Spötter mögen ja behaupten, dass der Münchner Fasching nichts anderes ist als ein willkommener Anlass, sich hemmungslos mit Krapfen vollzustopfen. Und dann gibt es da noch die anderen, die jedes Jahr wieder die Gaudifahne vor sich hertragen und dem Fasching Leben verleihen.
Am Sonntag haben die Damischen Ritter wieder ihren traditionellen Faschingsumzug abhalten dürfen, nachdem er vergangenes Jahr wegen des tödlichen Anschlags auf eine Verdi-Demo ausfallen musste. „Die Stimmung ist bestens, das Wetter ist bestens“, freut sich zum Beispiel André Hartmann. Er ist als Herzog Kasimir dem eigenen Bekunden nach die Galionsfigur des Umzugs, die mit einem riesigen Schwert auf einem weißen Pferd im Wagen der Damischen Ritter thront.
Unzählige Narren, m/w/d, sind an diesem relativ warmen Nachmittag am Start. Gleich hinter den Damischen Rittern folgt die Faschingsgesellschaft Narrhalla mit dem Prinzenpaar Stephan I. und Samantha I., weiter im Zug folgen Faschingsgesellschaften aus dem Umland. Die Wagen sind teils sehr fantasievoll gestaltet, man sieht die Zauberer und Hexen aus den Harry-Potter-Filmen, Zebras, Zirkusartisten und was der Kostümfundus sonst noch so hergibt. Den Straßenrand im Zentrum säumen Tausende Zuschauer, von denen die meisten allerdings nicht verkleidet sind. Immerhin sieht man vereinzelte Pumuckls, Bienen, Cowgirls, Teufelchen und einfach Menschen, die sich als minimales Zugeständnis an die narrische Zeit eine lustige Perücke aufgesetzt haben.
Die Teilnehmer des Umzugs, der sich pünktlich um 13.13 Uhr in Bewegung setzt, haben sich mal mehr, mal weniger Mühe mit der Verkleidung gegeben. Man sieht viele aus der Stadtpolitik im Gaudiwurm. Die Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) etwa, die auf dem Wagen der Damischen Ritter mitfährt, gibt das Burgfräulein, FDP-Fraktionschef im Stadtrat Jörg Hoffmann geht als Ritter, ÖDP-Fraktionschef Tobias Ruff bevorzugt ein Münchner-Kindl-Outfit. Der Oberbürgermeisterkandidat der CSU, Clemens Baumgärtner, belässt es bei einem gelben Baustellenhelm. Die Baustellen sind eines seiner Hauptthemen im Wahlkampf. Entsprechend ist auch der Wagen der CSU gestaltet, Baumgärtner wird als „Baustellenschreck“ inszeniert, die anderen auf dem CSU-Wagen sind auch als Bauarbeiter unterwegs.


Die Politik darf bei einem Faschingsumzug eben nicht fehlen, auch andere Parteien präsentieren ihre Themen. Die SPD hat einen großen Doppeldeckerbus für Stadtrundfahrten zum Gaudi-Mobil umgemodelt, vorne drauf prangt ein Plakat mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als Dagobert Duck, den die Panzerknacker auffordern: „Markus rück die Kohle raus“. Die ÖDP lässt überdimensionierte Monopoly-Spielsteinchen von einem Unimog ziehen, ihre Botschaft lautet „Kein Monopoly in München“. Die Grünen sind mit Lastenrädern unterwegs und gehen als unbeugsames gallisches Dorf im von der CSU besetzten Bayern. Unter anderem mit dabei: Zweiter Bürgermeister Dominik Krause als Asterix und Grünen-Fraktionschefin Mona Fuchs als Obelix.

50 Wagen und Zuggruppen bilden den Umzug der Damischen Ritter, von den Wagen dröhnt laute Party-Musik, das Motto lautet „Der Zug hat keine Grenzen“. Es soll, teilt die Stadt offiziell mit, den verbindenden Charakter des Faschings verdeutlichen und dafür stehen, dass sich der Fasching nicht aufhalten oder einengen lasse. Um die Bühne am Marienplatz haben sich ebenfalls viele Narren versammelt, die geduldig auf den Einzug der Wagen warten.
Bis alle Gruppen die Route von der Frauenstraße, vorbei an der Schrannenhalle und übers Altheimer Eck durch die Fußgängerzone zum Marienplatz hinter sich haben, vergeht einige Zeit. Die vertreiben sich die Leute, indem sie zu alten Schlagern von der Bühnenanlage schunkeln. Von ausgelassener Stimmung zu sprechen, wäre aber übertrieben. Unter dem Marienplatz, im Zwischengeschoss des S-Bahn- und U-Bahnhofs, staut es sich vor der Bäckerei Rischart ebenfalls. Dort gibt es, wie soll es im Fasching auch anders sein, Krapfen in diversen Varianten.

