Christian Lindner auf dem Marienplatz„Das ist der beste Deal, den es in diesem Wahlkampf gibt“

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Christian Lindner warb vor rund 300 Zuhörern auf dem Marienplatz um Wählerstimmen für die FDP.
Christian Lindner warb vor rund 300 Zuhörern auf dem Marienplatz um Wählerstimmen für die FDP. (Foto: Stephan Rumpf)

Vor rund 300 Menschen wirbt FDP-Chef Christian Lindner in München um Stimmen, die seine Partei dringend braucht, um die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen.

Von Joachim Mölter

Am Dienstagmittag schien die Sonne auf den Münchner Marienplatz, „wir haben uns um bestes Voralpenwetter gekümmert“, scherzte der hiesige FDP-Bundestagsabgeordnete Daniel Föst, als er auf der Bühne vor dem Rathaus seinen Parteichef Christian Lindner ankündigte. Den Mann, „der euch mehr Geld in den Taschen lassen will“, wie Föst launig hinzufügte.

Wie Lindner, der ehemalige Finanzminister der geplatzten Ampel-Regierung, dieses Versprechen künftig umzusetzen gedenkt, wollten nach Polizeiangaben rund 300 Menschen hören. Etwa 20 Gegendemonstranten mit Antifa-Fahnen wollten allerdings explizit nicht zuhören, sie riefen stattdessen immer wieder ihre eigenen Parolen dazwischen.

Lindner ließ sich davon freilich nicht stören. „Der gesamte linke Karneval ist bei jeder Veranstaltung der FDP da“, ließ er sein Münchner Publikum wissen. Ihn stachele das bloß an. „Ich würde sie vermissen“, sagte er sogar: „Ich bräuchte länger, um auf Betriebstemperatur zu kommen.“

Bei Celsius-Graden um den Gefrierpunkt hatte sich Lindner schnell warm geredet. Fünf Tage vor der Bundestagswahl bleibt auch nicht mehr viel Zeit, die noch unentschlossenen Wahlberechtigten davon zu überzeugen, für die FDP zu votieren. Die Partei kämpft noch, um über die Fünf-Prozent-Hürde und damit erneut in den Bundestag zu kommen. Einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Forsa-Instituts zufolge hat sie die Marke erstmals seit Langem wieder erreicht; andere Meinungsforscher sahen sie zuletzt noch nicht so weit.

Lindner nutzte die positive Forsa-Umfrage sogleich, um den Wert einer Stimme für die FDP zu beschwören: Eine Stimme, die dazu führe, dass seine Partei von 4,999 Prozent auf 5,0 steige, verändere die ganze Republik, rechnete er vor: „Das ist der beste Deal, den es in diesem Wahlkampf gibt.“ Ob andere Parteien am Sonntag eine Stimme mehr oder weniger bekämen, gebe jedenfalls nicht den Ausschlag. „Keine Stimme kann mehr bewegen als eine Stimme für die FDP“, pflichtete die bayerische Landesvorsitzende Katja Hessel später bei.

Warum ausgerechnet die Präsenz der Freien Demokraten im nächsten Bundestag entscheidend für die Zukunft des Landes sein soll, erklärte Lindner ganz simpel: „Wir wollen eine Regierung, eine Politik ohne die Grünen.“ Die seien hauptverantwortlich für die schlechte Wirtschaftslage in Deutschland, so Lindner weiter, und deren weitere Regierungsbeteiligung sei nur zu verhindern, wenn die Freien Demokraten im Parlament sitzen: Dann sei eine schwarz-grüne Mehrheit rechnerisch nicht möglich.

Lindner rechnete allerhand vor an diesem Nachmittag – Schuldenbremse, Wirtschaftswachstum, Bürokratieabbau. Vor allem aber rechnete er mit den einstigen Regierungspartnern SPD und Grünen ab. Dabei verteidigte er auch das Votum der FDP-Abgeordneten zugunsten der von der Union im Bundestag eingebrachten Verschärfung des Migrationsrechts. Weil CDU/CSU dabei die Unterstützung durch die AfD in Kauf genommen hatten, hatte es bundesweit Proteste und Demonstrationen gegeben. „Der Skandal ist nicht, dass die AfD einem richtigen Vorschlag zugestimmt hat“, fand Lindner, „sondern dass SPD und Grüne es nicht getan haben.“

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