Fantasy Filmfest in MünchenSchaurig-schöne Alternativen zum Mainstream-Kino

Lesezeit: 3 Min.

Gefangen im Albtraum: Julia Franz Richter im Thriller „Welcome Home Baby“ des österreichischen Regisseurs Andreas Prochaska.
Gefangen im Albtraum: Julia Franz Richter im Thriller „Welcome Home Baby“ des österreichischen Regisseurs Andreas Prochaska. (Foto: Wild Bunch Germany)

Nichts für schwache Nerven: Das Fantasy Filmfest lockt mit Hunde-Horror, Paranoia-Thrillern, Sci-Fi-Klassikern und schrägen Superhelden-Komödien.

Von Josef Grübl

Der wahre Horror lauert meist draußen. In diesem Fall ist es ein altes Landhaus in der Wildnis, es ist Nacht, es ist kalt, es regnet. Kein Wunder, dass Indy keine Lust darauf hat. Noch nicht mal aus dem Auto aussteigen will er: „Ach komm schon, so schlecht ist es auch wieder nicht“, sagt Todd, der am Steuer sitzt. Als er sich aus dem Wagen wuchtet und Richtung Veranda stapft, schaut Indy hinterher – und folgt ihm. Keine gute Idee.

Der US-Horrorthriller „Good Boy“ ist Eröffnungsfilm des Fantasy Filmfests 2025. Das Besondere an diesem Film des amerikanischen Regisseurs Ben Leonberg: Indy ist ein Hund. Genauer gesagt ist es sogar sein eigener Hund, ein Nova Scotia Duck Tolling Retriever. Die Geschichte wird ganz aus dem Blickwinkel des Tieres erzählt: Indy ist der Hauptdarsteller, er wird im Haus viel Angst haben und Geister sehen – sogar von anderen Hunden. Draußen ist es nicht viel besser: Der schwer kranke Todd geht zwar mit ihm spazieren, allerdings über einen Friedhof. Natürlich nachts, natürlich im strömenden Regen.

Drei Jahre lang dauerten die Dreharbeiten von „Good Boy“: Während dieser Zeit wohnte der Regisseur mit seiner Frau, die den Film produzierte, und Hund Indy auch in dem Haus in der Wildnis. Wer mit Tieren drehen will, braucht eben etwas mehr Ausdauer und muss viel trainieren.

Herausgekommen ist ein Horrorfilm, bei dem sich nicht nur der tierische Hauptdarsteller (scheinbar) gruselt. Und falls sich jemand Sorgen um den Hund machen sollte: Indy geht es wohl gut, beim „South by Southwest Film Festival“ im März dieses Jahres lief er im texanischen Austin über den Roten Teppich – und stahl allen anderen Anwesenden die Show.

Indy ist einer der Hauptdarsteller des US-Horrorthrillers „Good Boy“.
Indy ist einer der Hauptdarsteller des US-Horrorthrillers „Good Boy“. (Foto: DCM)

Insgesamt 38 Filme sind bei der 39. Ausgabe des Genrefilm-Festivals zu sehen, das eine treue Fangemeinde hat – sich dem Rest aber immer wieder neu erklären muss: „Fantasy steht hier nicht für Drachen, Feen und verwunschene Wälder, sondern für Fantasie, Innovation und Skurrilität“, beschreiben die Fantasy-Filmfest-Macher ihre durch Städte wie Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg oder München tourende Festivaltour.

Sie bieten ein Programm aus „atemlosen Thrillern, obskuren Sci-Fi-Träumereien, harten Horrorschockern und gefühlvollen Arthouse-Perlen“ an, das eine klare Alternative zum Superhelden-Action-Einerlei des Mainstreamkinos sein soll.

Einige der gezeigten Filme laufen als Previews, werden also in den kommenden Wochen oder Monaten auch regulär in den Kinos starten. Die meisten Filme sieht man aber danach kaum noch anderswo, zumindest nicht auf großer Leinwand. Wer es etwas heftiger mag oder Zombies, Werwölfe und andere Ungeheuer schätzt, ist hier genau richtig: Im australischen Horrorfilm „We bury the Dead“ bekommt es „Star Wars“-Heldin Daisy Ridley mit wandelnden und sehr aggressiven Leichen zu tun.

