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Start-up "Holidu":Zwei Männer, 16 Millionen Ferienhäuser

Das Start-up der Firmengründer Michael und Johannes Siebers wächst weiter.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Wie viel eine Finca auf Mallorca oder die Wohnung in Südfrankreich kosten, variiert oft je nach Buchungsportal. Zwei Brüder wollen mit ihrer Plattform einen Überblick bieten - und Urlaubern beim Sparen helfen.

Ein Bürokomplex in Moosach, am nordwestlichen Eck des Mittleren Rings. Bei der Firma "Holidu" im vierten Stock steht die Tür offen, auf dem Boden sind Planen ausgelegt. Ein Arbeiter in Funktionshose trägt eine Dämmplatte vorbei am Empfangstresen, der vor wenigen Tagen noch gar nicht existierte. Man wächst, es braucht mehr Meeting-Räume. "Start-up heißt halt auch, dass sich ständig viel ändert", sagt Johannes Siebers.

Bei manchen ändert sich zu schnell zu viel, zu viel wird blind ausprobiert. Das sind die Start-ups, die schnell wieder verschwinden. Holidu dagegen ist über den kritischen Zustand längst hinaus, unter den Start-ups kann es fast schon als Urgestein gelten. 2014 hat Johannes Siebers, 34, es gemeinsam mit seinem Bruder Michael, 30, gegründet. Sie betreiben eine Buchungsplattform für Ferienwohnungen. Die genießt das Vertrauen von Urlaubern und damit auch von Investoren: Jüngst wurden in einer Finanzierungsrunde 40 Millionen Euro eingesammelt, insgesamt 60 Millionen hat Holidu damit bekommen. Und doch: "Das Potenzial, zu wachsen, ist immer noch groß", sagt Michael Siebers.

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2012 planten die Brüder mit Freunden einen Trip zum Surfen nach Portugal, nördlich von Lissabon. An eine kleine Halbinsel branden Wellen aus drei Himmelsrichtungen: ein Paradies für Surfer. Doch eine Unterkunft zu finden, war schwieriger als gedacht. Johannes Siebers glich Daten von 20 Plattformen in einer Excel-Tabelle ab und stellte fest: Viele Wohnungen waren mehrfach inseriert, zu unterschiedlichen Preisen. Häufig hatten Anbieter vergessen, die Inserate aktuell zu halten. Teilweise buchte man also Wohnungen, die gar nicht frei waren. Vom Surftrip blieben Urlaubserinnerungen und die lose Ahnung: Geht es nicht mehr Menschen genau wie uns?

Ein Gründer-Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums sorgte für ein schmales Gehalt und ein kostenloses Büro an der Hochschule. Es erlaubte den Brüdern auch, ihre Jobs aufzugeben. Michael hatte als Informatiker beim Online-Versandhändler Zalando in Berlin gearbeitet, Johannes in der Venture-Capital-Abteilung bei Siemens in München - also der Sparte, die sich zum Beispiel mit der Förderung riskanter Start-ups beschäftigt. Das Netzwerk erleichterte die Suche nach Investoren, und die glaubten an die Idee.

Die Nachfrage verlangt nach mehr Mitarbeitern. 38 Stellen sind derzeit ausgeschrieben, das Büro in Moosach wird vergrößert.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Im ersten Jahr beschäftigte Holidu eine Handvoll Mitarbeiter, heute sind es 200. Entwickler, Analystinnenen, Service-Mitarbeiter , die in Moosach zwei Etagen bevölkern und deren Gesichter als Polaroid-Fotos an den Wänden hängen. Johannes und Michael Siebers führen vorbei an Postern mit Firmen-Leitbildern ("We win as a team") und durch Großraumbüros, in denen Menschen aus 30 Nationen arbeiten. Jemand hat ein Fahrrad an die Fensterfront gelehnt. Über einer Kollegin schwebt ein mit Helium gefüllter Happy-Birthday-Schriftzug. In der Küche stehen ein Kickertisch und das Schlagzeug der Firmenband (die "Holidudes"). In den Büros der Gründer sind kleine Gruppen zu Meetings.

In einem Konferenzraum klappt Johannes Siebers einen Laptop auf. Holidu verzeichnet etwa 16 Millionen Ferienhäuser und -wohnungen aus 200 Ländern und vergleicht Angebote von mehr als 300 Webseiten. Viele Angebote würden von Agenturen verwaltet. "Aber die meisten sind eben keine professionellen Anbieter", sagt er. Das könne zum Beispiel eine Familie auf Mallorca sein, die eine Wohnung renoviert hat und nun vermieten will. Weil der Markt so kleinteilig ist, muss sie die Wohnung auf einem Dutzend Plattformen inserieren. "Und die Buchungen trägt die Familie in einen Kalender ein, der am Kühlschrank hängt", sagt Michael Siebers. Doppelbuchungen seien da nicht zu vermeiden. "Und die sind für alle frustrierend", ergänzt sein Bruder. Für Gäste, Besitzer und Buchungsplattformen, die ihr Geld - wie Holidu - über Provision verdienen.

Das Unternehmen will darum den Überblick bieten. Beim Buchen von Flügen ist das Konzept gang und gäbe, bei Ferienwohnungen ist es relativ neu. Probehalber sucht Johannes Siebers eine Ferienwohnung auf Mallorca. Eine Finca mit Pool, vier Personen, sieben Nächte. Kostet um die 1000 Euro, bei manchem Anbieter aber auch mal nur 900 oder 850. Bis zu 55 Prozent können Reisende sparen, wirbt die Firma auf der Homepage. Und wenn es doch eine Stornierung gibt? Kommt vor, sagen die Brüder. Hier setzen sie mit der Tochtergesellschaft Bookiply an. Sie arbeitet mit den Inhabern und berät bei der Gestaltung und Pflege der Inserate und Wohnungen.

Noch ist Holidu nur in einzelnen Segmenten profitabel und somit auf Geld von Investoren angewiesen. Deren Vertrauen scheint ungebrochen, die Firma soll weiter wachsen. Aktuell hat Holidu 38 Stellen ausgeschrieben, im Gebäude wird ein weiterer Flur angemietet. Die Leute wollen ja Urlaub machen. Nur selbst - das ist die Schattenseite davon, ein millionenschweres Start-up zu führen - kommen die Brüder jetzt nicht mehr so ausgedehnt dazu.

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