Auf einen Narrenruf konnte sich der Münchner Fasching bisher nicht einigen. Außer dem dominierenden „Helau“ der herrschenden Feiergesellschaft Narrhalla hört man Exil-Narren aus Köln sich verschwörerisch mit „Alaaf“ grüßen, und die Damischen Ritter waren schon immer etwas eigen, die rufen im schönen Münchner Grant „O mei o mei o mei“. Aber jetzt haben sie alle zumindest ein gemeinsames Motto: „Mia san Fasching“. Das gibt es samt Kasperl-Logo auf Schals, Pins sowie auf einer neuen Internetseite fasching-muenchen.de und einem übersichtlichen Faltblatt mit Dutzenden Faschingsterminen samt Stadtplan.
Das Miteinander geht aber weiter, denn mehr als je zuvor halten die Faschingsgesellschaften, die Verwaltung und die Behörden zusammen, auch vor dem Hintergrund der traurigen Absage im vorigen Jahr. Wirtschaftsreferent Alex Scharpf sieht nun aber wieder eine steil ansteigende Stimmungskurve, der Münchner Fasching sei ein Kulturgut wie Starkbierzeit und Oktoberfest – und das sagt der Wiesnchef! Die Stadt jedenfalls unterstützt die Vereine tatkräftig und finanziell gerade beim zentralen Innenstadtfasching „München narrisch“, beim „Tanz der Marktweiber“ am Viktualienmarkt und beim Faschingsumzug. Den richten zum 19. Mal wieder die Damischen Ritter aus, sie bekommen aber dabei erstmals Stimmungshilfe vom Hofstaat der Narrhalla. Im besten Sinne also: „Mia san Fasching“.
Die Faschings-Umzüge

Die Damischen Ritter können heuer wieder lachen: Sie können sich auf ihre Rösser und Prunkwagen schwingen und durch die Stadt ziehen. Vor einem Jahr mussten sie ihren Faschingsumzug nach dem Anschlag auf eine Verdi-Demonstration in München absagen, aus Sicherheitsbedenken und weil man damals „nicht unbeschwert feiern“ konnte und wollte.
Umso mehr freut sich die Faschingsgesellschaft auf die 19. Runde ihrer Parade mit mehr als 1000 Teilnehmern am Sonntag, 8. Februar, 13.13 Uhr, eine Woche vor dem Faschingsfinale. Die ganze Strecke ist von Polizei, Security und Sperren sicher nach außen abgeriegelt, heißt es. Das widerspricht nur scheinbar dem Motto: „Der Zug hat keine Grenzen“. Fachleute werden die Anspielung auf den Song der Ballermann-Eminenzen Mia Julia, Lorenz Büffel und Malle Anja kennen: „Der Zug hat keine Bremse“. Wobei bei den Party-Sängern der Zug am Bierglas gemeint ist. Bei der Münchner Faschingsparade stehen aber zum Glück die Kostüme, der Tanz, die Musik und das Miteinander im Mittelpunkt: „ein Fest der Fantasie, des Humors und der grenzenlosen Freude“. Die rüstigen Ritter und Burgfrauen, Laufgruppen und 50 Wagen werden mit viel Tamtam von der Frauenstraße aus einmal um die Schrannenhalle und in die Fußgängerzone ziehen und dabei 1,2 Tonnen Süßigkeiten auf die Straße und die Schaulustigen „prasseln lassen“.
Am Marienplatz endet der Zug, aber es ist nicht das Ende: Die Kolleginnen und Kollegen von der Narrhalla, die dort schon von 10.30 Uhr an warten, übernehmen dann das Stimmungszepter: Jeder Wagen wird begrüßt und vorgestellt, es gibt Musik, Tanz, Show und „närrische Beiträge“ bis 18.30 Uhr.
Auch die Damischen Ritter nennen ihren Umzug zwar „Gaudiwurm“, aber: Den Original-Gaudiwurm macht die Feringa. Der Oberföhringer Verein stellt nicht nur seit 1978 einen kompletten eigenen Narrenstaat samt Hoheiten, Garde, Kinderpaar, Show-Training, Weiberfasching (12.2., Motto: „Flower Power“) und „Gor is“-Kehraus (17.2.), sondern eben auch einen eigenen Faschingsumzug: den „Gaudiwurm“. Dieser startet traditionell am Faschingssonntag beim Maibaum in Johanneskirchen und schlängelt sich mit Lauftruppen und bunten Wägelchen bis zum bunten Treiben im Bürgerpark.
