bedeckt München

Instandsetzung:Die Wunden der Feldherrnhalle

Feldherrnhalle spiegelt sich in Pfütze

Mit etwas Abstand sieht die Feldherrnhalle noch immer beeindruckend aus. Wer näher hisnchaut, entdeckt jedoch zahlreiche Schäden.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Wasserflecken, Algenbewuchs, Rost und Ruß: Das Wahrzeichen ist sichtbar in die Jahre gekommen. Nun wird eine große Sanierungsaktion vorbereitet, 2025 soll das Denkmal wieder adrett aussehen.

Von Dominik Hutter

Die marmornen Hüter der Freitreppe wirken strapaziert. Die Löwengesichter sind verfärbt, sehen ein bisschen so aus, als hätte ihnen jemand eine dunkle Decke über den Kopf geworfen. Algenbewuchs ist das, warnen die Denkmalschützer. Und auch sonst macht die Feldherrnhalle am Odeonsplatz den Eindruck, als könnte sie eine Auffrischung vertragen. An der Rückwand sind meterhohe Wasserflecken mit weißen Rändern zu sehen, der Natursteinsockel der zwischen 1841 und 1844 nach Plänen Friedrich von Gärtners errichteten Loggia ist fleckig. Vor dem großen Armee-Denkmal stinkt es nach Urin, Pfützen bedecken den reichlich mitgenommenen Boden.

Es ist mehr als 60 Jahre her, dass das prominente und streng genommen ziemlich zweckfreie Bauwerk zuletzt umfassend hergerichtet wurde. Nun knöpfen sich Fachleute und Historiker die Riesenhalle am südlichen Ende der Ludwigstraße vor. Eine große Sanierungsaktion wird vorbereitet. Aktuell werden die einzelnen Schritte zur Reparatur geplant, anschließend werden sie dem Landtag vorgelegt. In etwa zwei Jahren sollen die Bauarbeiter anrücken, berichtet Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU). Voraussichtlich 2025 könnte die Feldherrnhalle dann wieder adrett aussehen - wie sich das ja eigentlich für ein Wahrzeichen gehört.

Zu tun gibt es einiges. Die Wasserflecken belegen, dass die aus verzinktem Eisenblech bestehende Eindeckung undicht ist. Das Dach ist im Zweiten Weltkrieg abgebrannt und wurde in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Nun soll ein stabilerer Regenschutz aus Kupferblech montiert werden. Was auch bedingt, dass die darunter liegende Holzkonstruktion genau unter die Lupe genommen wird. Ohnehin ist die Statik der Feldherrnhalle komplizierter als sie zunächst wirkt. Zugstangen stützen die Gewölbe-Konstruktion, die Rostspuren sind nicht mehr zu übersehen. Auch innen liegende Stangen hinterlassen bereits Rostfahnen auf der steinernen Oberfläche des Bauwerks. In der Zeit des Wiederaufbaus wurden einige beschädigte Teile mit Beton ergänzt - auch diese Bereiche weisen nach Einschätzung der Experten erhebliche Schäden auf.

Vieles muss nach Jahrzehnten gereinigt werden - in den Fünfziger- und Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts war die Feldherrnhalle noch vom Autoverkehr umtost. Der Naturstein bedarf ebenso einer kosmetischen Behandlung wie die Rückwand, auf der per Anstrich farblich unterschiedliche Natursteine vorgegaukelt werden (vergleichbar dem bereits sanierten Hauptgebäude der nahen Ludwig-Maximilians-Universität). Auch die erst 1906 aufgestellten Marmorlöwen sowie die Statuen werden gereinigt - für die bronzenen Feldherren Graf Tilly und Fürst Wrede ist ein Spezialüberzug geplant, der vor weiterer Korrosion schützt. Der Fußboden soll seinen ursprünglichen Belag zurückerhalten.