„We Bury The Dead“ mit Daisy Ridley.
„We Bury The Dead“ mit Daisy Ridley. (Foto: Neon)

Im lettischen Animationsfilm „Dog of God“ treffen ein Priester, eine Hexe und ein Werwolf aufeinander. Auf skurrile Paarungen trifft man auch in der Neuverfilmung des Achtzigerjahre-Action-Trash-Films „Deathstalker“: Hier kämpft ein Barbarenkrieger (gespielt vom Schweizer Stuntman und Schauspieler Daniel Bernhardt) mit einem Kobold gegen untote Armeen.

Fans des französischen Regie-Exzentrikers Quentin Dupieux (alias Mr. Oizo) dürfen sich auf dessen jüngsten Streich „The Piano Accident“ freuen: Darin zieht sich eine bekannte Influencerin (Adèle Exarchopoulos) nach einem Vorfall bei einem Videodreh in ein abgelegenes Chalet in den Bergen zurück, begleitet wird sie nur von ihrem Assistenten. Doch die beiden bleiben nicht lang allein, zwei Fans und ein Journalist folgen ihnen.

Beim Festival in Cannes lief der japanische Paranoia-Thriller „Exit 8“: Darin fährt ein Mann mit der U-Bahn und findet nicht mehr hinaus. Immer wieder entdeckt er das Schild zum titelgebenden Ausgang, immer verzweifelter läuft er endlose Gänge entlang – und kommt nirgendwo an. Der Film von Genki Kawamura ist eine Adaption des Videogames „The Exit 8“.

Wo ist der Exit? Szene aus dem japanischen Paranoia-Thriller „Exit 8“.
Wo ist der Exit? Szene aus dem japanischen Paranoia-Thriller „Exit 8“. (Foto: Plaion Pictures)

Auch für Fans deutschsprachigen Genre-Kinos ist etwas geboten: Der österreichische Regisseur Andreas Prochaska („Das finstere Tal“) meldet sich nach mehreren Fernseharbeiten mit dem Thriller „Welcome Home Baby“ im Kino zurück: Darin schickt er eine Berliner Notfallärztin (Julia Franz Richter) in ein Dorf in Niederösterreich, dort will sie das geerbte Elternhaus verkaufen. Doch die Menschen im Dorf wollen sie nicht mehr gehen lassen, der Gatte der Ärztin ist ebenfalls keine große Hilfe. Sie ist gefangen in einem Albtraum, Raum und Zeit lösen sich auf.

Das Münchner Fantasy Filmfest findet seit einigen Jahren im City-Kino statt, dieses Mal mit einer Ausnahme: Der 1965 entstandene Alien-Horror-Filmklassiker „Planet of the Vampires“ wird in der Volkssternwarte München aufgeführt, unter dem Motto „Science Fiction hinterfragt“ ist im Anschluss eine wissenschaftliche Diskussionsrunde eingeplant. Dabei soll geklärt werden, was an diesem Film des italienischen Regisseurs Mario Bava genau „Science“ und was „Fiction“ ist.

„Hi-Five“, ein Superhelden-Spaß aus Südkorea, läuft zum Abschluss.
„Hi-Five“, ein Superhelden-Spaß aus Südkorea, läuft zum Abschluss. (Foto: Ascot Elite)

Als Abschlussfilm läuft der südkoreanische Superhelden-Spaß „Hi-Five“: Darin erhalten fünf Krankenhauspatientinnen und -patienten durch Transplantationen Superkräfte. Mit ihren neuen Herzen, Lungen, Lebern oder Augenhornhäuten sind sie stärker als alle anderen.

Der Einstieg ist originell, der weitere Verlauf Superhelden-Standard: Auch hier lauert das Böse draußen, in Gestalt einer Sekte und deren Gott, der nichts weniger als die Weltherrschaft übernehmen will.

39. Fantasy Filmfest, Mittwoch, 10., bis Mittwoch, 17. September, City-Kino, München

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