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Mit den Kindern zu Hause:Basteltipps von den Profis

Kreativ daheim: Spiel- und Bastel-Ideen gegen Kinder-Langeweile

Je länger Schulen und Kindertagesstätten geschlossen bleiben, desto mehr Kreativität ist auch von den Eltern gefordert.

(Foto: dpa-tmn)

Sie müssen es ja aus langjähriger Erfahrung wissen, was Kindern Freude macht: Fünf Erzieherinnen geben Tipps, wie sich Kinder daheim beschäftigen lassen.

Gut drei Wochen sind die Kinder nun wegen des Coronavirus schon zu Hause, die Kindergärten und Krippen in der Stadt sind weitgehend verwaist. Damit es daheim dennoch nicht allzu langweilig wird, hat die SZ fünf Erzieherinnen um ein paar Bastel- und Freizeittipps gebeten:

Kaffeefiltertütenschmetterlinge

Im Jule Kindergarten in Obermenzing hatte man sich eigentlich auf die Osterzeit gefreut. Statt Eier zu bemalen, hat Erzieherin Jenny Kiehne dann die Entwicklung der Kinder dokumentiert, die in den "Corona-Ferien" sind. Für ihre Schützlinge zu Hause hat Kiehne eine farbenfrohe Bastelidee, Kaffeefiltertütenschmetterlinge.

Sie flattern statt in die Maschine bunt ans Fenster und so werden sie gebastelt: Beginnend an der Naht des Filters zeichnet man mit Bleistift die Hälfte eines Schmetterlings auf. Nun schneidet man den Falter entlang der Zeichnung aus. So erhält man beim Aufklappen einen ganzen Schmetterling. Auf den Körper des Tiers, also auf die gestanzte Naht des Kaffeefilters, malt man nun verschiedene Farben mit wasserlöslichen Filzstiften auf. Anschließend taucht man den Schmetterlingskörper in einen Teller mit etwas Wasser. So verlaufen die Farben von der Naht nach unten in die Flügel.

Ostergras - selbst gezüchtet

Wenn der Falter getrocknet ist, kann er beispielsweise auf selbst gezüchtetem Ostergras landen - eine Dekorationsidee von Christina Kolloch, der Leiterin des Jule Kindergartens. Hierfür wird etwa eine Handvoll Weizenkörner über Nacht in Wasser eingeweicht. Am nächsten Tag legt man die Körner in eine nicht zu flache Schale und bedeckt die Saat mit Erde. Regelmäßig sollte das Ostergras gegossen werden, jedoch nur mäßig, um Schimmelbildung zu vermeiden. Nach etwa zwei Tagen sprießen zarte, grüne Gräser aus der Schale.

Wer auf Erde verzichten muss, kann auch Kressesamen auf nasser Watte züchten. Auf dieses blättrige Ostergras warten die Kinder weniger lang als auf das Weizengras. Erzieherin Christina Kolloch war es in den vergangenen Wochen im Kindergarten viel zu ruhig, man habe beinahe das Ostergras wachsen gehört. "Ich mag das Lachen, Reden und Toben. Ein Kindergarten ohne Kinder macht keinen Spaß," sagt die Erzieherin.

Körbe aus Ästen

Ein Besuch im Supermarkt ist auch für diese Bastelei meist nicht notwendig. Eine gewisse Fingerfertigkeit jedoch schon. Inspiriert durch die afrikanische Kunst des Korbflechtens hat Carina Ruff in der Wichtel Akademie mit den Kleinen Körbe hergestellt. Zunächst gilt es im Garten leicht biegsame Äste, bestenfalls bereits herabgefallen, zu suchen. Lange Weidenzweige eigenen sich besonders für das Projekt.

Sechs bis neun Äste werden im Kreis übereinandergelegt. Das entstandene Kreuz in der Mitte wird mit Bast oder einer Schnur fixiert. Die übrigen Äste und Weiden webt man nun rund um die befestigte Mitte. Damit kein Rad, sondern ein Korb entsteht, müssen die äußeren Kreise gleich eng gewebt werden. Die herausstehenden Enden biegt man am Schluss um 90 Grad und webt sie mit ein. Carina Ruff empfiehlt, übrige Schnüre und Kordeln zu Hilfe zu nehmen. Zudem lässt sich der Korb mit den Resten aus dem Nähkasten verschönern.

Basteln mit Salzteig

"Für alles, was vor der Corona-Krise immer zwischen Tür und Angel im Kindergarten erledigt werden musste, hatte man jetzt mehr als genug Zeit", erzählt Eva-Maria Kirchmann aus dem Haus für Kinder St. Agnes. Fast in Vergessenheit geraten, meint die Erzieherin, aber auch heute noch eine unkomplizierte Beschäftigung, ist das Herstellen von Salzteig. Dafür lässt sich auf lang haltbare Vorräte zurückgreifen.

In einer Schüssel werden eine Tasse Salz, zwei Tassen Mehl und eine Tasse Wasser gründlich vermengt. So hat man selbstgemachte Knete, ganz ohne Chemikalien. Aus dem Salzteig können Figuren geformt werden, die sich sogar im Ofen brennen lassen. Erst muss der Teig 60 Minuten bei 50 Grad Umluft trocknen. Dann kann er bei 120 Grad 60 Minuten lang gebrannt werden. Energiesparender kann man den Teig auch ein bis zwei Tage in der Nähe der Heizung trocknen lassen. Einmal abgekühlt lassen sich die Kunstwerke bemalen. Nur nicht mit Wasserfarben, sonst weichen die Salzteigfiguren wieder auf.

Ausmisten und Gutes tun

Was die Kindergartenschließungen angeht, ist Erzieherin Isabel Bülow mit den Behörden einer Meinung. "Man muss die Verbreitung des Virus verlangsamen, auch wenn das ein tiefer Einschnitt in unsere Arbeit ist." Am Anfang sei die Notbetreuung von Kindern mit Eltern, die in systemkritischen Berufen arbeiten, allerdings sehr holprig gelaufen, meint die Leiterin des Kindergartens in Lerchenau.

Ob in der Notbetreuung oder zu Hause, Zeit für eine Inventur ist in Zeiten der Corona-Schließung nun genug. Eltern könnten beispielsweise mit ihren Kindern sichten, was sich in den vergangenen Jahren alles an Spielzeug angesammelt hat. Was wird noch gebraucht und auf was ließe sich beim nächsten Kauf verzichten? Gerade an Plastikartikel aus Zeitschriften währt die Freude oft nur kurz. Aussortierte Spielsachen könne man im Sinne der Nachhaltigkeit an soziale Einrichtungen spenden. Denn der Wunsch nach Abwechslung ist in Zeiten von Corona auch beim Spielen groß.

© SZ vom 09.04.2020/kaal
Wegen Corana-Virus geschlossener Kindergarten in München, 2020

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