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Modesünden:Aktivisten im Schaufenster

Ungewöhnliche Botschaft für die Passanten in der Fußgängerzone: Umweltaktivisten stellten sich als Schaufensterfiguren in verschiedene Läden.

(Foto: Robert Haas)

Die Gruppe Extinction Rebellion protestiert in der Kaufingerstraße gegen den Konsumrausch am "Black Friday".

Von Leonie Sanke

Eine Gruppe bahnt sich mit Plakaten ihren Weg durch die Menge in der Kaufingerstraße. Die meisten Menschen um sie herum sind hier, um am "Black Friday" möglichst günstig einzukaufen. Die etwa 20 Demonstrierenden der Gruppe Extinction Rebellion dagegen sind gekommen, um sie möglichst davon abzuhalten. "Boykottiert den 'Black Friday', Mode tötet!", rufen sie. Während die Aufmerksamkeit der Passanten noch auf Sofia Ritthammer gerichtet ist, die durch ihr Megafon über die Umweltverschmutzung und CO₂-Belastung durch die Modeindustrie aufklärt, beginnt ein Stockwerk höher, hinter der Glasfassade eines Modegeschäfts, die eigentliche Aktion: Fünf Aktivisten haben sich dort bis auf die Unterwäsche ausgezogen und wie Schaufensterpuppen aufgereiht. "Heute Mode, morgen Müll" oder "Weniger ist mehr" steht auf ihren Körpern.

"Wir wollen den Protest genau dorthin bringen, wo der Konsum stattfindet", sagt die 22-jährige Sofia Ritthammer von Extinction Rebellion. Es werde zwar viel über die Modeindustrie berichtet, die meisten Konsumenten brächten das aber nicht mit ihrem eigenen Handeln in Verbindung. Ein paar Passanten bleiben stehen an diesem Freitag und fragen interessiert nach. Andere, wie der 21-jährige Jakob Sedlmeier, zeigen sich unbeeindruckt. Er ist selbst zum Shoppen in der Kaufingerstraße und sagt, er glaube nicht, dass eine Demo Menschen davon abhalten könne, Schnäppchen zu machen. Ob er selbst sein Verhalten deshalb ändern würde? "Ehrlicherweise nicht."

Die Aktivisten von Extinction Rebellion haben inzwischen ihr zweites Ziel, ein Kaufhaus, erreicht. Auch hier stellen sich ein paar von ihnen in Unterwäsche auf. Doch dann wird es unruhig in der Gruppe. "Wir brauchen Deeskalation", ruft jemand. Der Wachmann des Kaufhauses hat die Polizei gerufen, will die Aktivisten wegen Hausfriedensbruchs anzeigen. Nach einem kurzen Gespräch mit einem Polizisten, der die Personalien der Teilnehmer aufnimmt, setzt die Gruppe ihre Aktion ein paar Geschäfte weiter trotzdem fort. "Im Vergleich zu Aktivisten in anderen Ländern haben wir es hier mit extrem geringen Repressionen zu tun. Deshalb ist es unsere Verantwortung, mehr zu tun", sagt Sofia Ritthammer später.

Die Münchner Extinction-Rebellion-Gruppe wurde Ende 2018 gegründet. Viele der Mitglieder haben sich vorher bereits für Klimaschutz engagiert, etwa bei "Fridays for Future". So wie Lisa Poettinger, 23. Sie ist erst seit einem Monat bei Extinction Rebellion und eine der Aktivistinnen, die sich für die "Black Friday"-Aktion ausgezogen haben. Erst sei sie nervös gewesen, sagt sie. Immerhin ist sie erst seit einem Monat bei XR aktiv. "Aber dann habe ich gesehen, wie viele Leute hingeschaut haben. Ich denke, es ist gut, wenn uns so viele Menschen sehen, da sie sich dann mit der Problematik auseinander setzen müssen", sagt sie. Nach einer guten halben Stunde ist die Aktion vorbei, die Teilnehmer gehen weiter zum großen Klimastreik auf dem Königsplatz. Und in der Kaufingerstraße tragen die Menschen weiter Einkaufstüten aus den Läden.

© SZ vom 30.11.2019
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