Prozessauftakt:Falsche Handwerker erbeuten Zehntausende Euro bei alleinstehenden Senioren

Lesezeit: 2 min

Prozessauftakt: Eine mutmaßliche Betrügerbande wird beschuldigt, ältere Menschen als falsche Handwerker um Geld gebracht zu haben.

Eine mutmaßliche Betrügerbande wird beschuldigt, ältere Menschen als falsche Handwerker um Geld gebracht zu haben.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Die Angeklagten gaben vor, sie müssten die Wasserleitung in den Wohnungen überprüfen. Vor Gericht gestehen die drei nun ihre Taten - und belasten ein weiteres Familienmitglied.

Von Andreas Salch

Ihre Opfer suchten sie sich nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft "gezielt" aus: Ältere, oftmals alleinstehende Menschen, die in ihrer Wahrnehmungs- und Kritikfähigkeit bereits eingeschränkt sind. Die Angeklagten Adam K., Josef C. und Leonard G. gaben sich gegenüber Senioren in München und Nürnberg als Handwerker aus und behaupteten, sie müssten in deren Wohnungen die Wasserleitung überprüfen. Ein Bluff.

Ermittler der Kriminalpolizei nennen diese Masche "falsche Handwerker". Denn sobald den Tätern der Zugang zu einer Wohnung gewährt wird, lenkt einer von ihnen das Opfer ab, während ein anderer alles nach Wertsachen durchsucht. Seit diesem Dienstag müssen sich Adam K., Josef C. und Leonard G. vor dem Landgericht München I verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen schweren Bandendiebstahls erhoben.

Zwischen Januar und Februar vergangenen Jahres erbeuteten die drei Männer laut Anklage innerhalb von nur vier Wochen Bargeld und Schmuck im Wert von mehr als 53 000 Euro. Ihr ältestes Opfer war eine 94 Jahre alte Frau aus Ramersdorf-Perlach. Aus einem Schrank im Wohnzimmer der alten Dame stahlen die Angeklagten am 28. Januar 2021 aus einem Kuvert 30 000 Euro sowie 1000 Euro aus ihrer Geldbörse, die auf einem Sessel lag, so der Vorwurf. Tags zuvor sollen Z. und die Mitangeklagten ebenfalls in Ramersdorf-Perlach aus dem Schlafzimmer einer 84-Jährigen Schmuck im Wert von rund 10 000 Euro sowie weitere 400 Euro aus dem Portemonnaie der Seniorin erbeutet haben.

Einer der Beschuldigten hatte schon vor dem Prozess gestanden

Zum Auftakt des Prozesses vor der 9. Strafkammer hielten sich K. und die zwei Mitangeklagten zunächst damit zurück, Angaben zu machen. Denn alle drei sind miteinander verwandt. Der 31-jährige Josef C. indes hatte bereits im Zuge der Ermittlungen ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Haftbefehl gegen ihn war daraufhin außer Vollzug gesetzt worden. Adam K. und Leonard G. befinden sich jedoch nach wie vor in Untersuchungshaft.

Erst nach mehreren Gesprächen mit ihren Anwälten räumten auch sie die ihnen zur Last gelegten Taten ein - und belasteten einen weiteren Täter, auch er ein Verwandter der drei. Nach Angaben des Verteidigers von Adam K. seien sein Mandant und der bislang unbekannte mutmaßliche Mittäter die "Rädelsführer" gewesen. Mit dem Geld aus der Beute soll Adam K. hauptsächlich seine Alkohol- und Drogensucht finanziert haben. Er sagte aus, seine Mittäter Josef C. und Leonard G. hätten bei den Verbrechen nur eine "untergeordnete Rolle" gespielt. Der Prozess dauert an.

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