19. Münchner Faschingsumzug, Sonntag, 8. Februar, Start 13.13 Uhr an der Frauenstraße, Party am Marienplatz bis 18.30 Uhr, www.damischeritter.de; Gaudiwurm, Sonntag, 15. Februar, 13 Uhr, Johanneskirchen bis Bürgerpark Oberföhring, faschingsgesellschaft-feringa.de
Freiluftfasching in der Innenstadt

Der Münchner Fasching ohne den Ballermann-Sänger Mickie Krause, geht denn das? Ja, das wird gehen, dessen ist sich Josef Rohrer vom Verein „München narrisch“ sicher. Der Verein organisiert den großen Fußgängerzonen-Fasching: „Drei Tage Ausnahmezustand in der Innenstadt“ sollen es auch heuer werden. Aber eben ohne den „Zehn nackte Frisösen“-Sänger und den einstigen Radio-Werbepartner. Das habe sich jahrelang bewährt, aber nun wolle man weg von den punktuellen Ballermann-Konzerten und den Trubel zeitlich und örtlich mehr verteilen. Stimmung soll es freilich auch geben, aber die machen außer diversen Garden und Tanzgruppen täglich von 12 Uhr an nun mehr regionale Party-Bands wie die Cagey Strings (Sonntag, 14.15 bis 18.30 am Marienplatz, bekannt aus dem Hacker-Wiesnzelt), Just Duty Free, Högl Fun Band (beide am Dienstag) und diverse DJs auf den Bühnen am Stachus und am Marienplatz. Die zur Maskerade aufgeforderten Gäste werden an diversen Standln gut versorgt: „von Bratwurst bis Schaschlik bis Prosecco und Cocktails“.
Das wilde Treiben ist nicht auf die Fußgängerzone beschränkt: Schon traditionell wird auch vor dem Hotel Deutsche Eiche (und darin, wo einst Freddie Mercury gern saunierte) auf der Reichenbachstraße gefeiert, an diesem Faschingsdienstag von 14 Uhr an mit Drag-Queen-Show.
Der Fasching in München ist eh nicht zentralistisch organisiert, die vielen Gilden feiern auch Open Air in den Stadtvierteln. Der Laimer Faschingsclub organisiert auf dem Laimer Anger am Samstag, 14. Februar, sein 22. Faschingstreiben mit vielen Gastgarden. Der Faschingsclub Neuhausen-Nymphenburg lädt gleich dreimal zum „bunten Faschingstreiben“ am Rotkreuzplatz, mit Musik, Shows und Kindererlebniswelt (15. bis 17. Februar, 11 bis 17 Uhr). Kehraus ist am Faschingsdienstag ab 19.30 Uhr im Hirschgarten und im Neuhauser Trafo.
München narrisch, Neuhauser Straße und Kaufingerstraße, Faschingssonntag, 15. Februar, 10.30 Uhr, bis Faschingsdienstag, 17. Februar, 19 Uhr
Tanz der Marktfrauen am Viktualienmarkt

Fasching lebt von seinen Ritualen. Das schönste und daher am meisten bejubelte in München ist der „Tanz der Markfrauen“ zum Höhepunkt des Narrentreibens. Der Legende nach tanzten die Verkäuferinnen bereits vor 100 Jahren zwischen ihren Ständen umher, um ihren legendär unfreundlichen Ruf aufzupolieren. Es hat wohl gewirkt, die Stadt liebt ihre Standlverkäuferinnen, auf jeden Fall am Faschingsdienstag. Diesmal wird es wohl besonders rührig, denn fünf Tänzerinnen (und ihr Tanzlehrer) treten zum letzten Mal aufs Podium, darunter eine, die seit 40 Jahren dabei war.
Das Narrenvolk wärmt sich am Dienstag, 17. Februar, schon von 9.30 Uhr mit Musik aus der Konserve und Essen und Trinken von den Marktständen vor (eigene Getränke sind nicht erwünscht, Glasflaschen sogar verboten). Meist ist der Platz längst überfüllt, wenn die Marktfrauen um 11 Uhr mit dem – grantelnden – Klassiker „Linie 8“ vom Weiß Ferdl loslegen und weitere lange geprobte Tänze zeigen – übrigens immer so kostümiert, dass man erkennt, ob sie sonst Fleisch, Semmeln, Blumen oder Gemüse verkaufen.
Das Programm ist immer eine Überraschung. Ein bisschen was davon zeigen die tanzenden Marketenderinnen allerdings schon am Unsinnigen Donnerstag beim „Fasching mit Herz“ mit Garden, Bands und schunkeliger Musik im Biergarten des Viktualienmarktes. (14 bis 20 Uhr).
