Ermittlungen:Falschgeld aus dem Darknet  - bundesweite Razzia

Falschgeld

Gefälschte 50-Euro Banknoten tauchen immer wieder auf.

(Foto: dpa)
  • Bei Falschgeld-Razzien in acht Bundesländern haben Ermittler 28 Wohnungen durchsucht.
  • Die Deutschlandschwerpunkte der europaweiten Aktion lagen in Frankfurt am Main und München. Aus den beiden Städten sollen je drei Tatverdächtige stammen.
  • Die Verdächtigen sollen sich über das Darknet falsche 10- und 50-Euro-Scheine beschafft haben, die aus einer Blütenwerkstatt in Portugal stammen.

Von Martin Bernstein

Sie waren Kunden des zweitgrößten bislang im Darknet entdeckten Falschgeld-Rings. Ihre 10- und 50-Euro-Scheine stammten aus Portugal, dort hatte sie eine Bande der organisierten Kriminalität produziert. Jetzt haben drei Münchner Besuch von Ermittlern bekommen. Die Durchsuchungen waren Teil einer europaweiten Razzia, bei der in der vergangenen Woche laut Europol 44 Verdächtige in sieben Staaten vernommen und insgesamt 37 Wohnungen auf den Kopf gestellt wurden.

Schwerpunkt der Aktion war Deutschland mit insgesamt 28 Hausdurchsuchungen und hier nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) München und Frankfurt am Main mit jeweils drei Tatverdächtigen. Ein vierter mutmaßlicher Falschgeldkäufer aus Bayern soll im Landkreis Augsburg wohnen. Die weiteren 19 Verdächtigen verteilen sich auf acht Bundesländer. Die Durchsuchungen in München wurden von der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) in Bamberg koordiniert.

Zu den drei Münchner Tatverdächtigen wurden zunächst keine weiteren Details genannt. Sie stehen in Verdacht, im Zeitraum von Dezember 2018 bis Juli 2019 auf illegalen Handelsplattformen im Darknet sowie über verschlüsselte Messengerdienste Falschgeld erworben zu haben. Die Herstellungsstätte des Falschgelds war im Juli 2019 in Cantanhede (Portugal) durch die National Anti-Corruption Unit der portugiesischen Polizei lokalisiert worden. Fünf mutmaßliche Hersteller und Verkäufer von Falschgeld wurden daraufhin in Portugal und in Kolumbien festgenommen.

Bei den Durchsuchungen in Deutschland wurden laut BKA zahlreiche Beweismittel, insbesondere Falschgeld, Computer, mobile Endgeräte und Datenträger beschlagnahmt. Außerdem fanden die Ermittler nach Angaben von Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk "weitere inkriminierte Güter, insbesondere Betäubungsmittel, gefälschte Ausweise, Materialien zur Fälschung amtlicher Ausweise, waffenrechtlich verbotene Gegenstände und Munition". Deshalb wurden weitere Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Waffen- und das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet. Ob davon auch die Münchner Verdächtigen betroffen sind, blieb am Montag offen. Festnahmen gab es nicht.

Die Falschgeldproduzenten in Portugal hatten nach Erkenntnissen von Europol mehr als 26 000 gefälschte Banknoten produziert und an Abnehmer in ganz Europa verteilt. Angeboten hatte die kriminelle Gruppierung die Blüten überwiegend im Darknet. Paragraf 146 des Strafgesetzbuches sieht für das "Sichverschaffen von Falschgeld, in der Absicht, dieses als echt in Verkehr zu bringen oder ein Inverkehrbringen als echt zu ermöglichen", Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren vor. Der jüngste Tatverdächtige bei der aktuellen Razzia in Deutschland ist erst 15 Jahre alt.

Erst Ende November hatten Ermittler im Raum München einen 23-Jährigen festgenommen, der in einer geschlossenen Facebook-Gruppe Falschgeld zum Verkauf angeboten haben soll. Der Mann hatte bei seiner Festnahme durch Spezialkräfte des Landeskriminalamts (LKA) insgesamt 29 gefälschte 20- und 50 Euro-Geldscheine bei sich. In seiner Wohnung in Herrsching am Ammersee wurden zudem zwei weitere 50-Euro-Falsifikate und geringe Mengen an Betäubungsmitteln sichergestellt. Bei einer ersten Auswertung der sichergestellten Datenträger konnten laut LKA Hinweise gefunden werden, dass der Tatverdächtige kriminelle Marktplätze des Darknets und eine Facebookgruppe nutzte, um Falschgeld zum Kauf anzubieten.

Ebenfalls Ende November war in Starnberg eine 19-Jährige festgenommen worden. Die Frau aus Italien besaß mehrere falsche 100-Euro-Noten und war damit - zunächst erfolgreich - auf Einkaufstour gegangen. Die Herkunft der Verdächtigen war möglicherweise kein Zufall. Laut dem nun veröffentlichten Lagebild zum organisierten Verbrechen gab es auch 2018 ein Ermittlungsverfahren gegen die italienische Blüten-Mafia.

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