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Gut 200 Wohnungen geplant:Stadt entwickelt Wohngebiet im Fasangarten nun alleine

Fasangarten Quartier

Im Fasangarten sollen Hunderte Wohnungen entstehen.

(Foto: Claus Schunk)
  • Die Stadt kauft Grundstücksflächen im Fasangarten von einem Investor.
  • Die Planungs- und Genehmigungsverfahren hatten ihm offenbar zu lange gedauert.
  • Nun will die Stadt das Areal entwickeln und dort mehr als 200 Wohnungen und eine Kindertagesstätte bauen.

Von Anna Hoben

Die Stadt erwirbt für 33 Millionen Euro Grundstücksflächen im Stadtteil Fasangarten, um dort Wohnungen zu bauen. Das hat der Kommunalausschuss im Stadtrat beschlossen. Der Investor MP, der das Areal ursprünglich entwickeln wollte, hat das Projekt aufgegeben und seine Flächen der Stadt zum Kauf angeboten. Die Planungs- und Genehmigungsverfahren hatten ihm offenbar schlicht zu lange gedauert. Zusätzlich hatte das Engagement von Wachstumskritikern und Anwohnern gegen das Projekt Schwierigkeiten gemacht.

Auf dem insgesamt 3,8 Hektar großen Areal zwischen Münchberger und Kronacher Straße, Salzburger Autobahn und Fasangartenstraße sollen in einigen Jahren 228 Wohnungen und eine Kindertagesstätte entstehen. Gut ein Viertel der Flächen gehört bereits der Stadt, knapp drei Viertel hält die MP, eine Projektgesellschaft der Optima-Aegidius Gruppe und der IKR Kuschel Unternehmensgruppe. Bislang hatten Stadt und Investor das Areal gemeinsam entwickelt, um es jeweils anteilig zu bebauen. Für die Stadt sollte dies die eigene Wohnungsbaugesellschaft Gewofag tun. Doch bis tatsächlich gebaut werden kann, dauert es.

Das Gebiet teilt sich in zwei Teile auf. Im Westen sollen sieben polygonale drei- bis viergeschossige Punkthäuser entstehen, im Osten soll es entlang der Autobahn und der Bahnlinie eine Lärmschutzriegelbebauung geben. Diese müsse zuerst entwickelt werden, und "aufgrund der erforderlichen Planungs- und Entwicklungszeiten der Gewofag unter Einhaltung des öffentlichen Vergaberechts" sei eine Realisierung voraussichtlich erst in fünf Jahren nach Satzungsbeschluss möglich, heißt es in der Stadtratsvorlage. Der Investor hätte gern schon früher losgelegt.

Gegner des Vorhabens hatten immer wieder behauptet, auf dem Areal würden bis zu 400 Wohnungen entstehen. Die Zahl stammte jedoch aus einem vorgeschalteten Gutachten, in dem Experten ausgelotet hatten, welche maximale Bebauung möglich sei - relevant ist indes allein der Entwurf des Bebauungsplans, den das Planungsreferat erarbeitet hat. Die Aufstellung des Plans und die Änderung des Flächennutzungsplans laufen bereits seit 2016. Nach vier Jahren soll nun demnächst alles dem Stadtrat zur Billigung vorgelegt werden. Ende dieses Jahres soll dann die Satzung beschlossen werden.

Die Planungsgegner haben sich in der Bürgerinitiative (BI) Münchberger Straße zusammengeschlossen. Sie bemängeln fehlenden Lärmschutz und fordern ein Verkehrskonzept. Mit anderen Gruppierungen haben sie sich zur wachstumskritischen sogenannten München-Liste für die Kommunalwahl zusammengeschlossen - Michael Melnitzki von der Bürgerinitiative kandidiert auf Platz vier. Es könne aus Sicht des Kommunalreferats nur schwer prognostiziert werden, inwiefern sich diese kritische Haltung der Nachbarschaft und des Bezirksausschusses zu dem Bebauungsplan ändert, wenn die Stadt oder eine städtische Tochtergesellschaft das gesamte Areal in der eigenen Hand hat, heißt es in der Stadtratsvorlage. Die Gewofag sieht als größtes Risiko signifikant erhöhte Baukosten und weitere Mehrkosten.

Die Abstimmung im Stadtrat fiel einstimmig - die Chance, das Gebiet selbst zu entwickeln, will sich die Stadt bei allen Risiken nicht entgehen lassen. Die Grünen hatten noch einen Änderungsantrag eingebracht, sie wollten das Thema in die nächste Vollversammlung vertagen, damit das Kommunalreferat den Preis nochmals nach unten verhandelt. Dies sei ohnehin schon geschehen, heißt es aus der Behörde; der Antrag, für den auch die SPD stimmte, fand dann auch keine Mehrheit. Der Kaufpreis liege mit 33 Millionen Euro etwa 2,26 Millionen Euro über dem ermittelten Wert - das sei aber im Rahmen des üblichen Spielraums von zehn Prozent, heißt es in der Vorlage.

© SZ vom 10.03.2020/vewo
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