Alter-Ego-Beziehung.

Die genialen Montage-Konzepte von Max Ernst hat Schamoni nicht nur dokumentiert, sondern auf seine Filme einwirken lassen, Literatur und Lithographie, Kino und Malerei hat er zu einem eigenen lässigen, manchmal ein bisschen akademischen Münchner Surrealismus zusammengebracht. Und wenn er vom Neuanfang erzählte damals in den Sechzigern, dann schien das deutsche Kino doch wieder eine Zukunft zu bekommen. "Ein Maler", sagte Max Ernst, "mag wissen, was er nicht will, doch wehe, wenn er wissen will, was er will ..." Am Dienstag ist Peter Schamoni im Alter von 77 Jahren in München gestorben.

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