Die Fachleute wollen sich auch eines bislang ungelösten Problems annehmen: der denkmalgerechten Absturzsicherung. Derzeit droht Unachtsamen theoretisch ein Fall aus drei Metern Höhe, wenn sie an den Rand des Podiums treten. Dies soll nach Möglichkeit künftig ausgeschlossen werden. Der Absturz könnte - wenn nichts geschieht - auch dem steinernen Zierrat auf dem Dach, den sogenannten Trophäenbündeln, drohen. Auch derartige Gefahren sollen durch die Sanierung behoben werden.

4 Haupttore

bildeten im zweiten Mauerring ums mittelalterliche München den Zugang zur Stadt: Isartor, Sendlinger Tor, Neuhauser Tor (Karlstor) und Schwabinger Tor. Letzteres ist als einziges komplett verschwunden. Das Bauwerk stand an der Stelle der heutigen Feldherrnhalle (etwas nördlich davon) und wurde 1817 abgerissen.

Die Feldherrnhalle wurde im Auftrag König Ludwigs I. errichtet. Ihr Vorbild ist die aus dem 14. Jahrhundert stammende Loggia dei Lanzi auf der Piazza della Signoria in Florenz, in Sichtweite von Palazzo Vecchio und Uffizien. Die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen, allerdings weist - das muss man neidlos anerkennen - die Loggia dei Lanzi ein weitaus beeindruckenderes Figurenprogramm auf. Dort wird nicht wie in München dem Militär einer Mittelmacht gehuldigt, sondern vielmehr der Mythologie der Antike. Perseus hält das abgeschlagene Haupt der zu seinen Füßen liegenden Medusa in die Höhe. Herkules und Nessos sind zu sehen sowie der legendäre Raub der Sabinerinnen. Da können in München die zwei Feldherren, von denen der eine im Dreißigjährigen Krieg und der andere in den napoleonischen Kriegen gekämpft hat, nicht so recht mithalten.

Ursprünglich hatte Ludwig geplant, weitere Feldherren in seiner Loggia aufzustellen. Dazu kam es aber nicht. Prinzregent Luitpold entschied sich schließlich für ein bayerisches Armeedenkmal, das 1894 im Hintergrund der Halle ergänzt wurde. Die Feldherrnhalle war von Ludwig I. als bayerisches Nationaldenkmal gedacht. Wie auch die Ruhmeshalle an der Theresienwiese, die Walhalla bei Regensburg und die Befreiungshalle in Kelheim. Unter der Konstruktion der Feldherrnhalle befindet sich übrigens ein Gewölbekeller, in dem bis vor einigen Jahren ein Lokal untergebracht war. Die Räume sollen nun originalgetreu wiederhergerichtet werden - nicht als Gastraum, sondern für Lagerzwecke.

Die Feldherrnhalle ist auch ein wichtiger Schauplatz der deutschen Geschichte: Vor dem Bauwerk scheiterte am 9. November 1923 der Hitlerputsch. Die Landespolizei stoppte dort einen Aufmarsch der Nationalsozialisten, die versucht hatten, die Macht an sich zu reißen. Mehrere Putschisten sowie vier Polizeibeamte und ein Unbeteiligter kamen ums Laben. Die verstorbenen Nazi-Mittäter wurden nach der tatsächlichen Machtergreifung Hitlers zu Helden verklärt. Ihnen waren die sogenannten Ehrentempel am Königsplatz gewidmet, die 1947 gesprengt wurden.

© SZ vom 07.11.2020/van/syn
Zur SZ-Startseite

SZ PlusFehlende Denkmäler in München
:Platz für Heldinnen

Sie kämpften gegen die Nazis und für das Recht, zu wählen, als Schriftstellerinnen und Schauspielerinnen prägten sie die Kultur: Im Stadtbild von München sucht man sie vergebens. Warum diese zwölf Frauen ein Denkmal verdient haben.

Von Luise Kinseher, Tanja Graf, Hildegard Kronawitter u.a.

Lesen Sie mehr zum Thema