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Erdbeerernte:"Naschen ist ausdrücklich erlaubt und gehört zum Konzept"

Erdbeeren, Erdbeerfeld Hofreiter in der Rambaldistaße in Johanneskirchen

Mund auf, Erdbeere rein: Wer fleißig pflückt, der darf auf den Erdbeerfeldern der Familie Hofreiter gerne auch kosten. 500 Gramm sollten am Ende aber schon im - dann zu bezahlenden - Schälchen sein.

(Foto: Florian Peljak)

Es bringt so einige Vorteile mit sich, seine Erdbeeren selbst zu pflücken - vor allem für Familien.

Die ist umwerfend, die esse ich", sagt Theo, schnappt sich eine der Erdbeeren aus der orangefarbenen Schüssel auf dem Boden und schiebt sie sich in den Mund. Derweil ist sein Vater weiter auf der Suche. Behutsam taucht Florian Keller mit den Händen voran in die grünen Sträucher unter sich und schiebt die Blätter beiseite. "Wir kaufen schon regional und in Bio-Läden", sagt der Mann mit der weiß-weinroten Basecap. Kaum hat er seinen Satz beendet, beißt auch er beherzt in eine der Beeren, die er gerade auf dem Acker in Johanneskirchen gepflückt hat.

Theo und sein Vater machen nichts Verbotenes. "Naschen ist ausdrücklich erlaubt und gehört zum Konzept", sagt Margarete Soranno. Seit 16 Jahren arbeitet die 61-Jährige mit dem festen Händedruck für die Familie Hofreiter und betreut in der Saison Erdbeer- und Heidelbeerfelder für die Selbstpflücker. Sich nur den Bauch vollschlagen ginge jedoch nicht, erzählt sie. 500 Gramm ist die Mindestmenge, die erpflückt werden muss, damit das Probieren zwischendurch inklusive ist.

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Zehn Erdbeerfelder zum Selbstpflücken hat die Familie Hofreiter in und um München. Auf der Internetseite der Landwirte prangt zurzeit ein großer, roter Warnhinweis: "Durch den starken Hagel hat es unsere armen Erdbeeren in Untermenzing, Feldmoching und Unterschleißheim so stark erwischt, dass ihr bitte beim Pflücken viel Geduld mitbringt oder zu einem unserer anderen Felder schaut", ist dort zu lesen. Der Hagel habe große Schäden angerichtet, sagt auch Margarete Soranno. Die Ernte im Norden sei total kaputt, bei dem Unwetter am Pfingstmontag seien selbst die Hagelnetze nutzlos gewesen.

Knapp 300 000 Tonnen Erdbeeren verspeisen die Deutschen jedes Jahr, das sind 3,6 Kilo pro Kopf. Wenn es nach der Verzehrmenge geht, landet das rote Gewächs damit nur auf Platz fünf der beliebtesten Früchte hierzulande - nach Äpfeln, Bananen, Trauben und Pfirsichen.

"Sie müssen rot sein, Camillo!", ruft das kleine Mädchen seinem Bruder hinterher. Camillo antwortet zwar, aber so richtig wahrzunehmen scheint er seine Schwester nicht mehr. Während ihre beiden Kinder mit den Nasen schon zwischen den Sträuchern verschwinden, ratscht die Mutter noch schnell den Reißverschluss der großen, hellblauen Tasche zu, in der sie diverse Boxen und Schälchen verstaut hat. Der Altersdurchschnitt der Selbstpflücker auf dem Erdbeerfeld fällt an diesem Tag äußerst niedrig aus. Immer wieder kommen Eltern und Großeltern mit kleinen Kindern entweder auf dem Rad oder mit dem Auto auf dem Parkplatz an, um gemeinsam auf die Suche nach den besten Erdbeeren zu gehen. Manch ein Erwachsener macht das nicht ganz freiwillig. Ihr persönlich würden ja die Erdbeeren vom Discounter besser schmecken, raunt eine Frau in einem bunt gemusterten Kleid etwas verlegen. Aber vom bloßen Einkaufen hätten ja die Enkelkinder nichts.

Schon am Vormittag ist eine Gruppe junger Mütter auf dem Feld unterwegs. Auch sie haben ihre Kinder dabei, die von Reihe zu Reihe springen. Die Frauen sprechen russisch miteinander, sie haben sich durch ihre Männer kennengelernt und sind vor etwa neun Jahren nach Deutschland gekommen. Ein Feld, wo man dafür bezahlt, Erdbeeren zu pflücken? So etwas gebe es in ihrer alten Heimat nicht, da sind sich die Frauen einig. Sie scherzen, spielen selbstironisch mit Klischees. In Russland, so sagt eine, sei solch ein Feld über Nacht leergegessen. "Und die Kasse wäre auch leer." Wie viele Erdbeeren am Ende tatsächlich im eigenen Körbchen landen, ist bei ihnen Nebensache. "Die Mamas essen, können sich aufs Quatschen konzentrieren und die Kinder haben Spaß."

"So kann man den Kindern zeigen, dass das Obst nicht in der Schale im Supermarkt wächst"

Die Früchte, die es doch mit nach Hause schafften, blieben länger frisch, "die kann man morgen und auch übermorgen noch essen", sagt Lena Videneeva, die mit ihren Freundinnen und ihrem dreijährigen Sohn auf dem Feld ist. Für sie hat das ganze Erlebnis noch einen pädagogischen Effekt. "So kann man den Kindern zeigen, dass das Obst nicht in der Schale im Supermarkt wächst."

Gegen Mittag ist auch Hubert Hergenhan auf dem Feld. Er ist früh dran und hat Zeit für ein Schwätzchen. "Ich bin mit dem Radl schneller als die mit dem Auto", freut sich der Mann mit dem hellblauen Sommershirt und der Brille mit den runden, getönten Gläsern. Der Rentner wartet auf seine Tochter und seinen zukünftigen Schwiegersohn. Einmal die Woche komme er vorbei, wenn das Feld fürs Pflücken freigegeben ist. "Im Winter brauche ich keine Erdbeeren. Ich bin der Meinung, Früchte isst man in der Saison." Frisch vom Strauch schmecke einfach besser, als wenn die Beeren drei Wochen "irgendwo herumgeistern". Mit den Früchten, die er auf dem Feld sammelt, hat Hergenhan Besonderes vor: Er sei großer Erdbeermilchfan, sagt der 67-Jährige. Aus einem Teil der Milch will er Eis machen. Geheimzutaten gebe es nicht. "Einfach blank", sagt Hergenhan auf die Frage nach seinem Rezept. Eine Eismaschine habe er nicht, deswegen komme die Milch so wie sie ist ins Gefrierfach - und wird somit steinhart. "Zum Schlecken ist das Eis halt weniger, eher zum Kauen", sagt er und schildert sein Vorhaben dabei mit so viel Vorfreude in der Stimme, dass sich sein selbstgemachtes Erdbeereis beinahe allein vom Zuhören am Feldrand schmecken lässt.

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