Nichts ist hier putzig, flauschig. Nein, Leos Janáceks „Das schlaue Füchslein“ ist kein harmloses Opernmärchen. Es erzählt von Menschen, die den Wald, das Unheimliche, das Unberechenbare dort fürchten. Die Tiere wiederum haben allen Grund, die Menschen zu meiden, die sie ausbeuten, verwerten, töten. So ergeht es auch der titelgebenden Füchsin Schlaukopf. Sie wird vom Förster gefangen, doch bleibt sie wild, unzähmbar, und es gelingt ihr die Flucht. Sie trifft den Fuchs ihres Lebens, gründet eine Familie und wird schließlich von einem Wilderer erschossen. Mit ihren Kindern aber setzt sich der natürliche Kreislauf des Lebens fort.
Auf den Bühnen ist dieses Opernwerk aus dem Jahr 1924 vor allem wegen Janáceks klangreicher, feinsinnige Musik überaus beliebt. Doch taugt diese Geschichte über das Tier- und Menschsein, über Leben und Tod auch für Kinder ab fünf Jahren?
Auf alle Fälle – wenn man es so anstellt wie das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunk. Am Samstag, 28. März, 15 Uhr, beim Familienkonzert unter Chefdirigent Sir Simon Rattle in der Isarphilharmonie ist „Das schlaue Füchslein“ in der Bearbeitung von BR-Autorin und Moderatorin Katharina Neuschaefer zu erleben, die man unter anderem von ihrer Klassiksendung für Kinder „Do Re Mikro“ kennt.
Das Füchslein wird hier garantiert kein Federmassaker an den Hennen des Försters veranstalten und auch selbst unbeschadet davonkommen. Erzählt wird eine Geschichte über Mut, Zusammenhalt und Freundschaft.
Was könnte als Motto besser passen für die traditionell enge Zusammenarbeit zwischen dem BRSO und SZ Gute Werke, die ja alljährlich im November ihren Höhepunkt findet beim großen Benefizkonzert zugunsten des Spendenhilfswerks der Leserinnen und Leser der Süddeutschen Zeitung. Mit 100 Freikarten an Familien mit geringem Einkommen ermöglicht dieser Fonds nun am 28. März Münchner Kindern ein besonderes Konzerterlebnis.
Auch wenn Janácek, der leidenschaftlicher Waldspaziergänger und Vogelstimmensammler, hier eine Oper mit nur knapp zwei Stunden geschrieben hat, die zuweilen ohne Pause durchgespielt wird, werden Simon Rattle und sein Orchester eine eigens auf das junge Publikum zugeschnittene Fassung präsentieren. Zusammengestellt von Leonhard Huber, der beim BR als Dramaturg, Redakteur und Regisseur für den Bereich „Klassik für Kinder“ arbeitet.

Bei der Uraufführung von Katharina Neuschaefers „Füchsleins“-Version 2011 war Rufus Beck der Erzähler. Beim Familienkonzert im März wird Mona Vojacek Koper den Part übernehmen. Die deutsch-amerikanische Schauspielerin und Theatermacherin hat in München an der Otto-Falckenberg-Schule studiert und ist heute Ensemble-Mitglied am Schauspielhaus Bochum. Sie wird ihre Stimme also der coolen, emanzipierten Fuchs-Lady leihen, die den Kampf aufnimmt gegen den Jäger und seinen Jagdhund Janus. Denn der hat das große Geheimnis der Tiere entdeckt, und das bedeutet für alle Waldbewohner höchste Gefahr.
Janáceks Musiksprache ist sehr bildhaft, was auch zum Ursprung des „Füchsleins“ passt: Marie, die Haushälterin des Komponisten war das, was man heute einen Comic-Fan nennen würde. Mit Begeisterung las sie in der Zeitung Lidové noviny die illustrierte Fortsetzungsgeschichte über die Füchsin. Ihr Kichern machte den Maestro erst auf die Parabel aufmerksam. Wie auch immer diese Zeichnungen damals ausgesehen haben mögen, beim Familienkonzert wird das Publikum sicher ebenfalls kichern. Über die lustigen Illustrationen des Künstlers von Jörg Mühle an der Wand der Isarphilharmonie. Ein Familienkonzert also mit allen Sinnen.
„Das schlaue Füchslein“, BRSO-Familienkonzert mit Sir Simon Rattle, Samstag, 28. März, 15 Uhr, Isarphilharmonie, Karten unter www.br-ticket.de

