In Hamburg-Altona soll eine Frau kürzlich von einem Wolf gebissen worden sein. Vielleicht wurde sie auch nur von einem Wolfspfoten-Hieb verletzt, so genau weiß das niemand. Außer dem Wolf vielleicht. Und der Frau. Eins steht aber fest: Canis lupus ist zurück; über die Rückkehr der Raubtiere wird seit Jahren gestritten. Den bösen Wolf kennt man aus Märchen, auch in Büchern oder Filmen ist er oft zum Fürchten.
Womit man auch schon bei den „Fantasy Filmfest Nights“ wäre: Dort kommen Wölfe ebenfalls schlecht weg, genauer gesagt im neuen Film des Brasilianers Karim Aïnouz. Dieser behauptet in „Rosebush Pruning“, dass eine von Pamela Anderson gespielte Frau von Wölfen zerfleischt worden sei. Vielleicht liefen sie auch vor ihr davon, so genau weiß man das nicht. Sicherheitshalber legt ihre Familie aber regelmäßig ein Opferlamm an den Tatort im Wald, damit die Mörderwölfe etwas anderes zu fressen haben.

„Rosebush Pruning“ ist ein satirischer Thriller mit Starbesetzung; neben Pamela Anderson sind Callum Turner, Jamie Bell und Riley Keough als ihre erwachsenen und völlig wohlstandsverwahrlosten Kinder zu sehen. Premiere des Films war im Februar bei der Berlinale, Ende April läuft er bundesweit in den Kinos an. Zuvor ist er noch als Preview beim Frühlingsableger des beliebten Genrefilm-Festivals zu sehen: Die „Fantasy Filmfest Nights“ touren wieder durch Deutschland, in München machen sie im City-Kino halt.
Die Welt ist aus den Fugen geraten, überall tun sich Krisen auf: Das liest man nicht nur täglich in der Zeitung, das erkennt man auch am Programm des Festivals. Genrefilmer registrieren gesellschaftliche Stimmungen oder Veränderungen eben genau. Viele Filme sind härter und verrückter geworden, sie spielen mit Ängsten, Paranoia und Weltuntergangsstimmung. Insgesamt 21 Produktionen stehen in München auf dem Programm, sie kommen aus Ländern wie Japan, Ungarn, Neuseeland, Finnland oder den USA.
Der Eröffnungsfilm „Obsession“ etwa greift das gestörte Verhältnis der Geschlechter auf: Ein Mann wünscht sich, dass sich seine Jugendliebe endlich in ihn verliebt. Dank eines magischen Wunsches macht sie das in diesem Horrorthriller auch – und zwar sehr viel intensiver und monströser, als ihm lieb sein kann. Mit bösen Folgen beschäftigt sich auch der US-Thriller „Appofeniacs“: Mithilfe einer KI lassen sich realistische Deepfake-Videos von Menschen sekundenschnell herstellen und im Internet verbreiten. Ein Mann nutzt diese Technik exzessiv und ahnt nicht, was er damit anrichtet.

Um einen jungen Mann, der verbotene Dinge tut und damit im Internet angibt, geht es auch im provokanten Gesellschafts-Thriller „Good Boy“: Ebenjener wird von einem Fremden entführt, im Keller dessen Hauses angekettet und regelrecht umerzogen. Der Film des Polen Jan Komasa kommt im Juni regulär ins Kino, in den Hauptrollen sind Stephen Graham und Andrea Riseborough zu sehen. Auf Stars wie Ben Kingsley oder Anthony Mackie setzt auch das actionreiche Wüstenspektakel „Desert Warrior“, das in Saudi-Arabien gedreht wurde und unglaubliche 150 Millionen Dollar gekostet haben soll.
Und dann wären da noch die besonders skurrilen Filme, die Fans des Festivals so sehr schätzen: In der neuseeländischen Body-Horror-Komödie „Mum, I’m Alien Pregnant“ ist der Titel Programm, im spanischen Vampir-Thriller „Silence“ beklagen sich Blutsaugerinnen über die schlechte Qualität des Lebenssaftes und im australischen Geisterfilm „Saccharine“ will eine Frau mit Diätpillen aus menschlicher Asche abnehmen. Leider schluckt sie auch den Geist der Toten, die ihr daraufhin das Leben zur Hölle machen. Ein gruseliger Kommentar auf den Körperoptimierungswahn unserer Zeit – und mit Sicherheit unterhaltsamer als jeglicher Alltagshorror.
Fantasy Filmfest Nights, Donnerstag, 23., bis Sonntag, 26. April, München, City, Sonnenstraße 12a

