New York hat es, London hat es – und nun auch München: ein Festival, bei dem sich alles um das Thema Fermentation drehen soll. Die Idee zu „Fermenting Souls“ auf dem Gelände vom Import Export hatten Andrea Brunello, Leandro D’Introno und Martin Heusch. Unterstützt werden die drei Freunde, die mit bis zu 500 Besucherinnen und Besuchern rechnen, von einer Handvoll ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer. Brunello vertreibt selbst mit Bibo Foods fermentierte Lebensmittel. Mit ihm hat die SZ darüber gesprochen, warum für ihn, D’Introno und Heusch Fermentation mehr als nur ein kulinarischer Begriff ist und was konkret für das Festival, aber auch darüber hinaus geplant ist. Immerhin lautet das Motto: „Not just a festival, not just a market.“
SZ: Herr Brunello, was fasziniert Sie so an dem Thema?
Andrea Brunello: Es macht einfach Spaß, Fermentation ist etwas Neues und gleichzeitig etwas Altes. Es handelt sich ja um eine lange in Vergessenheit geratene Tradition, Lebensmittel haltbar zu machen, die jetzt wieder total im Trend ist. Als jemand, der sich für die Slow-Food-Bewegung interessiert, geht es für mich bei dem Thema aber noch um so viel mehr als nur um Essen: Es geht um die Gesellschaft, um Politik, um Wirtschaft. Deshalb ist Fermentation auch eine gute Metapher für gesellschaftlichen Wandel – und damit ein tolles Thema für ein inklusives Festival, wie wir es planen.
Das klingt ja schon fast philosophisch. Was dürfen Besucherinnen und Besucher denn ganz konkret erwarten?
Geplant ist ein Tagesfestival, bei dem Essen und Trinken natürlich eine zentrale Rolle spielen werden. Deshalb wird es einen großen Markt mit um die 20 Produzentinnen und Produzenten aus Italien und Deutschland geben. Unser Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen, deren Arbeit wir schätzen, und ihnen eine Plattform zu bieten. Der Verkauf der Ware ist aber nur das eine, es geht auch um die Möglichkeit, die Produzenten und ihre Geschichte kennenzulernen. Generell organisieren wir Fermenting Souls ehrenamtlich, es geht uns nicht um Profit, sondern um Gemeinschaft. Uns war es deshalb auch wichtig, dass die Aussteller keine Standgebühr zahlen müssen.
Neben dem Markt: Was ist noch geboten?
Es gibt natürlich auch Essensstände, einmal vom Restaurant Malva und einmal von der Küchencrew vom Import Export. Geplant sind außerdem mehrere Workshops, bei denen die Möglichkeit besteht, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Das Foodkollektiv Saison Schlemm bietet einen Sauerkraut-Workshop an, Kimchi-Pop – sie ist Koreanerin, lebt aber in Mailand – bietet einen Kimchi-Workshop an und Bradley Bryan, der im Preysinggarten als Sous-Chef arbeitet, bietet einen Koji-Workshop an, bei dem die Teilnehmenden am Ende mit einem Miso-Starter heimgehen.

Sind auch Panels geplant?
Gemeinsam mit Christiane Heisse von Garantiert Konserviert organisieren wir etwas, das wir Kulturecke nennen. Sie hat unter dem Motto „Fermentation für Nerds“ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz verschiedenen Themenbereichen eingeladen, die sich interdisziplinär zu dem Thema austauschen werden. Giulia Barison bietet unter dem Motto „Ferment Action“ eine Mischung aus Vortrag und Workshop an, es wird bei ihr um Aktivismus gehen. In der Kulturecke wird es auch noch ein paar ungewöhnlichere Fermentationskreationen zum Probieren geben; in einem kleinen Zelt bauen wir noch eine kleine Chillout-Area mit einer Minibar auf, an der es fermentierte Shots gibt. Und: Wir wollen Stoff auslegen, den die Menschen mit ihrer Vorstellung davon, wie Bakterien aussehen, bemalen können.
Fehlt noch die Musik.
Genau, Musik wird zentral sein für den Festival-Vibe, wir wollen schließlich vor allem Spaß haben und feiern. Wir haben wirklich ein tolles Line-up, Headliner ist ein Produzent aus Argentinien: Kermesse.
Ein paar der Programmpunkte klingen schon ein bisschen nerdig. Würden Sie sagen, das Festival ist auch für Menschen, die sich bislang noch nicht allzu viel mit Fermentation beschäftigt haben?
Auf jeden Fall, das Programm ist so konzipiert, dass es ein Angebot für alle gibt. Die Workshops sind anfängerfreundlich, in der Kulturecke können die, die Lust haben, tiefer ins Thema einsteigen. Und – das kann ich schon mal verraten, obwohl wir da gerade noch in der Planung sind – es wird auch im Vorfeld des Festivals ein paar Events geben, um sich auf das Thema einzustimmen.
Was kann ich mir darunter vorstellen?
Unsere Idee ist es, in den Tagen vor dem Festival über die Stadt verteilt in unterschiedlichen Locations schon kleinere Events zu veranstalten, to make the city ferment up – und auch, damit sich gerade für die Produzentinnen und Produzenten, die von weiter weg kommen, die Anreise lohnt. Mit Alessandro Sanfilippo von La Casa di Fanny sind wir zum Beispiel am Samstag vor dem Festival auf dem Viktualienmarkt am Stand von Kraut & Müller für ein Miso-Tasting, mit Caspar Plautz wollen wir eine passende Kartoffel der Woche kreieren. Daneben sind auch einige Dinner geplant, im Restaurant Usagi veranstalten wir zum Beispiel eine „Spicy Night“ mit den scharfen Soßen von B-orto Peppers und Naturweinen von Vigne di Confine. Mit ein paar anderen Locations sind wir noch im Gespräch, Ideen haben wir auf jeden Fall genug.
Fermenting Souls, 2. August, von 14 bis 22 Uhr, Import Export an der Schwere-Reiter-Straße, Tickets für das Festival und die Workshops gibt es über rausgegangen.de.

