Ferien:Daheim ist's doch am schönsten

Gehört für viele Menschen gefühlt zu München: Der Gardasee.

Gehört für viele Menschen gefühlt zu München: der Gardasee.

(Foto: Stephan Rumpf)

Vom Aperol Spritz bis zum Wetter: Warum es ganz deprimierend ist, derzeit Urlaub zum Beispiel in Italien zu machen - und daheim alles besser ist.

Glosse von Andreas Schubert

Es mag vielleicht ein bisschen einseitig sein, die wunderbare Ruth Maria Kubitschek, die am Montag ihren 90. Geburtstag gefeiert hat, immer wieder auf die Rolle des Spatzl aus "Monaco Franze" zu reduzieren. Aber in den vergangenen zwei Wochen half es halt nix. Jeden, wirklich jeden Morgen fiel einem ihr viel zitierter Satz aus der letzten Serienfolge ("Du stehst in der Früh auf - und schon wieder scheint die Sonne, das ist so deprimierend.") ein - zumindest, wenn man gerade seinen Urlaub im Süden verbracht hat und das große Glück hatte, nicht in einem von Bränden oder Unwettern heimgesuchten Gebiet gelandet zu sein.

Da wäre eben dieses eintönige, ständig blendende Wetter. All diese unnötigen Aperol Spritze schon am Nachmittag, dieser penetrant fangfrische Fisch auf dem Teller und dann dieses soachwarme Meer, aus dem man ihn gezogen hat. Am schlimmsten aber sind manche Strände: viel zu viel Platz und kaum Landsleute.

Wieder daheim ist es dann umso schöner zu sehen, was man an München eigentlich wirklich hat. Allein die Aussicht, dass es den Rest der Woche regnen soll, ist überaus beruhigend. Denn der Druck, sich wetterbedingt ständig im Freien aufhalten zu müssen, kann einem schon mal aufs Gemüt schlagen. Und dann gehen einem fern der Heimat auch all die Baustellen und täglichen Staus schmerzlich ab.

Insofern ist allen Menschen, die hinterher von ihrem ach so tollen Urlaub im Süden schwärmen, prinzipiell zu misstrauen. Als glaubwürdig einzustufen sind lediglich die Leute, die ihre Ferien am Gardasee verbringen, also quasi daheim bleiben. Bekanntermaßen gehört der Lago längst zum Großraum München und bietet auch sonst vielerlei Vorteile. Das Wetter dort soll in den nächsten Tagen recht münchnerisch abwechslungsreich sein. Man hört mehr Bairisch als in der Isarvorstadt. Und der Weg dorthin ist nichts anderes als eine leicht verlängerte Version einer Stop-and-Go-Fahrt auf dem Mittleren Ring respektive einer S-Bahn-Fahrt zur Rushhour. Kein Wunder, dass es so viele Münchner dorthin zieht. Dahoam ist's halt immer noch am schönsten.

© SZ vom 03.08.2021/wean
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