Tanz der Marktweiber, Faschingsdienstag, 17. Februar, ab 9.30 Uhr, Viktualienmarkt, Musik und Feier an den Ständen bis 19 Uhr
Wirtshaus-Fasching

Zum Kehraus und Aufwärmen von der Kälte schwärmen die Münchner Narren dann vom Viktualienmarkt und der Fußgängerzone traditionell zu umliegenden Lokalen (und deren Toiletten) aus. Was bisher eher unorganisiert geschah, hat nun durch den Gaststättenverband Dehoga und die Innenstadtwirte eine neue Ordnung und einen Namen bekommen: „Wirtshaus-Fasching“, in Anlehnung an die bereits etablierte „Wirtshaus-Wiesn“. Wie beim Monaco Franze („Es gibt Sachen im Leben und besonders im Fasching, die, wenn man’s nicht selber erlebt hat, glaubt man’s fast selbst nicht“) soll es zum Kehraus zugehen an diesen Orten: Weißes Bräuhaus im Tal, Augustiner am Platzl, Hofbräuhaus, Zum Franziskaner, Restaurant Donisl, Andechser am Dom, Augustiner Klosterwirt, Augustiner Stammhaus, Hackerhaus, Schlagerbar Roy und Der Pschorr (Partykeller Alice). Die größte Narretei haben sich die Wirte schon vorher ausgedacht: den neuen Weißwurst-Krapfen.
Münchens „wohl älteste und kultigste Kehrausparty“ darf sich aber wohl zu Recht der Kehraus im Café des Muffatwerkes nennen. Von 17 Uhr an und bei freiem Eintritt legen die „Faschinx“-Stadtcafé-Legende DJ Christos und seine Optimal-Records-Kollegin Jasmin geschmackvoll auf: Disco, Soul, Funk, Hip-Hop, Indie, Electronica, Reggae, Latin und Brasil. Garantiert ohne Ballermann-Hits und „Krapfen-Wettbewerbe“.
Studenten-Fasching

Die Münchner Studierenden sind nach all der Büffelei stets eine Bank beim Faschingsfeiern. Viele haben große Lust auf Feste, sogar eine „Olympialust“, und das seit fast 50 Jahren. Im Olympiadorf wird es zwar heuer in der Bierstube etwas kuschelig eng, aber dafür geht es zum Motto „Amor“ besonders heiß zur Sache, fällt der Faschingssamstag, 14. Februar, doch auf den Valentinstag. Auch am Freitag davor wird wild geflirtet mit Ampel-Spielchen, Live-Acts und DJs.
Berüchtigt sind vor allem die Feste in den Studenten-Wohnheimen, ganz besonders im Biedersteiner an der Biedersteiner Straße. Hier gibt es seit 60 Jahren die krassesten Bands, die irrsten Kostümen und die billigsten Drinks. Schon am Samstag, 7. Februar, wird in den Keller-Katakomben gefeiert. Am 12. Februar folgt der Atriums-Fasching. Am Samstag, 14. Februar, muss man sich entscheiden: Da wird parallel, aber eintrittsmäßig getrennt in Keller und Atrium durchgemacht. Für Karten muss man sich nicht mehr tagsüber stundenlang anstellen, wer Glück hat, wird noch beim Vorverkauf im Internet fündig.
Auch die „Weißen Feste“ gehen auf die akademische Feierlust zurück. Kunststudenten erfanden sie schon in den Sechzigern für eine Semesterarbeit zum Motto „Antarktis“ – seitdem treibt man es bunt in toller weißer Kulisse und in schneeweißen Kostümen (sogar Rod Stewart soll einmal dagewesen sein). Inzwischen ist man im Café Reitschule zu Hause – „mit zweiter Tanzfläche und zweiter Musikrichtung“ (die letzten der insgesamt acht Feste: 6., 7., 12., 13., 14., 16. Februar).
Wilde Kostüm-Partys

Münchens Fasching versteckt sich ein wenig in zum Teil ehrwürdigen Kulturinstitutionen. Man kann also zufällig auf der Straße entdeckten Menschen mit Hasenohren oder Clownsnasen nachschleichen, oder man weiß, wo man sich wann einzufinden hat. Zum Beispiel im Bayerischen Nationalmuseum. Das kann ja nur verstaubt sein? Weit gefehlt, hier im Schatzhaus hinter der Eisbachwelle steigen erfahrungsgemäß rauschende Feste. Zum diesjährigen Motto „Buntes Mittelalter“ soll „das Glühwürmchen mit dem strahlenden Burgfräulein“ tanzen, sollen sich die bunten Blitze der Diskokugel im Harnisch des glorreichen Ritters spiegeln. Mit Videokunst von Kalle Laar, Minnegesang, Hexentanz, Kurzführungen durch die Sammlungen und wilden Beats vom DJ und Speisen und Drinks an der Camatti Bar (6.2.).
