Wohnen in Feldmoching:Zu hoch, zu dicht, zu viel Verkehr

Wohnen in Feldmoching: Wohnen direkt am Bahnhof: Mit Glaswänden soll das geplante Viertel vom Zuglärm abgeschirmt werden, lautet eine Forderung aus dem Bezirksausschuss.

Wohnen direkt am Bahnhof: Mit Glaswänden soll das geplante Viertel vom Zuglärm abgeschirmt werden, lautet eine Forderung aus dem Bezirksausschuss.

(Foto: Robert Haas)

Lokalpolitiker in Feldmoching sprechen sich gegen ein neues Quartier an der S-Bahn aus. Dabei könnte auf einer Brachfläche zwischen den Gleisen und der Ratoldstraße Wohnraum für mehr als 2000 Menschen entstehen.

Von Jerzy Sobotta

Die Planungen für ein neues Wohnviertel entlang der S-Bahn-Linie am Bahnhof Feldmoching werden von Lokalpolitikern kritisiert. Es geht um ein Quartier mit 900 neuen Wohnungen, das auf der lang gezogenen Brachfläche zwischen Gleisen und Ratoldstraße für mehr als 2000 Menschen entstehen soll. Die Planungen sind in den vergangenen Monaten vorangeschritten und sollen bald eine weitere Hürde im Stadtrat nehmen. Derzeit kursiert der Entwurf für einen Billigungsbeschluss in der Stadtverwaltung, jüngst wurde er dem Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl vorgelegt. Dort gingen die Meinungen der Lokalpolitiker über die Pläne auseinander: Während die bestimmende konservative Koalition aus CSU, ÖDP und München-Liste den Entwurf dezidiert ablehnte, stimmte die SPD dafür. Die Grünen waren gespalten und stimmten uneinheitlich ab.

Bettina Obersojer (CSU), die Vorsitzende des Unterausschusses Bauleitplanung, kritisierte, dass von der Stadt diverse Gutachten nicht angefertigt und veröffentlicht worden seien. Im geplanten Viertel fehle es an Orten der Begegnung für die Bewohner. Die Ablehnung der CSU dürfte aber grundsätzlicher Natur sein und mehr mit der Ablehnung von Bauprojekten und Nachverdichtungen per se zusammenhängen als mit konkreten Mängeln in der Ausgestaltung des neuen Quartiers. Denn als wichtigsten Kritikpunkt nannte die CSU-Politikerin, dass die Stadt noch immer kein einheitliches Konzept für den Verkehr im Münchner Norden vorgelegt habe. Darauf wartet der BA schon lange.

Ein Verkehrschaos befürchtet auch Stadtrat Dirk Höpner (München-Liste), der ebenfalls BA-Mitglied ist. Er bemängelte, dass angesichts der Verdichtung weitere Unterführungen für Straßen vorgesehen werden sollten, an denen der Verkehr derzeit mit Bahnschranken geregelt wird. Zudem habe sich die Anzahl der Wohnungen während der Planung erhöht. Ein lokales Zentrum für die Anwohner sei hingegen weggefallen. "Anwohner haben sich bessere Versorgung und soziale Infrastruktur gewünscht", sagte Höpner. Einzelne Wohnhäuser mit acht Stockwerken seien für Feldmoching zu hoch. "Wir lehnen das Quartier nicht grundsätzlich ab, aber nicht in dieser Höhe und Dichte", sagte Höpner.

"Man kann hier etwas Gutes entwickeln, aber dafür muss man sich von der Idee verabschieden, dass Feldmoching ein Dorf ist", sagte Hans Kübler (Grüne). Eine Brachfläche in der Nähe von U- und S-Bahn sei ein idealer Ort für die Bebauung. "Sie ist sinnvoll, aber sie muss an bestimmte Einschränkungen geknüpft werden", verlangte Kübler. Es gelte, das Viertel umweltfreundlich zu entwickeln. Dazu gehörten genügend Grünflächen und eine Glasfassade in Richtung Gleise, die die Bewohner vor dem Lärm der Bahntrasse abschirmen soll.

Diese Argumente überzeugten aber nicht alle Grünen-Politiker. Etwa die Hälfte der Fraktion stimmte gegen den Entwurf. Anders die SPD, die ihn zwar nicht kommentierte, aber geschlossen dafür stimmte. Trotzdem fand der Entwurf keine Mehrheit im Gremium, sodass die Vorlage den Stadtrat mit einer Protestnote des BA erreichen wird. Letztlich entscheiden die Stadträte über die weiteren Planungen.

© SZ vom 21.04.2021/van
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