Süddeutsche Zeitung

Absage wegen Corona:Messe München sagt "Expo Real" kurzfristig ab

Eigentlich sollte es um die Zukunft der Branche gehen: Bei einer "hybriden Konferenz" sollten die Teilnehmer diskutieren - doch angesichts der Infektionszahlen in München ist das vielen zu heikel.

Von Sebastian Krass

Am Mittwochvormittag hätte es losgehen sollen mit einer neuen Form der Immobilienmesse Expo Real, doch daraus wird nun nichts: Die Messe München hat den zweitägigen "Expo Real Hybrid Summit" am Montagabend abgesagt. Die Entscheidung sei "aufgrund der sich in München aktuell verschärfenden Covid-19-Situation" gefallen, heißt es in einer Pressemitteilung, die gegen halb neun Uhr abends auf der Veranstaltungs-Homepage erschien.

Zunächst hatte das Fachmedium Immobilien-Zeitung über die Absage berichtet. "Zahlreiche Teilnehmer hatten zuvor ihren Verzicht auf eine Beteiligung erklärt", heißt es in der Mitteilung der Messe. Sie hätten darauf verwiesen, dass München am Montag zum Risikogebiet erklärt worden sei. Die Absage betreffe sowohl den Teil der Veranstaltung, der in den Messehallen hätte stattfinden sollen, als aber auch die geplanten digitalen Formate.

Noch bis zum späten Montagnachmittag hatte eine Sprecherin der Veranstaltung auf schriftliche Anfragen keinen Hinweis darauf gegeben, dass eine Absage bevorstehen könnte. In einer Mail vom frühen Nachmittag schilderte sie den geplanten Ablauf und verwies auf das Hygienekonzept, das die Messe erarbeitet habe und das sich bereits bei der Fachmesse Trendset im September bewährt habe.

Im Laufe des Nachmittags habe es dann aber zunehmend Absagen von Teilnehmern der Diskussionsveranstaltungen gegeben, letztlich sei eine so "relevante Zahl" erreicht gewesen, "dass die Veranstaltung nicht mehr funktioniert hätte", erklärte ein Messe-Sprecher am Abend telefonisch. "Zudem wussten wir nicht, wie sich die Situation in den nächsten 48 Stunden weiterentwickeln würde. Wir hätten auch mit der Absage von Ausstellern und sehr wenig Publikum rechnen müssen." Es habe die Gefahr bestanden, dass die Marke "Expo Real" Schaden nimmt.

Klaus Dittrich, der Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, erklärte sein Bedauern, es habe aber keine andere Wahl gegeben: "Die Entscheidung ist natürlich hart, aber wir schützen damit unsere Kunden", so Dittrich. "Zudem hätte eine Durchführung unter diesen geltenden Rahmenbedingungen die Erwartungen der Kunden enttäuscht."

Die Expo Real galt bisher als eine der bedeutendsten Immobilienmessen Europas. Im vergangenen Jahr hatten die Veranstalter 2190 Aussteller sowie 46 000 Besucherinnen und Besucher gezählt. Die alte Expo Real war ein Pflichttermin für die ganze Branche, bei der sich - wie es sich für eine ordentliche Messe gehört - die Leute teils durch Gänge und Stände schoben. In diesem Jahr haben die meisten großen Immobilienunternehmen darauf verzichtet, einen Stand zu buchen. Zu unsicher waren das Infektionsgeschehen und die Reisebeschränkungen und auch zu schlecht die Aussichten auf ertragbringende Begegnungen und Gespräche auf der Messe. Nach Beginn der Corona-Pandemie war zunächst unklar gewesen, ob es dieses Jahr eine Expo Real geben würde. Letztlich entschied sich die Messe München für ein neues reduziertes Format: eine "hybride Konferenz", also teils mit physischer Anwesenheit von Teilnehmern, teils mit nur digitaler Teilhabe, das Ganze kombiniert mit einer "Begleitausstellung".

56 Aussteller hatten sich für dieses Jahr angemeldet, davon 20 Start-ups. Auf der Teilnehmerliste standen 940 Namen, dabei blieb offen, wer in die Messehallen kommen wollte und wer nur digital teilnehmen wollte. Die Messe nannte am Montag tagsüber auch keine Zahlen, wie viele Besucher sie auf dem Gelände erwarte.

Sie erklärte lediglich, dass 3700 Menschen auf das Messegelände kommen dürften, betonte aber, dass dieser Wert vermutlich nicht erreicht werde. Mit wenigstens einigen hundert Menschen pro Tag dürfte die Messe am Montag aber noch gerechnet haben - und damit allemal mehr, als sich sonst derzeit in München an einem Ort versammeln. Das liegt daran, dass die geltenden und am Montag für München noch einmal verschärften Kontaktbeschränkungen für Messen und Kongresse nicht gelten, ein passendes Hygienekonzept vorausgesetzt. Dass der Sieben-Tage-Inzidenzwert für München inzwischen wieder den Wert von 50 überschritten habe, verändere die Lage für die Expo Real nicht, so war die Sprecherin der Veranstaltung am frühen Montagnachmittag zu verstehen.

Das von der bayerischen Staatsregierung akzeptierte Hygienekonzept gelte weiter. Im weiteren Verlauf des Tages habe sich aber abgezeichnet, dass das Beherbergungsverbot Leute davon abhalten würde, nach München zu kommen, so der Messesprecher am Abend. Zwar hatte die Messe betont, für Geschäftsreisende aus Risikogebieten wie Frankfurt oder Berlin, "deren Reise geschäftlich zwingend nötig ist", gelte eine Ausnahme vom Beherbergungsverbot. Man empfehle, einen Nachweis mitzuführen, etwa ein Messeticket.

Das bayerische Gesundheitsministerium aber erklärte am Montag, es hätte weiterer Nachweise bedurft, um die Dringlichkeit des Messebesuchs zu belegen. Zuletzt dürften sich viele auch gefragt haben, welche Restriktionen ihnen nach einer Rückkehr aus München zu Hause drohen.

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Quelle:
SZ vom 13.10.2020/kafe/infu
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