Beim „Gauklerball“ im Künstlerhaus am Lenbachplatz gibt es zum 25. Mal wieder die fantasievollsten Kostüme zu bestaunen, diesmal zum Thema „1001 Nacht“ (7.2.).
Der meist bespielte Ballsaal der Stadt ist das Deutsche Theater. Hier schwebt man nicht nur bei feinen Schwarz-Weiß-Bällen übers Parkett, einige Partys eskalieren durchaus. Etwa der „089 Kult“ am Rosenmontag. Ein Faschingsfest, das dem Charly aus den „Münchner Geschichten“ gefallen hätte. Es braucht also wieder Münchner Originale, und so wird die Spider Murphy Gang ihre Hits wie „Schickeria“ abfeuern. „Isarindianer“ Willy Michl initiiert mit dem „Bobfahrerlied“ ein altes Disco-Ritual (man sitzt dazu auf dem Hosenboden eng hintereinander am Parkett), und Stadtrat Roland Hefter macht mit seinen Isarriders genauso Stimmung wie die Cagey Strings und die einstigen Atomic-Café-Soulkasperl Los Poppos (16.2.).
Sehr Münchnerisch und etwas liederlich soll es auch im ehemaligen Kult-Disco Sugar Shack zugehen, wo seit einer Weile die Iberl Bühne bayerisches Theater spielt. Sie lädt ein zum „Bayerischen Schlamperl und Stenzn-Ball“ (15.2.).
Selbst die Kulturbastion Muffatwerk verwandelt sich in allen drei Sälen zur Faschingshochburg: Radio Gong bittet hier zum „Ü30 Fasching“ mit der legendären Partyband Gerry & Gary with their Used Underwear, mit „Classic Hip-Hop“ im Ampere und House im Muffatcafé (14.2., 20 Uhr).
Und dass Münchens größte und älteste Faschingsgilde, die Narrhalla, nicht nur Orden verleihen und Garde tanzen kann, zeigt sie bei ihren wilden Festen. Zum Beispiel beim „legendären Schlagerfasching“ im Alten Hackerhaus, das inklusive der Bar Roy mit den Hits der Sechziger bis Neunziger beschallt wird. Die Auslese übernimmt Udo Jürgens wahrer Sohn DJ John Munich (12. Februar, 18 bis 5 Uhr).
Der legt auch bei den „Monaco Nights“ auf, die zwar nur eine Nacht sind, aber sich selbstbewusst „die größte Faschingsparty der Stadt“ nennen. Kurz bevor hier bei der Sicherheitskonferenz der Ernst der Weltlage diskutiert wird, macht man den Festsaal des Hotels Bayerischer Hof zur Disco (6. 2. 19.30 Uhr).
„Verkleidung erwünscht“ ist auch im Hofbräukeller-Keller. Radio Arabella prämiert hier bei seinem „Weiberfasching“ am Unsinnigen Donnerstag, 12. Februar, die ausgefallensten Gruppen- und Einzelkostüme – die Sieger können etwa an einem gewonnenen Tisch im Wiesnzelt weiterfeiern. Im Löwenbräukeller wird das „Narrenzelt“ aufgeschlagen (17.2.), im Königlichen Hirschgarten wird Weiberfastnacht (12.2.) und Rosenmontag (16.2.) gefeiert.
Wer Sehnsucht nach dem Kölner Karneval hat, wird in einigen Clubs bedient: Die Reihe „Kölner Abend“ feiert im Neuraum Rosenmontag und im Sweet Club Faschingsdienstag. Die „Legendären Ü16 -Schülerpartys“ wiederum haben „Bock auf Fasching“ und rufen im P1 am Sonntag, 15. Februar, trotzdem „Kölle Alaaf“ (Sonntag, 15.2.).
Diesen Titel möchte bestimmt der „Queere Rosenmontagsball“ mit seiner Drag-Show im Oberangertheater streitig machen. Das Motto diesmal: „Zauberwelt im Zirkuszelt“. Also „rein in die Strapse“ und das „(künstliche) Löwenfell übergeschmissen“ – die besten Kostüme werden prämiert (16.2.).
Queer und feierfroh – das gibt es das ganze Jahr über in der Prosecco Bar (Theklastraße 1), an Fasching aber fast eine Woche durchgehend von 11. Februar bis zum Kehraus. Höhepunkte sind die neue Party „Narrhalla, die Waldfee!“ mit DJ Paul Paillette (13.2.) und der „POPasching“ (14.2.).

