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Tanz der Marktweiber:Der inoffizielle Höhepunkt des Faschings

Annemarie Doll (links) und Monika Schneider freuen sich auf den Tanz der Marktweiber.

Annemarie Doll (links) und Monika Schneider freuen sich auf den Tanz. Aufregung spüren sie keine, sagen sie. Und wenn dann doch eine den Tanzschritt vergisst, gilt die Devise "Lächeln und drehen!"

(Foto: Florian Peljak)

So wird der Tanz auf dem Viktualienmarkt auch genannt. Anfangs wurde er abgehalten, um das Image der als grantig beschriebenen Marktfrauen aufzubessern. Heute granteln eher andere.

Eigentlich haben Annemarie Doll und Monika Schneider gar keine Zeit für ein Interview. Zwischen Tür und Angel trifft man die beiden Marktweiber auf dem Viktualienmarkt, aus Biertischen wird gerade eine Bar gebaut. Am Nachmittag vor dem Faschingsdienstag laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, zwischendrin reicht eine Frau Sektgläser. Doll und Schneider greifen zu, stoßen an, lachen und plaudern drauf los. Zum Sitzen fehlt die Ruhe, doch das entspricht wohl auch nicht dem Naturell eines Marktweibes. Tanzen schon eher.

Die ehemalige Bäckerin Annemarie Doll steht dieses Jahr das 13. Mal als Marktweib auf der Bühne. Monika Schneider von der Käserei Caseus tanzt seit 2012 mit. Insgesamt besteht die Gruppe derzeit aus zehn Frauen, für die große Show proben sie seit Oktober. Anfangs einmal in der Woche, seit Monatsbeginn sogar montags und dienstags. Unter den einstudierten Tänzen sei "für jede Altersgruppe was dabei", sagt Doll. Ein paar Lieder verraten die beiden schon vorab: Man dürfe sich etwa auf "Mambo No. 5", "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" und "Little Help" von The BossHoss freuen. Gestartet wird, wie jedes Jahr, mit Weiß Ferdls "Linie 8".

Der Tanz der Marktweiber gilt als offizieller Höhepunkt des Münchner Faschings. Zahlreiche Besucher kommen jedes Jahr in die Landeshauptstadt, um am Faschingstreiben teilzunehmen und die Frauen in ihren kunterbunten Kleidern tanzen zu sehen. Im vergangenen Jahr versammelten sich Schätzungen der Polizei zufolge etwa 10 000 Zuschauer am Viktualienmarkt. Den Tanz, wie man ihn heute kennt, gibt es in dieser Form seit 33 Jahren. Doch die Tradition reicht etwa hundert Jahre zurück. "Früher hieß es immer, die Marktweiber seien so grantig", erzählt Doll. Um dieses Image aufzubessern, hätten die Frauen also begonnen, am Faschingsdienstag vor ihren Marktständen zu tanzen.

Grant und Neid unter den Marktleuten sei mit den Jahren zwar weniger geworden, komme aber auch heute noch vor, meinen Doll und Schneider. "Und manchmal können einen schon auch die Leute grantig machen, wenn's ned mal Grüß Gott sagen", sagt Schneider. Tanzen dürfte helfen: Die Marktweiber sind zusammengewachsen, fahren sogar jedes Jahr auf Kurzurlaub. In Wien, Barcelona und Istanbul etwa waren sie schon zusammen.

Nicht zuletzt wegen der Proben sind Doll und Schneider jedenfalls froh, dass der diesjährige Tanz nicht abgesagt wurde - wie es bei den Feierlichkeiten am Unsinnigen Donnerstag der Fall war. Nach den Ereignissen in Hanau mit elf Toten kündigte OB Dieter Reiter (SPD) zudem an, nicht am Tanz der Marktweiber teilzunehmen. Der Auftritt von Doll, Schneider und ihren Mitstreiterinnen startet trotzdem in gewohnter Manier um 11 Uhr.

Für die Tänzerinnen beginnt der Tag in den frühen Morgenstunden. Die bunten Kleider werden aus den Schränken geholt, man trifft sich im Pfarrsaal der Heilig-Geist-Kirche. "Dann gibt's erst mal einen Schnaps", sagt Doll. Aufgeregt seien sie beide nicht, sagen Schneider und Doll. Sollte man beim Auftritt einen Tanzschritt vermasseln und nicht mehr weiterwissen, laute die klare Devise: "Lächeln und drehen!"

© SZ vom 25.02.2020/flud
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