Fasching:Krönung auf dem Marienplatz

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Sind das neue Narrhalla-Prinzenpaar: Ulrike und Steve. (Foto: Leonhard Simon)

Mit Wurstsemmelgeruch und einem Tusch: In feierlicher Atmosphäre werden die Faschingsprinzenpaare gekrönt. Dabei hätte es fast kein Happy End zwischen Ulrike I. und Steve I. gegeben.

Von Julia Schriever

Die Sache mit der höflichen Notlüge hat das junge Prinzenpaar schon mal drauf. Ein kleines Mädchen ist mit seinem Vater zur Absperrung gekommen, so nah wie möglich an Prinz Levi I. und Prinzessin Paula I. heran. Das Mädchen hat ein Bild von ihnen gemalt, darauf zwei Mondgesichter, knubbelige Körper, ein Prinzenpaar mit nur wenig Haaren. "Wow", ruft Prinzessin Paula, "das ist richtig schön." Prinz Levi schaut, als hätte er eben Rammstein-Tickets geschenkt bekommen, und sagt: "Vielen, vielen Dank."

Seit diesem Samstag gibt es neue Faschings-Prinzenpaare in München. Die Faschingsgesellschaft Narrhalla, die es nun schon seit 130 Jahren gibt, hat eine Bühne auf dem Marienplatz aufstellen lassen und eine Wiesnband eingeladen, es weht ein leichter Wurstsemmelgeruch über den Platz. In dieser feierlichen Atmosphäre findet die Krönungszeremonie statt. Paula Piendl, 16, und Levi Kirner, 17, sind das neue Narrhalla Jugendprinzenpaar. Ulrike Westenrieder, 58, und Steve Henze, 45, werden zum offiziellen Faschingsprinzenpaar der Landeshauptstadt München gekrönt. Außer königsblauen Umhängen, Zepter, Ring und Krönchen bekommen sie gleich noch den rund einen Meter langen Stadtschlüssel von Münchens Dritter Bürgermeisterin Verena Dietl überreicht. Ein Tusch.

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Prinz Steve I. ist ein bisschen aufgeregt bei seiner Antrittsrede. Er ist in Sachsen-Anhalt geboren, arbeitet seit zwanzig Jahren in München bei BMW, normalerweise hält er Arbeitssicherheits-Schulungen, keine königlichen Reden. "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", zitiert er Hermann Hesse. Dabei hätte es den Anfang fast nicht gegeben. Als Ulrike Westenrieder ihn im Herbst fragte, ob er ihr Prinz sein will, sagte er erst mal nein. Ihm schien der Aufwand zu viel. Ein Faschingsprinzenpaar hat rund 150 Termine zwischen Krönung und Aschermittwoch am 22. Februar. Schunkelmesse, Ball-Soirée, Autogrammkarten schreiben, dem Volk zuwinken.

Ulrike Westenrieder ist Physiotherapeutin, sie gibt nicht so schnell auf. Sie fragte drei weitere Kandidaten, alle drei zierten sich. Der 11. November, Faschingsbeginn, stand kurz bevor, da rief Steve Henze sie wieder an. Er hatte es sich anders überlegt. So kam es zum Happy End. Das Prinzenpaar ist jetzt mit allem ziemlich spät dran. Die Kostüme, die Musikauswahl, die Choreographien für ihre Tänze - alles wird erst ganz knapp fertig. Prinzessin Ulrike sagt in ihrer Antrittsrede, sie fühle sich wie bei "Plötzlich Prinz und Prinzessin." Und Prinz Steve sagt: "Ich glaub', diese Chance bekommt man nur einmal im Leben."

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