Der Tram-Nordtangente durch den Südteil des Englischen Gartens hat die bayerische Staatsregierung vor bald zwei Jahren eine Abfuhr erteilt. Der Freistaat hat nun eine Machbarkeitsstudie für eine alternative Route mit 120 000 Euro finanziert. Am Donnerstag haben die Stiftung „Ein Englischer Garten“ und das Ingenieurbüro Bernard Gruppe das Ergebnis der Studie vorgestellt.
Der zufolge ist das Projekt zumindest aus technischer Sicht machbar. Die Tram würde kurz nach der Tivolibrücke nach Norden in die Hirschauer Straße abzweigen und nach einen Schlenker durch den Tucherpark entlang der Ifflandstraße verlaufen, bevor sie dann am Isarring in einem Tunnel verschwindet. Der soll nach den Ideen der Planer nur noch vier Autospuren haben, dafür hätten dann die Tramgleise Platz.
Die Zufahrt auf den Ring von Schwabing über die Dietlindenstraße würde für Autos gesperrt, wie der Autoverkehr dann sinnvoll auf den Ring geleitet werden soll, lässt die Studie offen. Die Zufahrt über die Ungerer- und dann die Gundelindenstraße dürfte dem zu erwartenden Autoverkehr nicht gewachsen sein. Schon heute wird die schmale Gundelindenstraße zum Leidwesen der Anwohner oft als Schleichweg genutzt, es gibt seitens der Stadt Überlegungen, die Zufahrt nur noch Anwohnern zu erlauben. Wenig realistisch wäre auch eine Zufahrt über die ebenso schmale Biedersteiner Straße.
Was der vom Freistaat bezahlten Studie ebenso fehlt, sind Prognosen über die Nutzung der Tram. Die Trasse entlang des Mittleren Rings wäre zwischen Tivolibrücke und Münchner Freiheit dreieinhalb Kilometer lang, einen knappen Kilometer in Schwabing würde sie sich zudem mit dem Autoverkehr teilen. Zum Vergleich: Die Trasse durch den Südteil wäre nur 800 Meter lang. Das bedeutet, dass die Tram auf der Alternativroute auch wesentlich länger unterwegs wäre, was nach Einschätzung des Mobilitätsreferats zu weniger Fahrgästen führen würde. Zudem zweifelt die Behörde unter anderem wegen der höheren Baukosten auch an der Förderfähigkeit der von der CSU und auch der FDP propagierten alternativen Trasse.
Nach Berechnung der Bernard Gruppe würde das gesamte Projekt, also ein Deckel über dem Ring samt Tram, gut 240 Millionen Euro kosten, eine Summe, die sich die Stadt aktuell nicht würde leisten können, selbst wenn es einen Zuschuss vom Freistaat gäbe. Noch vor zehn Jahren versprach der damalige Finanzminister Markus Söder (CSU), den Deckel mit 35 Millionen Euro zu unterstützen.
Dass der Englische Garten dereinst wiedervereinigt wird, daran glauben Petra Lejeune und Hermann Grub, die Initiatoren der Machbarkeitsstudie, nach wie vor. Seit 2010 setzen sie sich dafür ein, dass der Isarring einen Deckel bekommt. Seit den Sechzigerjahren ist der Park durch die Autoschneise in einen Süd- und einen Nordteil zerschnitten. Doch die Stadt verfolgt die Planungen nicht weiter, weil nach ihrer Berechnung rund 900 Bäume mit einem Stammumfang von 80 Zentimeter oder mehr gefällt werden müssten. Die Bernard Gruppe kommt auf knapp 600 Bäume. Da die Stadt aber die Baumschutzverordnung dieses Jahr auf Gehölze mit einem Umfang von 60 Zentimeter erweitert hat, dürften weitaus mehr geschützte Bäume betroffen sein.

