Religion:Immer mehr Protestanten treten aus Kirche aus

Lesezeit: 1 Min.

Immer mehr Menschen in München treten aus der Kirche aus. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die Zahl der Austritte steigt deutlich an. Der Evangelisch-Lutherische Dekanatsbezirk verliert fast 8000 Mitglieder in einem Jahr.

Von Andrea Schlaier

Auch bei den Protestanten ist die Zahl der Kirchenaustritte im vergangenen Jahr in die Höhe geschnellt: 7877 Menschen kehrten 2021 dem Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk München den Rücken, zu dem auch noch Teile der angrenzenden Landkreise gehören. 2020 waren es mit 5351 Menschen noch etwa ein Drittel weniger. Bleiben unterm Strich aktuell etwas über 221 000 Protestanten mit Hauptwohnsitz im Großraum München.

"Damit liegen wir voll Trend", konstatiert Stadtdekan Bernhard Liess und verweist auf die vergangene Woche vorgelegten deutschlandweiten Zahlen: Denen zufolge sind vergangenes Jahr 280 000 Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Damit gehörten zum Jahresende in Deutschland erstmals weniger als 20 Millionen Menschen einer der 20 evangelischen Gliedkirchen an.

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Der Austritt ist meist das Ergebnis eines langen Prozesses

"Die Gründe sind gar nicht so leicht zu benennen", sagt Liess. Das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirchen in Deutschland hat in einer bundesweit repräsentativen Studie sowohl evangelische als auch katholische Kirchenmitglieder nach dem Grund ihres Austritts befragt.

Der Münchner Stadtdekan sieht in den Ergebnissen bestätigt, "was wir aus Rückmeldungen von den Leuten mitbekommen": Weniger die konkreten Anlässe seien es, die Protestanten zu dem Schritt bewegten. "Es ist mehr das Ergebnis eines Prozesses, der sich schon lange angebahnt hat und der Lockdown war für viele Menschen der Punkt, wo sie die Gelegenheit nutzten, zu realisieren, was sich bei ihnen angestaut hat."

Die Erzdiözese München und Freising meldet ihre Austrittszahlen für 2021 erst im Sommer. Was aber bereits vorliegt, ist die Zahl der beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) beantragten Kirchenaustritte in München seit Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens: Bis Mitte März hat die Behörde seit Anfang des Jahres 6914 Kirchenaustritte registriert - erfasst wird aber nicht nach Konfessionen getrennt. 2021 waren es im selben Zeitraum noch 1975. Die Nachfrage nach Terminen für einen Austritt, so ein Sprecher des KVR, haben inzwischen "etwas abgenommen".

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