Eva Umlauf sitzt zusammen mit Rachel Salamander vor dem Thora-Schrein in der Ostnische der Synagoge Reichenbachstraße. Er wird verdeckt von einem Vorhang in blau-gelbem Blockmuster, den einst die Bauhaus-Künstlerin Gunta Stölzl gewebt hat. Im vergangenen September bei der Wiedereröffnung des jüdischen Gotteshauses stand Kanzler Friedrich Merz genau an dieser Stelle, und es brach ihm die Stimme, als er über die Shoah sprach: „Eine Tat, die so monströs ist, die so radikal böse ist, dass sie, um mit der großen deutsch-jüdischen Denkerin Hannah Arendt zu sprechen, einfach nicht hätte passieren dürfen unter uns Menschen.“ Ein paar Monate zuvor hatte die Jüdin Eva Umlauf den Kanzler in einen offenen Brief aufgefordert: „Tun Sie es nicht, Herr Merz!“
Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf„Achtet auf die Wahrheit. Sie ist die Erste, die verloren geht“
Lesezeit: 3 Min.

Eva Umlauf war zwei Jahre alt, als man ihr in Auschwitz die Häftlingsnummer auf den Unterarm tätowierte. Heute ist die Münchner Psychotherapeutin eine unermüdliche Zeitzeugin, die auch den Kanzler in die Pflicht nimmt. „Genau so fängt es an“ heißt ihr neues Buch.
Von Jutta Czeguhn
