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Verkehr:Das sind die Trends auf dem Fahrrad-Markt

Unplattbar-Reifen für E-Bikes, ein Airbag für Radler und nachhaltige Kleidung: Die Fahrrad-Branche präsentiert ihre wichtigsten Fortschritte.

Der Winter hat noch gar nicht begonnen, da ist es schon wieder Zeit, an den Frühling zu denken. Die Jahreszeit, in der viele Münchener ihr Fahrrad fit machen wollen für die neue Saison. Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad, einem Zusammenschluss aus 50 Vereinen, Firmen und Institutionen, weiß, welche Fortschritte die Branche gemacht hat. "Wir haben in diesem Jahr keine epochalen Neuheiten, dafür demokratisiert sich vieles, wird günstiger, kann in die Breite gehen", sagt er.

Upgrade

Viele der Neuerungen auf dem Markt erfordern nicht gleich vom Fahrradfahrer, ein neues Radl zu kaufen. Durch einfache Nachrüstungen lassen sich sowohl der Komfort als auch die Sicherheit erhöhen. Halogen-Frontscheinwerfer, die vor zehn Jahren Standard waren, gehen heute nur noch als Positionslicht durch. Dank LED-Leuchten hat sich die Lichtmenge inzwischen vervielfacht, die Preise sind gefallen. Eine Lampe mit 30 Lux kostet 2020 nur noch so viel wie ein Kinobesuch. "Es gibt kein Argument mehr, nicht mit vernünftigem Licht zu fahren", sagt Fehlau.

Die Rückleuchte gibt es im ansteckbaren Schutzblech integriert, stark gefederte Sattelstützen schützen die Bandscheiben. Um per Funk den Gang wechseln zu können, muss nicht mehr die ganze Schaltung ausgebaut werden. Besonders leicht ist die Nachrüstung bei den Reifen. Neu sind spezielle Unplattbar-Reifen für E-Bikes. Weil viele Fahrer schneller unterwegs sind, als ihre eigene Erfahrung erlaubt, bringen zwei Pannenschutzschichten und verstärkte Seitenwände zusätzliche Sicherheit.

Vernetzung

Digitale Vernetzung ist dieses Jahr vor allem bei der Kopfbedeckung angesagt. Ein Mountainbike-Helm mit integriertem Chip sendet bei einem Unfall automatisch Notfallmeldungen über das Handy an die Liebsten. Der aus Schweden stammende Hövding, ein Airbag für Radfahrer, wird wie ein Kragen um den Hals getragen. Erst bei einem Sturz löst er aus und hüllt den Kopf in sichere Luftpolster, noch ehe er den Boden berührt. Auch er verschickt Nachrichten an zuvor ausgewählte Kontakte. Zudem sammeln alle Hövding-Träger per App Kilometer und können so überprüfen, wie viel CO₂ sie durch ihr Strampeln schon eingespart haben.

Nachhaltigkeit

Auch die Fahrradausrüster überlegen, wie sie ihren ökologischen Fußabdruck verringern können. Spezielle Funktionskleidung von Vaude besteht aus mehr als 80 Prozent recyceltem oder zumindest recycelbarem Stoff. "Wenn man aus heutiger Sicht schaut, was vor zehn Jahren als funktionell und nachhaltig galt, sieht man eine unglaubliche Entwicklung. Das macht Mut, dass auch Veränderung möglich ist, die man sich jetzt noch nicht vorstellen kann", sagt Fehlau. Die Klettverschlüsse des Fahrradtaschenherstellers Ortlieb werden nicht mehr verklebt, sondern angeschraubt, sodass sie ausgetauscht werden können. Die Innenausstattung neuer Kinderanhänger besteht zunehmend aus schadstoffärmeren Materialien.

Gravel

Eine Mischung aus Rennrad und Mountainbike zum Dahingleiten auf unwegsamem Untergrund: das Gravel-Bike schafft es 2020 vom Nischenprodukt in die Kataloge sämtlicher großer Hersteller. Manche davon sorgen dank eines eingebauten Motors für noch mehr Fahrkomfort. Durch nach außen gebogene Bügel ermöglichen neue Rennrad-Lenker mehr Bewegungsfreiheit und bessere Kontrolle.

E-Bike

Fahrräder mit elektrischer Unterstützung sind für Fehlau kein Trend, sondern ein ganzes, sich langsam erschließendes Paralleluniversum. "Vor fünfzehn Jahren sahen die alle noch aus wie AOK und fuhren sich wie AOK. Da sind wir inzwischen weit von entfernt", spielt er auf blasses Design an. 2020 präsentieren sie sich in edlen oder sportlichen Rahmendesigns, mit knalligen Farben für neue Zielgruppen. An der Technik wurde lange Jahre gefeilt, nun können sich die Hersteller um die Details kümmern. Während E-Bikes einst für diejenigen vorgesehen waren, die in der Stadt ein bisschen Anschub brauchten, helfen sie heute Mountainbikern, noch steilere Hänge hinaufzukommen.

© SZ vom 07.02.2020/baso
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