Kultur:Erst die Arbeit. Und dann?

Kultur: Wie geht es weiter nach dem Berufsleben? Das fragen sich dieser Fischer und die anderen Protagonisten in Alexander Riedels Film "Nach der Arbeit".

Wie geht es weiter nach dem Berufsleben? Das fragen sich dieser Fischer und die anderen Protagonisten in Alexander Riedels Film "Nach der Arbeit".

(Foto: Pelle Film)

Das Münchner Filmmuseum zeigt eine Dokumentation über angehende Rentner. In der Reihe "Film Welt Wirtschaft" stellen die Filmemacher auch Fragen nach ihrer eigenen Zukunft.

Von Josef Grübl

Häppchenweise geht es zu Ende, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn: Mit Appetithäppchen und einer Ansprache verabschiedet sich die Lehrerin Marion von ihren Kolleginnen und Kollegen. Diese aber wuseln durchs Lehrerzimmer, sind mit Arbeit beschäftigt: Bis zu deren eigenem Renteneintritt dauert es eben noch ein Weilchen. Der Münchner Dokumentarfilmer Alexander Riedel hat den Berufsausstieg der pensionierten Pädagogin mehrere Jahre lang begleitet, ebenso den eines Busfahrers, eines Fischers, eines Stahlarbeiters oder einer Schauspielerin. In "Nach der Arbeit" erleben sie den Transit zwischen Berufsalltag und Ruhestand; sie müssen loslassen und sich auf Neues und Unbekanntes einstellen.

Riedels Film lief bereits bei den Hofer Filmtagen und beim Dok-Fest München, jetzt ist er in der Veranstaltungsreihe "Film Welt Wirtschaft" im Filmmuseum zu sehen (So., 22. Januar, 17 Uhr). Dort geht es um Umwelt-, Wirtschafts- und Arbeitsthemen, das diesjährige Motto lautet: "Und danach?" Da passt dieser Film natürlich perfekt: Während die Lehrerin als "Granny-Au-pair" nach China geht, möchte der Fischer seinen Betrieb den eigenen Kindern übergeben. Diese haben aber in Sachen Work-Life-Balance eine andere Vorstellung von Arbeit als der Vater.

"In meinen Filmen geht es um Umbruchsituationen und die Frage, wie es weitergeht", sagt Riedel bei einem Telefonat. Zu Beginn seiner Karriere erzählte er von Jugendlichen auf der Suche ("Draußen bleiben"), später von Menschen in der Midlife-Crisis ("Morgen das Leben"). Jetzt also folgen Pensionäre - und der 53-Jährige wird persönlich: Gleich zu Beginn erzählt er vom eigenen Vater und wie schwer diesem der Arbeitsabschied gefallen sei. "Ich habe gesehen, dass es viele Anknüpfungspunkte gibt", sagt er.

Vier weitere Dokumentarfilme, zwei Kurzfilme und ein Spielfilm stehen außerdem auf dem Programm, sie werden von ihren Machern oder Arbeits- und Umweltexperten vorgestellt. Der Münchner Regisseur Friedrich Rackwitz etwa erzählt in seinem HFF-Abschlussfilm "Win Win" von Menschen, die ihre Arbeit als Spiel begreifen: Es geht um die "Gamification" der Arbeitswelt und wie Apps dabei helfen sollen, bessere Leistungen zu erbringen. Gestresste und an Burn-out leidende Angestellte zeigt die finnische Doku "The Happy Worker"; ebenfalls aus Finnland kommt der Film "Lasikatto (It's raining Women)". Darin geht es um die Ungleichbehandlung von Frauen in der Arbeitswelt, um geringere Aufstiegschancen und schlechtere Bezahlung.

Ungleich behandelt in der Filmbranche werden auch Dokumentarfilmer, sie arbeiten oft an der Grenze zur Selbstausbeutung. Im regulären Kinoprogramm haben ihre Werke kaum eine Chance, sie sind auf Festivals oder Veranstaltungsreihen angewiesen. "Wir erleben gerade eine große Umwälzung", sagt Alexander Riedel, die große Frage sei für ihn, wo sich der Dokumentarfilm in Zukunft wiederfindet. "Und danach?" Das Motto der Reihe bezieht sich auch auf die Zukunft der Filmemacher.

Film Welt Wirtschaft, Do., 19., bis So., 22. Jan., Filmmuseum München, St.-Jakobs-Platz 1

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