SZenario:"Ich habe noch jede Menge weiterer Tiere im Kopf"

Filmpremiere Die Schule der magischen  Tiere im Arrikino

Leonard Conrads, Emilia Maier und Loris Sichrovsky (von links) sind die Hauptdarsteller des Films "Die Schule der magischen Tiere".

(Foto: Catherina Hess)

Auf dem Buchmarkt ist die "Schule der magischen Tiere"-Reihe bereits ein Riesenerfolg: sieben Millionen verkaufte Bücher und Übersetzungen in 25 Sprachen. Ob sich diese Popularität ins Kino transferieren lässt? Ein Besuch bei der Premiere in München.

Von Josef Grübl, München

Tiere dürfen eher selten ins Kino, doch im Kino sind sie stets willkommen. Also auf der Leinwand, wo reine Animalität aber nicht ausreicht. Nein, so ein Filmtier muss schon mehr können: singen, tanzen oder lachen etwa, sonst kann man ja gleich zu Hause bleiben und die Katze streicheln.

Am Sonntagnachmittag warten sehr viele Tierliebhaber vor dem Arri Kino, um "Die Schule der magischen Tiere" zu sehen: Die Macherinnen dieses auf der gleichnamigen Kinderbuchreihe basierenden Kinofilms haben also einiges richtig gemacht. Ihre Titelhelden sind gnadenlos vermenschlicht, sie plappern wild durcheinander, verspeisen Schoko-Kekse und führen Breakdance-Einlagen auf. Nebenbei verdingen sie sich als Seelentröster und Detektive, das Publikum bekommt also einiges geboten. Da Elster, Fuchs oder Schildkröte aber erstens magisch sind und zweitens nachträglich per Computer in den Film hineingebastelt wurden, haben sie beim Premierengetümmel auf dem roten Teppich das Nachsehen.

Hier ist tierfreie Zone, hier haben die Menschen das Sagen. Eine Zeremonienmeisterin achtet darauf, dass alle zur rechten Zeit am rechten Ort sind, um in Kameras zu schauen, vor Mikrofone zu treten oder Fragen zu beantworten. Als Erste dürfen sich die prominenten Premierengäste ablichten lassen, wobei die Sache mit der Prominenz natürlich relativ ist: Wenn, wie im Fall einer jungen Dame mit sehr kurzem Rock, kaum ein Fotograf abdrückt, muss wohl noch etwas am Bekanntheitsgrad gearbeitet werden. Vielleicht ist sie aber auch nur auf der falschen Veranstaltung gelandet, Selbstdarstellerinnen und Adabeis gibt es in dieser Stadt ja deutlich mehr als magische Tiere.

Dann kommen die Kinder, genauer gesagt die 18 Jungdarsteller, die im Film gemeinsam zur Schule gehen. Drei von ihnen werden von der Zeremonienmeisterin immer wieder vor die Fototapete geholt: Emilia Maier, Leonard Conrads und Loris Sichrovsky sind die jugendlichen Hauptdarsteller, sie haben eigene Wasserträgerinnen dabei und dürfen neben den Menschen vom Verleih, den Produzentinnen, dem Regisseur oder dem Titelsong-Interpreten Sasha ihr mimisches Repertoire aufführen. Das erledigen sie mit solcher Lässigkeit, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Alle drei sind aber Debütanten, standen zum ersten Mal vor der Kamera.

Marleen Lohse hat da mehr Erfahrung, die Berlinerin mit der roten Lockenmähne spielt in diesem Film eine Friseursalonbesitzerin. Vor dem Arri Kino erinnert sie sich an ihre Anfänge: "Ich habe mit zwölf mit der Schauspielerei begonnen." Also ungefähr in dem Alter, in dem die Kinder im Film sind? "Ja, genau. Allerdings war ich damals nicht so professionell wie sie." Lohse lacht und befolgt eines der wichtigsten Premierengesetze: Immer die Anderen mehr loben als sich selbst.

In diesem Fall stehen die Kinder und magischen Tiere sowieso im Mittelpunkt, da kann sie sich auch gut zurücknehmen. Ihr Kollege Justus von Dohnányi sieht das ähnlich, er spielt den Schuldirektor und erzählt von seiner Schulzeit: "Ich war da weder gut noch gerne." Auch er lacht, in Sachen guter Laune kann er es aber nicht mit der Frau neben ihm aufnehmen: Margit Auer hat die Romanvorlage geschrieben, sie strahlt an diesem Nachmittag vor dem Arri Kino über das ganze Gesicht. Das liegt wohl daran, dass sie anders als die Filmmenschen nicht mehr um die Gunst des Publikums buhlen muss.

Auf dem Buchmarkt ist "Die Schule der magischen Tiere"-Reihe bereits ein Riesenerfolg, mit sieben Millionen verkauften Büchern und Übersetzungen in 25 Sprachen. Ob sich diese Popularität ins Kino transferieren lässt? Das wird sich ab 14. Oktober herausstellen, da läuft der Film bundesweit an. Die Macherinnen glauben fest an einen Erfolg, die Dreharbeiten zum zweiten Teil sind abgeschlossen, dieser soll nächstes Jahr herauskommen. Auch das lässt Margit Auer strahlen, sie fühle sich überhaupt nicht unter Druck gesetzt, sagt sie: "Ich habe noch jede Menge weiterer Tiere im Kopf."

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