Feldmoching:Planspiele auf dem Lerchenauer Feld

Feldmoching: Neues Quartier: Zwischen Wald und U-Bahn bekommt Feldmoching neue Wohnungen und einen Schul- und Sportcampus. Simulation: Bayerische Hausbau

Neues Quartier: Zwischen Wald und U-Bahn bekommt Feldmoching neue Wohnungen und einen Schul- und Sportcampus. Simulation: Bayerische Hausbau

Auf einem rund 30 Fußballfelder großen Areal im Münchner Norden soll ein neues Quartier mit 1650 Wohnungen entstehen. Die Verkehrsanbindung bleibt der Knackpunkt.

Von Jerzy Sobotta, Feldmoching

Das Interesse ist gewöhnlich groß, wenn Stadt und Investoren neue Pläne für ein Viertel vorstellen, das in diesem Jahrzehnt auf dem Lerchenauer Feld entstehen soll. Viele Dutzend Menschen drängen sich dann um Projektentwürfe und Holzmodelle. Bei der vierten Bürgerbeteiligung war freilich alles anders, denn die Stadtplaner sowie Vertreter von Bayerischer Hausbau und Concept Bau waren nur als Kacheln auf dem Monitor zu sehen. Sie erläuterten die wichtigsten Änderungen am städtebaulichen Siegerentwurf von Ammann Albers Stadtwerke und BEM, auf deren Grundlage der Bebauungsplan zurzeit erstellt wird.

Mehr Grün

Was sich für das rund 30 Fußballfelder große Bauprojekt zwischen Lerchenauer- und Lerchenstraße am meisten verändert hat, ist der lange Grünstreifen, der das Quartier von Nord nach Süd durchziehen soll. Er wurde gegenüber dem ursprünglichen Entwurf deutlich verbreitert und im Süden an bestehende Grünflächen angeschlossen. Dafür fällt der Schulcampus im Süden kleiner aus. Die dort geplante Grundschule wird nur noch vierzügig gebaut, wodurch sich auch die Flächen für Turnhallen und Sportplätze verkleinern. Das geplante sechszügige Gymnasium hingegen bleibt weitgehend unverändert.

Über das zusätzliche Grün zeigte sich der örtliche Bezirksausschuss (BA) erfreut: "Bebauung fügt sich gut in Umgebung ein, und wenn die Dichte so beibehalten wird, dann kann ich mir vorstellen, dass dort ein lebendiges Viertel mit viel Grün entsteht", sagte BA-Vorsitzender Rainer Großmann (CSU) bei der Veranstaltung. Auf der Nordseite wurde der Abstand zu den bestehenden Eigentumshäusern vergrößert. Ganz verworfen wurde eine Idee von Bürgern, einen neuen Badesee in das Quartier zu bauen. Dazu gebe es schlichtweg keinen Platz, sagten die Planer.

Marktplatz und Zentrum

Auf der Höhe der Georg-Zech-Alle soll Ladenzentrum mit einem Marktplatz entstehen. Die Struktur dieses künftigen Quartierzentrums wurde so umgestaltet, dass an dem Marktplatz auch die Haltestelle für eine geplante Straßenbahn liegen soll. Hier soll es später mehrere große Supermärkte geben, eine Drogerie und weitere Läden, etwa eine Bäckerei, einen Friseur oder ein Blumengeschäft. Die Bürger wünschten sich außerdem einen Biergarten und Cafés für das Viertel.

Wohnen

Insgesamt sind weiterhin 1650 Wohnungen geplant. Ein Großteil der Wohnhäuser soll zwischen drei und fünf Stockwerken hoch sein, entlang des Grünstreifens wird es Hochpunkte mit bis zu sieben Stockwerken geben. Wie groß der Anteil an Mietwohnungen sein wird, das ließen die Investoren weiter offen. Zwar seien welche geplant, allerdings werde größtenteils auf frei finanzierte Eigentumswohnungen hinauslaufen (neben dem durch die Sozialgerechte Bodennutzung, Sobon, vorgeschrieben Anteil von 40 Prozent an sozial gebundenen Wohnungsbau). Rund die Hälfte des Bodens gehört der Stadt, wird aber vorwiegend für Schulen, Pflege- und Flexiheime sowie andere soziale Einrichtungen gebraucht. Genossenschaftswohnungen oder städtische Sozialwohnungen werden daher keinen großen Anteil ausmachen.

Verkehr

Das Viertel soll an die bereits vom Stadtrat beschlossenen Tram Y-Nord angeschlossen und so mit der Haltestelle Am Hart verbunden werden. Die Strecke wird durch den Südteil des neuen Quartiers verlaufen und an der Georg-Zech-Allee auf die Lerchenauer Straße geführt. Auch Rad- und Fußwege sollen auf dieser Strecke entstehen. Allerdings rechnen die Verkehrsplaner nicht damit, dass die Tram schon fahren wird, wenn die ersten Menschen einziehen. Anfangs müsse man sich mit einem Bus behelfen. Auch zusätzliche Busverbindungen über die Lerchenstraße werden überlegt, wenn dort die Schranke über die Gleise eliminiert ist.

Geplante Straßenunterführungen an den Bahngleisen im Viertel werden den Durchgangsverkehr in Feldmoching deutlich ansteigen lassen, so die Prognose der Planer. Das neue Viertel könne sowohl mit oder ohne Unterführungen gebaut werden. Damit möglichst viele auf ein eigenes Auto verzichten, sollen die Parkplätze im Viertel nicht unter den Häusern liegen, sondern in mehreren zentralen Parkhäusern untergebracht werden. Außerdem soll es Leihautos und -räder geben.

Zeitplan

Im Moment wird der Entwurf für den Bebauungsplan ausgearbeitet und soll bald dem Bezirksausschuss und dem Stadtrat vorgestellt werden. Die endgültigen Pläne soll der Stadtrat 2023 absegnen. Die Bauarbeiten könnten dann ab 2025 in mehreren Bauabschnitten beginnen. Derzeit rechnen die Planer damit, dass etwa 2027/28 erste Bewohner aufs Lerchenauer Feld ziehen könnten. Zahlreiche Gutachten sollen den Bürgern online zur Verfügung stehen, kündigte ein Mitarbeiter des städtischen Planungsreferats an.

© SZ vom 26.04.2021/infu, van
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