bedeckt München
vgwortpixel

Bayern-Wlan:Digital Surfen im Englischen Garten

Von den sieben neuen Hotspots befinden sich zwei im Biergarten am Chinesischen Turm.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) hat am Montag im Biergarten am Chinesischen Turm weitere Hotspots für das sogenannte Bayern-Wlan freigeschaltet.
  • Zu den mehr als 22 000 Bayern-Wlan-Hotspots, die bereits in Betrieb sind, kamen nun insgesamt drei neue Standorte und sieben weitere Hotspots im Englischen Garten hinzu.
  • Auch im öffentlichen Nahverkehr soll es bald mehr Wlan geben. Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert hingegen den Ausbau des Mobilfunknetzes.

Das Wetter online checken, Selfies vor dem Chinesischen Turm an Freunde in aller Welt schicken oder einfach nur Musik hören, während man einen Herbstspaziergang durch den Park macht - kostenloses Surfen ist nun auch im Englischen Garten angekommen. Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) hat am Montag im Biergarten am Chinesischen Turm weitere Hotspots für das sogenannte Bayern-Wlan, eine Initiative des Freistaates, freigeschaltet. Im Münchner Stadtgebiet gibt es zwar schon bisher Möglichkeiten, kostenfrei und schnell zu surfen. An einigen Orten funkt es jedoch noch nicht so richtig.

Wo also im Sommer bei Bier und Hendl bis zu 7 000 Menschen in der Sonne saßen, wurden nun bei Temperaturen um den Gefrierpunkt neue Hotspots eingeweiht. Man habe die "Qual der Wahl", sagte Füracker, "Erholung in der Natur mitten in München, kombiniert mit der weiten digitalen Welt oder nur die digitale Welt." Zu den mehr als 22 000 Bayern-Wlan-Hotspots, die bereits in Betrieb sind, kamen nun insgesamt drei neue Standorte und sieben weitere Hotspots im Englischen Garten hinzu: zwei im Biergarten, drei am Seehaus und zwei im Biergarten Aumeister im nördlichen Teil des Englischen Gartens. 500 Nutzer können sich pro Hotspot gleichzeitig einwählen, wollen mehr Menschen zur selben Zeit surfen, übersteigt das die Kapazität. Im Oktober 2019 haben etwa neun Millionen Nutzer das Bayern-Wlan genutzt und mehr als 1000 Terabyte an Daten übertragen.

Süddeutsche Zeitung Landkreis München Unterwegs im Netz
SZ-Serie: Mit dem Bus in den Landkreis, Folge 3

Unterwegs im Netz

Zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen 89 Prozent aller Busse mit Wlan ausgerüstet sein. Die Kosten trägt vorerst der Freistaat.   Von Iris Hilberth

Neben dem Bayern-Wlan, das auch in vielen Gemeinden und ungefähr 1100 Bussen im ländlichen Raum in Betrieb ist, gibt es in München noch andere Möglichkeiten, kostenlos und sicher zu surfen. Über ein Gemeinschaftsprojekt der Stadtwerke München, dem Telekommunikationsanbieter M-net und der Stadt kann das M-Wlan-Netzwerk an insgesamt mehr als 60 Standorten in München kostenlos genutzt werden, darunter an mehr als 25 öffentlichen Plätzen sowie an weiteren "indoor"-Standorten wie Schulen und Verwaltungsgebäuden. Die Bürger und Besucher Münchens können sich sowohl über ein freies als auch ein verschlüsseltes Netzwerk einloggen. Ein Angebot, das vor allem für Touristen attraktiv sein dürfte, die nicht automatisch über ihre Handy-Verträge günstig ins Internet können, um beispielsweise Fotos vom Marienplatz oder den Eisbach-Surfern in ihre sozialen Kanäle hochzuladen. Nach Angaben der Stadtwerke München verzeichnet das Netzwerk mehr als 150 000 Nutzer pro Monat: Das Feedback sei durchweg positiv, so die Stadtwerke.

Der Ausbau von Wlan-Hotspots im öffentlichen Nahverkehr wurde in der Vergangenheit im Stadtrat häufig diskutiert - und hinkt noch ziemlich hinterher. In einem Pilotversuch bietet die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) Wlan zurzeit in zehn Bussen an. Das Angebot soll kontinuierlich ausgeweitet werden, um aussagekräftige Ergebnisse über die Nutzung zu gewinnen. Daher werden mehrere neu zu beschaffende Fahrzeuge ebenfalls mit Wlan ausgestattet. Der weitere Angebotsausbau bei U-Bahn, Tram und Bus müsse angesichts kontinuierlich steigender Fahrgastzahlen oberste Priorität haben, sei aber vor allem eine Frage der Finanzierung, so ein Sprecher der MVG.

Zwangstrennung nach 60 Minuten

Der Schutz von persönlichen Daten wird im digitalen Zeitalter zunehmend wichtiger und stellt große Herausforderungen für Netzbetreiber, Unternehmen und Privatpersonen dar. Die Betreiber der größten öffentlichen Wlan-Hotspots in München haben verschiedene Sicherheitsvorkehrungen getroffen: Das Bayern-Wlan hat bereits seit der Einführung im Jahr 2015 einen Jugendschutzfilter eingebaut. Ebenfalls seit vier Jahren schon bieten die Betreiber des M-Wlan-Netzwerks sowohl einen freien wie auch einen verschlüsselten Zugang an. Um das verschlüsselte Netzwerk nutzen zu können, ist eine einmalige Registrierung notwendig. Die Zugangsdaten werden anschließend an die angegebene Mailadresse geschickt und das verschlüsselte Netzwerk kann genutzt werden. In beiden Netzwerken erfolgt nach zehn Minuten Inaktivität oder nach 60 Minuten Dauernutzung eine automatische Trennung. Um danach wieder weitersurfen zu können, müssen sich die Nutzer erneut verbinden und gegebenenfalls auch anmelden. Das ist mühsam, dient aber der Sicherheit - so stellen es die Anbieter dar. SZ

Bei der S-Bahn München ist die Testphase bereits abgeschlossen. Vom Frühjahr 2018 an war ein Wlan-Testzug unterwegs und sammelte Erkenntnisse zur Qualität der Internetverbindung, zum Kundenfeedback und zu den Verbrauchskosten. Eine flächendeckende Umrüstung der S-Bahn-Züge soll nun 2020 starten.

Andreas Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn sagt jedoch: "Verbesserungsbedarf liegt für uns eher im Mobilfunknetz. Es kann nicht sein, dass man zwischen München und Miesbach 20 Minuten keinen Empfang hat." Die meisten Fahrgäste hätten sowieso ausreichend Datenvolumen in ihren Mobilfunkverträgen verankert, eine stabile Verbindung über das Mobilfunknetz sei die bessere Alternative.

Egal ob Wlan oder Mobilfunk: Viele meinen, schnelles und sicheres Surfen sollte 2019 in Deutschland selbstverständlich sein. Das hätte auch für die Verkehrsbetriebe Vorteile: In Bussen, die mit Wlan ausgestattet sind, gibt es laut Heimatminister Füracker weniger Vandalismus, es geht also auch weniger kaputt. Die Fahrgäste sind vermutlich damit beschäftigt, das Wetter zu checken, Videos zu streamen oder Selfies in alle Welt zu schicken.